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Zu offensichtlich: Prostitution in der Hallerstraße ist den Anwohnern ein Dorn im Auge.

Zu offensichtlich: Prostitution in der Hallerstraße ist den Anwohnern ein Dorn im Auge.© Christian Link

Hallerstraße

Anwohner will bordellartigen Betrieb in Oststadt verbieten lassen

In der Hallerstraße 35 in der Oststadt hat nach Ansicht von Anwohner Dieter Flaig im vergangenen Jahr ein Bordell eröffnet. Die Hallerstraße liegt allerdings in einem allgemeinen Wohngebiet, und dort sind nach dem deutschen Baurecht neue Bordelle verboten – nur bereits bestehende Etablissements genießen Bestandsschutz.

Die Betriebsinhaber in der Hallerstraße streiten allerdings ab, ein Freudenhaus zu betreiben, und auch die Stadtverwaltung sieht dort keinen Bordellbetrieb im Gang. Flaig will dennoch gegen das vermeintliche Bordell rechtlich vorgehen und hat nach Einschätzung seines Anwalts dabei auch gute Chancen.

Offiziell sind in der Hallerstraße 35 zwei selbstständige Betriebe gemeldet: eine gewerbliche Zimmervermietung und eine Rauchergaststätte. Letztere wirbt in einer hannoverschen Boulevardzeitung als „Treffpunkt für Damen und Herren, die Thema Nummer 1 lieben“. Auf seiner Internetseite macht das Lokal mit dem Namen „Casanova XL“ weitere zweideutige Angaben zu seinem Geschäftsmodell: „Alle Damen, die in unserem Haus verkehren, sind Gäste wie Sie“, heißt es dort. Und: „Für die jungen sexy Ladies, die bei uns verkehren, dürfen wir leider laut Gesetz keine Werbung machen.“ Werbung macht das Lokal stattdessen für kuschelige Ecken, die sich mit Vorhängen verschließen lassen, und einen ec-Automaten im Haus.

Flaig findet diese Einrichtung für eine Gaststätte ziemlich ungewöhnlich und vermutet auch, dass die dort verkehrenden Damen durchaus mehr sind als einfache Gäste. „Das ist alles nur rechtlicher Blödsinn. Dort ist nichts anderes als ein großes Bordell entstanden: Die Frauen bieten sich unten in der Kneipe an und verrichten oben im Haus ihre Dienstleistung“, sagt er. Dort befindet sich das „Casa XL“ (vormals „Pascha XL“). Dabei handelt es sich um eine Pension, die nach eigenen Angaben nur bei Barzahlung gegen Vorkasse vermietet. Sie besitzt einen eigenen Hauseingang und ist offiziell eigenständig. Betrieben wird sie von der NBH GmbH. Das „Casanova XL“ gehört dagegen der SBH GmbH.

Flaig stört vor allem die Offensichtlichkeit, mit der die Prostitution dort praktiziert werde. So gebe es nicht nur auffällige Leuchtreklame, sondern auch einen regen Publikumsverkehr zwischen der Hallerstraße und der Friesenstraße, wo sich das Bordell „Harem XL“ befindet. „Wenn ein Taxi vorfährt, ziehen die Damen auch mal blank, um die Gäste anzulocken“, berichtet Flaig und kritisiert die Stadtverwaltung, die den vermeintlichen Bordellbetrieb in der Hallerstraße duldet. Sein Vorwurf: „Die Stadt guckt sich das hübsch.“

Die Verwaltung sieht rechtlich keine Grundlage einzuschreiten. Damit von einem Bordellbetrieb im Sinne des öffentlichen Baurechts ausgegangen werden könne, müsse ein Betrieb selbst Einnahmen aus der Prostitution erzielen oder mit den Prostituierten in einem Vertragsverhältnis stehen, berichtet Stadtsprecher Dennis Dix. „Das ist hier nach den Ermittlungen der städtischen Bauordnung sowie der Polizei nicht nachweisbar“, sagt Dix. Die Stadt könne daher nicht verhindern, dass selbstständige Prostituierte in der Hallerstraße ein Zimmer mieten.
Flaigs Rechtsanwalt, der namentlich nicht genannt werden möchte, kann diese Argumentation der Stadtverwaltung nicht nachvollziehen. „Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass der besagte Betrieb in der Hallerstraße baugesetzwidrig ist“, sagt er. Für die rechtliche Beurteilung sei es egal, ob eine Einrichtung offiziell als Bordell gelte oder nicht. Der Betrieb müsse auch dann verboten werden, wenn es sich – wie in diesem Fall – um einen „bordellartigen Betrieb“ handele.

Die Geschäftsführung der beiden Etablissements war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bei einem Anruf im „Casanova XL“ meldete sich jedoch eine Frau, die erklärte, die Eigentümerin des Gebäudes zu sein – allerdings wollte sie ihren Namen nicht nennen. Von einem Konflikt mit den Anwohnern wusste sie nichts. „Es hat keine Beschwerden und keine Briefe gegeben“, sagte sie. Sie habe einen Mietvertrag mit den beiden Betrieben, ansonsten aber nichts mit diesen zu tun. Außerdem verwies sie darauf, dass die Stadt die Betriebe kontrolliert und nichts zum Beanstanden gefunden habe.

Christian Link


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