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NACH DEM ZUGUNGLÜCK: Die Feuerwehr hilft den letzten Reisenden aus dem Regionalexpress.

NACH DEM ZUGUNGLÜCK: Die Feuerwehr hilft den letzten Reisenden aus dem Regionalexpress. © (c) Christan Elsner

UNGLÜCK

Zug zertrümmert Laster – Fahrer tot

Mit wahrscheinlich hoher Geschwindigkeit ist am Dienstagvormittag ein Zug in einen Lkw gedonnert – dessen Fahrer starb, im Zug wurden zwölf Menschen verletzt. Pikant: An dem Bahnübergang wird gerade gearbeitet. Und augenscheinlich war er zum Unglückszeitpunkt nicht gesperrt.

Neustadt. Ein Regionalexpress der Bahn ist am späten Montagvormittag gegen elf Uhr nahe des Bahnhofs Eilvese bei Neustadt mit einem Lastwagen zusammengestoßen. Der Lkw Fahrer (59) starb dabei, von den etwa 350 Reisenden im Zug wurden zwölf leicht verletzt. Das Unglück geschah auf einem Bahnübergang, dessen Schranken- und Lichttechnik gerade erneuert wird.

Was da nach dem Zusammenstoß an Trümmern auf und neben dem Gleis liegt, ist nicht auf den ersten Blick als „das war einmal ein Lkw“ zu erkennen, so zerfetzt hat der Zusammenprall mit dem Regionalexpress das Fahrzeug. Anscheinend ist der Zug mit einer Geschwindigkeit von um 160 Kilometern pro Stunde in den Laster gedonnert – denn so hoch etwa ist laut Deutscher Bahn die übliche Reisegeschwindigkeit an der Stelle. Ob der Regionalexpress nach Bremerhaven wegen der Bauarbeiten langsamer fuhr, ist noch ungeklärt.

Nach Erkenntnissen der Polizei war der Bahnübergang zum Unglückszeitpunkt nicht geschlossen: Der Lkw Fahrer habe zunächst bei geschlossenen Schranken gehalten. Nachdem sich diese kurze Zeit später wieder geöffnet hatten, signalisierte der gegenüber stehende Pkw dem Lkw-Fahrer, ihn an der durch eine Baustelle verengten Fahrbahn vorzulassen. Er fuhr los und der aus Neustadt heranfahrende Zug kollidierte mit dem Laster. Durch den heftigen Zusammenprall wurde der Mann aus der Fahrerkabine geschleudert und war nach Polizeiangaben sofort tot. Hauptziel der Ermittlungen – mit Unterstützung der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes – sei es nun, herauszufinden, warum trotz des herannahenden Zuges die Schranken geöffnet waren.

Der Doppelstockzug kam etwa 400 Meter nach der Kollision mit dem Lkw zum stehen. Fahrzeugtrümmer wurden so hochgeschleudert, dass sie die Zugseite beschädigten und Zugfenster barsten. Die Feuerwehr installierte Behelfsausstiege und holte so die Menschen aus dem Regionalexpress. Sechs der Verletzten reichte eine Versorgung vor Ort, sechs andere Verletzte kamen zur Untersuchung ins Krankenhaus.

Menschen, die wenig später das Geschehen vor Ort verfolgten, berichten, dass „alles absolut kontrolliert“ ablief, alle Einsatzkräfte „einen guten Job gemacht“ hätten. In dem Zug waren unter anderem zwei Schulklassen unterwegs, darunter eine aus Laatzen auf Klassenfahrt Richtung Nordsee.

Nach dem Unglück wurde die Strecke gesperrt, das war bis in die späten Abendstunden so. Zwischen Neustadt und Nienburg wurde ein Busersatzverkehr eingerichtet, der IC und ICE-Fernverkehr zwischen Hannover und Bremen/Oldenburg wurde über Minden umgeleitet, was laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis zu etwa 50 bis 60 Minuten längeren Fahrzeiten führte.

Hilfsbahnübergang

Der Bahnübergang nahe des Eilveser Bahnhofs bei Neustadt wird derzeit technisch erneuert, erhält eine neue Schranken- und Lichtanlage. Laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis ist der Bahnübergang während der Bauarbeiten mit einer mobilen Halbschrankenanlage samt Lichtzeichen versehen und „rund um die Uhr mit einem Hilfsbahnübergangsposten

Dem Sicherungsposten werde jeder Zug angekündigt und er muss diese Nachricht auch bestätigen. Um die Hilfsbahnübergangsanlage zu bedienen, müssten die Bediener eine entsprechende Ausbildung haben. Fehlt es an der, und dürfe derjenige vor Ort darum die „technische Einrichtung nicht bedienen“, würde statt der Halbschranken eine Faltschranke eingesetzt (rot-weiß-gestreift, auseinanderziehbar wie eine Ziehharmonika).

Von Ralph Hübner


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