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Immer wieder werden im Stadtgebiet alte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, wie im Juni 2010 diese englischen Fliegerbomben in Langenhagen.

Immer wieder werden im Stadtgebiet alte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, wie im Juni 2010 diese englischen Fliegerbomben in Langenhagen.© Elsner

Vahrenheide, Sahlkamp und Bothfeld

Bombenräumung: So kommen Sie gut durch den Sonntag

Wegen der bisher größten Bombenräumung der Stadtgeschichte werden am kommenden Sonntag Teile von Vahrenheide, Sahlkamp und Bothfeld evakuiert. Tipps für 25.000 Betroffene.

Östliche Stadtteile. Kein gewöhnlicher Sonntag steht rund 25.000 Bewohnern in den Stadtteilen Vahrenheide, Sahlkamp und Bothfeld bevor: Um 9 Uhr müssen sie ihre Wohnungen oder Häuser verlassen und dürfen sie für sechs bis acht Stunden nicht mehr betreten. Diese Zeit veranschlagen die Experten von Feuerwehr und Polizei für die Entschärfung oder Sprengung von mehreren Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die in dem betreffenden Bereich vermutet werden.

Bei der bisher aufwendigsten Bombenräumung in Hannover werden in einem Radius von 1000 Metern um die Verdachtspunkte die Bewohner evakuiert. Für alle, die keine andere Aufenthaltsmöglichkeit haben, ist eine zentrale Sammelstelle in der Turnhalle der Käthe-Kollwitz-Schule eingerichtet. Dort haben 500 Personen Platz, bei Bedarf kann erweitert werden.

Und wie richtet man sich nun am besten auf diese unfreiwillige Auszeit ein? Was gilt es einzupacken und zu bedenken? Kann eine derart gestörte Sonntagsruhe auch schöne Seiten haben? Michael Hintz, Pressesprecher der Feuerwehr, gibt Tipps und erzählt aus seiner langjährigen Erfahrung mit Bombenräumaktionen.

Gesundheit und Wohlbefinden: In besonderen Situationen reagieren Menschen manchmal merkwürdig. Michael Hintz hat schon erlebt, dass evakuierte Personen vergessen haben, ausgerechnet lebenswichtige Medikamente, Hörgeräte oder die Brille aus ihrer Wohnung mitzunehmen. „Natürlich können die Rettungsdienste wie am Sonntag die Johanniter da Hilfe leisten. Doch das Beste ist, einfach selbst dran zu denken“, sagt Hintz. Auch an warme Kleidung sollte gedacht werden. „Die Sammelstelle ist zwar beheizt, doch dort herrschen keine 28 Grad.“ Eine Strickjacke oder ein dicker Pullover auch für drinnen ist also zu empfehlen.

Wertsachen und Dokumente: „Mehr als die normalen Ausweispapiere wie Führerschein und Personalausweis mitzunehmen, ist nicht erforderlich“, sagt der Feuerwehrsprecher. Besonders Ängstlichen, die aus Furcht vor einer misslungenen Bombenentschärfung gleich den Familienschmuck, alte Fotoalben oder das Stammbuch einpacken wollen, gibt er zu bedenken: „Je mehr man mit sich herumträgt, desto mehr kann einem auch gestohlen werden.“

Essen und Trinken: Die Johanniter halten in der Sammelstelle warme und kalte Getränke sowie einfache warme Mahlzeiten wie Eintopf oder Gulasch bereit. Doch Vegetarier oder Veganer haben ein Problem: „An diese Personen ist bei der Versorgung nicht gedacht“, sagt Hinz. Vegetarische Kost läuft nach Kategorisierung der Rettungsexperten unter „Spezialnahrung“ – und muss daher mitgebracht werden. So wie Babykost oder Flüssignahrung, etwa für Senioren. Generell rät Hintz aber auch Nichtvegetariern, sich etwas Obst einzupacken. Kindern können Naschereien die Zeit vertreiben helfen.

Unterhaltung: Wer die Bombenräumung nicht zum Anlass für einen Sonntagsausflug nutzt, sondern sechs bis acht Stunden in einer Turnhalle verbringt, wird sich irgendwann langweilen. „Wir lassen keinen Bücherbus vorfahren und sind keine Animateure“, sagt Hintz über die Betreuer. Sinnvoll sei es daher, Bücher, Karten- oder auch kleine Brettspiele einzupacken. Das gelte vor allem für Familien mit Kindern. „Da wird dann schnell auch der Nachbar in der Turnhalle zum Mitspielen eingeladen, und neue Bekanntschaften entstehen.“

Haustiere: Hunde und Katzen würden bei Bombenevakuierungen in der Regel von ihren Besitzern in die jeweilige Sammelstelle mitgebracht, sagt Feuerwehrsprecher Hintz. Genug Platz sei immer vorhanden, versichert er. „Wir haben auch schon Leute erlebt, die mit einem Vogelkäfig gekommen sind, weil sie sich von ihrem Wellensittich nicht trennen konnten.“ Und auch der Käfig kam unter.

Gepäckvolumen: Hintz mahnt zur Mäßigung: „Man sollte nicht mehr einpacken, als in einen Rucksack passt“.

Für Anfragen rund um die Bombenentschärfung ist unter der Nummer (08 00) 7 31 31 31 ein Bürgertelefon eingerichtet, das am morgigen Freitag sowie am Sonnabend, 5. Januar, von 10 bis 16 Uhr besetzt ist. Am Tag der Entschärfung selbst, Sonntag, 6. Januar, ist das Bürgertelefon von 7 Uhr bis zum Abschluss aller notwendigen Maßnahmen am späten Nachmittag geschaltet. Aktuelle Informationen gibt es auch im Internet unter der Adresse www.feuerwehr-hannover.de.

Der rot umrandete Bereich zeigt die Evakuierungszone. In Vahrenheide, Sahlkamp und Bothfeld müssen 25.000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Das sollten Betroffene wissen

Wer wegen der Bombenevakuierung am Sonntag, 6. Januar, in Vahrenheide, Sahlkamp und Bothfeld seine Wohnung oder sein Haus verlassen muss und keine andere Aufenthaltsmöglichkeit während dieser Zeit hat, kann in die Käthe-Kollwitz-Schule kommen. Dort, in der Podbielskistraße 230, ist eine Sammelstelle eingerichtet, die am Sonntag ab 9 Uhr geöffnet hat.

Für den Transport dorthin fahren ab dieser Uhrzeit auch Busse auf einem Rundkurs, die jeden kostenlos mitnehmen, der in die Sammelstelle möchte.  An folgenden Haltestellen kann zugestiegen werden: General-Wever-Straße/Alte Heide, Kugelfangtrift/Bahnstrift, Kugelfangtrift/Tempelhofweg, Leipziger Straße/Zwickauer Straße, Dresdener Straße/Leipziger Straße, Weimarer Allee/Eisenacher Weg, Sahlkamp/Reiterstadion, Sahlkamp/Plauener Straße, Sahlkamp/Wietzegraben, Sahlkamp/General-Wever-Straße, Käthe-Kollwitz-Schule.

Gehbehinderte Menschen, für die sich eine Fahrt mit dem Bus nicht eignet, könnten unter der Telefonnummer 1 92 22 einen Krankentransport anfordern. Wichtig ist, das möglichst rechtzeitig zu tun, damit Feuerwehr und Hilfsdienst die nötige Fahrzeuganzahl organisieren können.

Zu einem Nachbarschaftstreffen lädt die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Arche Hannover während der Evakuierung in ihr neues Gemeindehaus im Gertrud-Greising-Weg, Ecke Constantinstraße, ein. Einlass ist ab 9 Uhr, um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst. Um 12 Uhr können alle Anwesenden Mittag essen, nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen, und ab 17.30 Uhr wird ein Film gezeigt. 

Betroffen von der Entschärfung der Bombenblindgänger ist auch das gesamte Gebiet des Kirchortes St. Franziskus der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde in der Dresdener Straße 29. Die für Sonntag um 9.30 Uhr geplante Abendmahlsfeier mit der Rückkehr der Sternsinger wird deshalb zur gleichen Zeit in die St.-Bruder-Konrad-Kirche, Overbeckstraße 4, in der List verlegt. Im Anschluss daran ist die Gemeinde ins Pfarrheim gegenüber der Kirche eingeladen.

Stefanie Kaune

Dieser Artikel wurde aktualisiert.


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