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Oswald Kraus zeigt die neue Unübersichtlichkeit an der Brücke Groß-Buchholzer Kirchweg: Die gestrichelte Linie links von ihm führt Radfahrer neuerdings direkt auf die Fahrbahn. Rechts ist noch der alte, sichere Radweg zu sehen.

Oswald Kraus zeigt die neue Unübersichtlichkeit an der Brücke Groß-Buchholzer Kirchweg: Die gestrichelte Linie links von ihm führt Radfahrer neuerdings direkt auf die Fahrbahn. Rechts ist noch der alte, sichere Radweg zu sehen.Fotos:© Schwarzenberger

Groß-Buchholz

Streit um eine Linie

Vom Gehaplatz am Mittellandkanal führt der Groß-Buchholzer Kirchweg über eine kleine Bogenbrücke nach Süden. Dort findet sich Kurzem ein Kuriosum, das viele Anwohner als Schildbürgerstreich ansehen.

Groß-Buchholz/Bothfeld. Der Radweg teilt sich neuerdings an der Auffahrt zum Brückenbauwerk. Eine gepflasterte Route verläuft weiterhin neben dem Fußweg und getrennt von der Straße. Ein jüngst von der Stadt aufgemalter Radstreifen aber führt direkt auf die enge Fahrbahn, auf der die Autos unterwegs sind. Radfahrer wie Oswald Kraus schütteln den Kopf. „Das ist doch lebensgefährlich“, sagt er.

Kraus nutzt die Radwege durch Groß-Buchholz oft. Vor Kurzem fiel ihm an der Bogenbrücke die neue Markierung auf. Sie ersetzt den alten Streifen aus weißer Farbe, der jahrelang vom Gehaplatz auf den mit schwarzen Pflastersteinen gekennzeichneten Radweg über die Brücke führte. Der alte Radweg ist zwischen Bogenkonstruktion und Brückengeländer angelegt und sauber abgegrenzt von den zwei Fahrspuren auf der Straße. Dass Radfahrer jetzt auf die Fahrbahn geleitet würden, findet Kraus heikel. Er zeigt auf die zahlreichen Autos, die auf der Brücke unterwegs sind. Eines davon, ein Cabrio, bleibt für einen Moment neben Kraus stehen. „Wann kommt denn diese blöde Linie weg?“, brüllt der Fahrer gegen den Motorenlärm an und meint die neue Radspur. „Das ist ja gefährlich“, ruft er noch und entschwindet mit dem Cabrio. Kraus nickt, genau das sei das Problem.

Nur wenige Schritte weiter parkt ein Bus der Linie 123 an der Haltestelle. Der Fahrer liest Zeitung. Nach der neuen Radspur gefragt, blickt er kurz verwundert auf. „Die ist mir noch nicht aufgefallen“, sagt er. Er sehe die Radfahrer immer den alten Weg nehmen. Vor seinen Bus, der ebenfalls über die Brücke fährt, sei jedenfalls noch kein Radler geraten. „Ich habe auch noch keinen gesehen, der die Straße nutzt“, räumt Kraus ein. Aber es scheine ja von der Stadt so gewünscht zu sein - und das sei eine bedenkliche Idee, findet der Anwohner.

Die Brücke und der alte Radweg stammen aus dem Jahr 1999. Damals wurde der Mittellandkanal etwas verbreitert. Inzwischen habe sich die Straßenverkehrsordnung geändert, sagt Stadtsprecher Alexis Demos auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers. „Der Radweg ist in diesem Bereich nicht mehr benutzungspflichtig.“ Eine besondere Gefahrenlage wegen der beengten Verhältnisse auf der Fahrbahn gebe es nicht. „Dann wäre die Benutzungspflicht nicht aufgehoben worden.“ Die Radfahrer haben vor der Brücke die Wahl: rechts an der Bogenkonstruktion vorbei zum alten Radweg oder direkt auf die Straße. Der neue Radstreifen sei Mitte April dieses Jahres aufgetragen worden, sagt Demos - und zwar, um auch den Auto- und Kraftfahrern zu verdeutlichen, dass ihnen auf der Brücke Radfahrer in die Quere kommen könnten. Als sinnvoll befinden das weder Kraus noch der Busfahrer oder der Cabrio-Fahrer.

Es gibt nahebei noch eine Gefahrenstelle, auf die Kraus gern verweist. Im Heidkampe in Bothfeld sei so viel Verkehr unterwegs, dass es an der Kreuzung zur Adolf-Emmelmann-Straße gefährlich für Radfahrer werde. „Dort fehlt ein Schild, das abbiegende Autofahrer vor dem Radverkehr warnt.“ Das sieht auch eine Frau so, die mit ihrem Rad just an dieser Kreuzung zur Arbeit unterwegs ist. Nachmittags im Berufsverkehr staue sich der Verkehr Im Heidkampe. „Dann suchen sich die Autofahrer eine Lücke und biegen schnell ab.“ Hinein in die Adolf-Emmelmann-Straße oder in die Gegenrichtung. „Da werden Radfahrer manchmal übersehen“, bestätigt die Frau. Auch für diese Stelle sieht die Stadt kein besonderes Gefahrenpotenzial. Radfahrer haben dort Vorfahrt, sagt Demos. Darauf müssten Autofahrer achten. Ein Schild gebe es deshalb nicht.

mas


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