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© Stefan Sauer/dpa

Zukunft

Zwei von fünf Azubis bewerben sich auf überlaufene Berufe

Es müsste nicht immer Mainstream sein, auch nicht bei der Ausbildung. Doch viele Jugendliche machen dennoch, was die meisten machen - und erleben dabei große Konkurrenz. Obwohl es Hunderte Lehrberufe gibt, steuern 40 Prozent der Bewerber seit Jahren nur auf 10 Berufe zu.

Hannover. Die Jungs wollen am liebsten in die Werkstatt, die Mädchen am liebsten ins Büro: Mit ihrem Ansturm auf die immer gleichen Berufe machen es sich viele Auszubildende unnötig schwer. Denn ein Großteil von ihnen bewirbt sich laut der amtlichen Statistik seit Jahren trotz weitaus größerer Auswahl immer auf die gleichen beliebten Lehrberufe. Dort herrscht dann aber auch die größte Konkurrenz. Dabei gäbe es der Arbeitsagentur zufolge in der Regel viele Alternativen, die durchaus noch den Vorlieben der Bewerber entsprechen, aber eben nicht auf die überlaufenen Top-Ten-Ausbildungsgänge entfallen.

"Wer gerne Kaufmann oder Kauffrau werden möchte, hat mehr Auswahl als Einzelhandel und Büro. Es gibt rund 50 Berufe in diesem Feld", sagt eine Sprecherin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. "Kaufleute werden auch im Bereich Automobil, Immobilien, Informatik, Marketing und Tourismus ausgebildet. Jugendliche sollten einen Beruf wählen, der zu ihren Interessen passt und nicht so überlaufen ist." Für den nächsten Ausbildungsstart in Niedersachsen haben sich bis Juni gut 55 000 Bewerber bei der Arbeitsagentur gemeldet. 40 Prozent von ihnen beschränken sich bei ihren Wünschen auf nur 10 Ausbildungsberufe. Den rund 22 500 Top-Ten-Wünschen stehen aber nur gut 16 000 freie Stellen in diesen Berufen gegenüber.

Und die Arbeitsmarktexperten sehen über die Jahre praktisch keine Verschiebung bei den Berufsvorlieben junger Menschen. Bei den männlichen Bewerbern liegt Kfz-Mechatroniker ganz vorne - früher hieß das Kfz-Mechaniker. Es folgt Einzelhandelskaufmann und auf Rang drei steht mit dem Industriemechaniker wieder ein technischer Beruf. Bei den Bewerberinnen liegt die Büro- vor der Einzelhandelskauffrau und vor der medizinischen Fachangestellten (früher: Arzthelferin).

Der Arbeitsagentur zufolge sind die Eltern bei der Ausbildungswahl nach wie vor die wichtigsten Ratgeber. Es sei wichtig, dass auch sie ihr Wissen über die Berufswelt aktualisierten. So fielen etliche Berufsbilder weg, etwa der Foto- und Filmlaborant. Andere hätten ihre Inhalte stark verändert. So lernten angehende Dachdecker inzwischen viel über energetische Herausforderungen und beim früheren Gas- und Wasserinstallateur gehöre die Klimatechnik mittlerweile zum Alltag.

Andere Ausbildungen seien aufgewertet: Speiseeishersteller lernten die Azubis früher zwei Jahre lang, das moderne Berufsbild "Fachkraft für Speiseeis" ist inzwischen ein dreijähriger Ausbildungsberuf. Im Internet informiert die Arbeitsagentur mit Videos über Berufe. Ein Klick lohnt. Der "Mediengestalter Flexografie" etwa dürfte vielen wohl kein Begriff sein. Er gestaltet Stempel, Schilder und Gravuren und stellt sie mit den unterschiedlichsten Geräten her.

dpa/lni


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