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Meine Stadt Zum Angriff auf Trittin: Das sagt Intendant Lars-Ole Walburg
Hannover Meine Stadt Zum Angriff auf Trittin: Das sagt Intendant Lars-Ole Walburg
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12:33 24.09.2010
Lars-Ole Walburg

Es kursiert der Verdacht, das Theater habe den Tortenwurf inszeniert…

Da ist nichts dran, wer sagt so etwas? Ich finde das auch gar nicht lustig, weil dieser Vorfall ja unsere Veranstaltung gestört und torpediert hat.

Das Dorf wird nicht abgebrochen? Die CDU fordert das.

Nein. Die CDU hat von Anfang an versucht, das Dorf zu verhindern. Ich finde sehr bedauerlich, was passiert ist, insbesondere für Herrn Trittin. Aber er ist da sehr gut mit umgegangen, und unsere Verantwortlichen haben die richtige Entscheidung getroffen, die Debatte abzubrechen.

Hätte man Trittin nicht besser schützen müssen?

Kein Politiker in unserem Land hat, wenn er nicht Mitglied der Bundesregierung ist, Anspruch auf Polizeischutz. Solchen Schutz können wir nicht leisten, auch mehr Polizei hätte die Attacke wohl nicht verhindern können. Das hätte ebenso gut bei einer Sonntagsmatinee im Schauspielhausfoyer passieren können.

Werden Sie etwas ändern?

Wir gehen nicht davon aus, dass noch einmal etwas passiert. Ehrlich gesagt, bin ich schockiert über die Ereignisse. Das sieht sehr geplant aus, wenn zehn Sekunden vorher Kameras eingeschaltet werden und alles mitfilmen.

Der Wurf lief gestern ständig bei n-tv. Vom Schauspielintendanten hat man wenig gehört. Wieso?

Ich habe noch am Abend nach der Attacke eine Stellungnahme herausgegeben. Ich denke, wir haben adäquat reagiert. Wir haben uns bis in die Nacht telefonisch beraten. Für uns ist klar, dass diese Attacke kein Ausdruck dessen war, was im Dorf vorgeht. Es sind keine radikalisierten Jugendlichen im Dorf, die Attacken planen.

Hanna Poddig, die sich nicht von der Tat distanzierte, ist im Dorf. Macht sich das Schauspiel so nicht gemein mit einem Milieu, das solche Anschläge unterstützt?

Ich denke, es ist umgekehrt. Ein Projekt, das sich die Aufgabe stellt, demokratische Vorgänge zu erforschen, kann nicht einfach sagen: Wir schließen diese Position aus. Mein erster Impuls war auch: Wenn Hanna Poddig das gutheißt, soll sie gehen. Aber ich denke, die adäquate Reaktion ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Zum Vorwurf ,Das alles auf Landeskosten’. Wie viel stecken drin?

22 000 Euro. Und die sind hervorragend angelegt. Die ganze Diskussion, ob das Dorf Theater ist oder nicht, macht mich müde. Das ist, als hätte man nach Christoph Schlingensiefs Tod eine Debatte angefangen, ob er ein Theatermacher war.

Mit 30 000 Euro hat die Bundeskulturstiftung gefördert, was sagt die?

Alle am Camp Beteiligten werden etwas anderes dazu sagen. Aber bevor eine Dämonisierung einsetzt, sollte man – wie Politiker der FDP es getan haben – ins Dorf kommen, mit den Jugendlichen reden. Wir zeigen Freitag und Samstag theatralische Arbeitsergebnisse, die Tschernobyl-Kantate und „Die Physiker“. Da kann man das Dorf beurteilen und sollte nicht jetzt alles in Frage stellen, weil es einen einzelnen Vorfall gab.

Wie ist Ihre Bilanz des Hüttendorfs bislang – ist es das Geld, die Zeit und den Streit wert?

Es steckt ja im Verhältnis wenig Geld darin. Unsere Leute arbeiten da ehrenamtlich, das hat mit Herzblut zu tun, nicht mit Geld. Das Hüttendorf ist es auf alle Fälle wert, ich habe dort eine ganz besondere Atmosphäre erlebt. Und dieser Vorfall wird jetzt mit Sicherheit Teil der Auseinandersetzung darüber, wie wir leben und miteinander umgehen wollen. lyn

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