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Meine Stadt Hannover: Die Leiden des Kassenpatienten
Hannover Meine Stadt Hannover: Die Leiden des Kassenpatienten
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06:53 07.12.2018
WARTEZEIT: Viele Patienten sind schon froh, überhaupt in der Arztpraxis gelandet zu sein. Beim Facharzt einen Termin zu bekommen, ist schwierig. Quelle: dpa
Hannover

„Meine Frau fühlt sich, als sei sie ein Mensch zweiter Klasse.“ Dirk J. hat sich das lange durch die Arbeitslosigkeit seiner Partnerin erklärt. Ihr Rücken schmerzt, dauernd gibt es Probleme mit Magen und Darm. Physiotherapie und eine Behandlung beim Facharzt könnten vielleicht helfen. Doch beides ist nur nach wochenlanger Wartezeit möglich.

Dirk J., selbst Privatpatient, findet das ungerecht. Er hätte einen Wunschtermin innerhalb von Tagen haben können. „Manchmal“, sagt er, „ gibt es sogar unterschiedlich Wartezimmer für gesetzlich Versicherte und privat Versicherte. In dem einen stehen Stühle, in dem anderen Ledersofas.“

Häufigste Beschwerde: Zu lange Wartezeiten

Das hat Stefanie Jäkel vom Sozialverband Deutschland noch nicht erlebt. Wiederholt aber hört sie Hinweise auf unterschiedliche Rufnummern von Ärzten. „Da wird schon bei jedem Telefongespräch ein Unterschied zu Kassenpatienten gemacht.“ Zu lange Wartezeiten für Facharzttermine sei eine häufig geäußerte Beschwerde der Verbandsmitglieder.

Vielfach nehmen sich Fachärzte keiner neuen gesetzlich versicherten Patienten an, so die Info der NP. In diesem Fall helfen nicht mehr die Überweisung und der Blick ins Telefonbuch, sondern der Hinweis des Hausarztes auf die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Wer sich dorthin wendet (mit Überweisung), soll innerhalb von vier Wochen behandelt werden.

Der größte Bedarf bestünde an Terminen bei Psychotherapeuten und Neurologen, berichtet KVN-Sprecher Jürgen Köster. Aufgelistet sind im dritten Quartal 3957 Anfragen für die erste und 3538 für die zweite Berufsgruppe. Die Hilfe eines Kardiologen brauchten 1023 Patienten, die eines Rheumatologen 946, eines Hautarztes 1023 und eines Augenarztes 871. Ein Termin beim Facharzt für Orthopädie war 664-mal gewünscht.

Oft herrscht ein Mangel an Facharztgruppen

Nicht jedes Bundesland hat Terminservicestellen. Sie einzurichten findet der Verbraucherzentralen-Bundesverband sinnvoll. Kai Vogel, Leiter Team Gesundheit und Pflege, hält diese Stationen allerdings für kein Allheilmittel gegen die Zwei-Klassen-Medizin. In bestimmten Regionen herrsche einfach Mangel an Facharztgruppen, sagt er. Die Budgetierung aufzuheben sei kein probates Mittel. „Die Kosten würden explodieren.“ Die Verbraucherzentrale sei strikt dagegen.

Die Kassenärztliche Vereinigung hält dagegen, dass die Budgetierung zu Lasten von Ärzten und Patienten gehe. Wer das Kontingent an Leistung überschreite, dem würde das Honorar erst gekürzt, dann gestrichen. Gut eine Million nicht vergüteter Stunden pro Quartal zeigten die Fehler im System.

Auf einen Aufruf der NP im sozialen Netzwerk Facebook gab es innerhalb von Minuten die erste Reaktionen. „Früher als Privat-Patient habe ich immer spätestens in der Folgewoche einen Termin bekommen. Jetzt als Kassenpatient bekommt man selbst mit akuten Problemen frühestens in drei Monaten einen Termin. Da muss sich dringend was tun“, schildert etwa ein Leser.

Terminservicestelle

Maximal vier Wochen lang auf eine Behandlung beim Facharzt warten – das soll die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) gesetzlich Versicherten garantieren. Vorn ihrem Hausarzt bekommen sie eine Überweisung mit der Nummer der Servicestelle. Das Team dort sucht dann nach dem nächsten freien Termin.

Das klappt nur mit Einschränkungen. „Es gibt keinen Wunschtermin und keinen Wunscharzt“, so KVN-Sprecher Jürgen Köster. Um schnell dran zu kommen, müsse man vielleicht längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen.

Das kritisiert der Sozialverband Deutschland, der Patientenfürsprecher ausbildet. Stefanie Jäkel: „Ältere Menschen oder Behinderte sind vielfach auf den Facharzt in der Nähe angewiesen.“ Ein Termin weit weg helfe ihnen wenig.

Von Vera König

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