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Am vergangenen Freitag ließ der NDR die noch stehenden Stümpfe entfernen. Fünf junge Birken sollen an ihrer Stelle wachsen.

Am vergangenen Freitag ließ der NDR die noch stehenden Stümpfe entfernen. Fünf junge Birken sollen an ihrer Stelle wachsen.© Benjamin Behrens

Südstadt

Streit um gefällte Bäume beim NDR geht weiter

Mit der Fällung von acht alten und hochgewachsenen Robinien in seiner Feuerwehr­zufahrt Anfang Februar hat der NDR die Anwohner gegen sich aufgebracht. Nun erreicht der Streit um die Bäume eine neue Stufe. Nachbarn haben eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen das aus ihrer Sicht vorhandene Fehlverhalten des Senders richtet.

Südstadt. „Das ist skandalös gelaufen“, ärgert sich Walter Leyendecker. Dabei kam der NDR nach eigenen Angaben nur seiner Pflicht zur Gefahrenabwehr nach. „Eine mögliche Gefährdungslage wurde offenbar, als am 21. Juli 2014 ein größerer Baumstammteil einer Robinie abbrach“, teilte Martin Gartzke, Sprecher des NDR mit. „Der Baum erwies sich als morsch; er war vom Brandkrustenpilz befallen, der äußerlich nur mit geschultem Auge festzustellen ist“ Das hätten eine Gutachterin des für den Sender tätigen Gartenbaubetriebs und Gutachter des städtischen Fachbereichs gemeinsam bestätigt. „Nach meiner Einschätzung war das ein Gefälligkeitsgutachten“, kritisiert Leyendecker.

Kay Ovens, Inhaber einer privaten Baumpflegefirma, kann die Einschätzung des Anwohners nicht teilen. Dagegen spreche vor allem seine eigene Erfahrung mit dem Grünflächenamt. „Die machen mir zuliebe keine einzige Genehmigung“, berichtet er. Wo immer es möglich sei, werde der Baumbestand erhalten, sagt der 56-Jährige. Das Gutachten des Grünflächenamts führt unter anderem bruchgefährliche V-Gabelungen, sogenannte Druckzwieseln, und Pilzbefall als Fällgründe auf. „Das ist gerade bei Robinien typisch“, sagt Ovens.

Auch Dirk Saenger zweifelt nicht am Gutachten. „Ich glaube nicht, dass sich der NDR da was erlauben wird“, sagt der 50-Jährige. Er wohnt gegenüber der Feuerwehreinfahrt des Senders. Der Anwohner bedauert die Fällungen, bestätigt aber die Gefährdung durch die weit in die Straße ragenden Bäume. Oft sei totes Holz auf den Gehweg und an der Straße parkende Autos gestürzt. „Da war immer alles voll mit Ästen“, erinnert er sich.

Um Walter Leyendecker hat sich inzwischen ein achtzehnköpfiger Unterstützerkreis gebildet, sein Titel: Bürgerinitiative zum Erhalt der Lebensqualität im Bereich des NDR. Ein erstes Anliegen war, sich ein eigenes Bild vom Gesundheitszustand der Bäume zu machen. Leyendecker beantragte dazu, mit einem selbst gestellten Gutachter die Baumstümpfe untersuchen zu können. „Das hatte er leider getan, als wir schon die Pflanzung beauftragt hatten“, sagt Weiss.

In Absprache mit dem Nachbarn seien fünf schnell wachsende Birken gepflanzt worden. „Damit bald wieder Sichtschutz da ist“, sagt der NDR-Verwaltungsleiter. Zu schnell für ein Gutachten, die Baumreste wurden geschreddert, um den Untergrund für die Neupflanzungen vorzubereiten. „Die Gartenbaufirma sagte uns, dass es jetzt sein muss“, sagt Weiss. Andernfalls wären die jungen Birken nicht mehr angewachsen. Auch wenn Leyendecker darauf gedrungen hat, so schnell wie möglich Ersatz zu schaffen, ärgert ihn das Vorgehen. Der Anwohner wirft dem NDR vor, den Termin für das Entfernen der Reste unnötig nach vorn gezogen zu haben. „Damit wurde jede Beweissicherung vereitelt.“ Die Anschuldigungen kann NDR-Verwaltungschef Weiss nicht nachvollziehen. „Was brauche ich mehr als eine offizielle Fällgenehmigung der Stadt?“

Von Benjamin Behrens


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