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 © Frank Wilde

Tierisch

Zoo Hannover stellt neues Elefantenbaby "Floh" vor

Er ist endlich da, und ab sofort auch regelmäßig auf der Anlage zu bestaunen: Das neue Elefantenbaby „Floh“ im Zoo Hannover ist jetzt offiziell vorgestellt worden. Es ist das vierte Baby, das seit Dezember zur Welt kam. Die Geburt aber verlief diesmal dramatischer als üblich.

Hannover.  Es war ein schwere Geburt, die Zoochef Andreas Casdorff mit dem Wort „spannend“ nur unzureichend beschrieb. Gestern wurde das jüngste Elefantenkalb – Spitzname „Floh“ – erstmals der Presse vorgestellt. Und Zootierarzt Viktor Molnár berichtete von der Geburt am 5. Mai, die dem ganzen Team Sorgenfalten in Gesicht getrieben hatte.

Denn Mutter Sayang war spät dran. Der Progesteron-Spiegel, der täglich gemessen wurde, war bereits am 27. April abgesunken. „Das geschieht normalerweise zwei bis fünf Tage vor der Geburt“, erklärte Molnár. „In diesem Fall aber dauerte es achteinhalb Tage.“

Und eben acht Nächte, in denen der Tierarzt und die Pfleger im Stall Wache schoben und warteten. Schließlich machte der Veterinär eine rektale Ultraschalluntersuchung, bei der eine Sonde durch den After eingeschoben wird. „Der Pfleger kümmert sich dabei um das Tier und sagt mir Bescheid, wenn ich ran kann. Dann kann ich so lange fummeln, bis er mir sagt, dass der Elefant das nicht mehr will.“ Das Ganze natürlich ohne Vollnarkose. „Das zeigt das enge Vertrauensverhältnis zwischen den Tieren und ihren Pflegern“, betonte Casdorff mit Blick auf die Kampagne der Tierrechtsorganisation Peta, die dem Zoo Tierquälerei bei der Elefantenhaltung vorwirft.

Beim Ultraschall war gut zu erkennen, dass das Baby gesund war. Aber es hatte offenbar keine große Lust, seinen Rüssel in die Welt zu stecken. Am Freitagmorgen platzte die Fruchtblase. „Dann dauert es normalerweise fünf Minuten, bis das Baby kommt“, so Molnár, „aber nichts passierte.“ Die Sorgenfalten wurden tiefer. Wenn es bis zur Geburt mehr als zwei Stunden dauert, sei die Gefahr einer Totgeburt sehr groß, so der Tierarzt. Er hielt engen Kontakt zu einem weiteren Experten, dem Zooarzt vom Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Zunächst bekam Sayang ein Mittel, das den Geburtskanal weicher werden ließ. Schließlich wurde ihr das Wehen fördernde Medikament Oxytocin gespritzt. 30 Minuten später war „Floh“ da.

Noch voller Schleim und Blut versuchte der Kleine, der sich als Bulle herausstellte, ganz schnell auf seine Beine zu kommen, die immer wieder unter ihm in alle vier Himmelsrichtungen wegzurutschen drohten. „Er war mit 117 Kilo ein ganz schön großer Brocken“, so der zoologische Leiter Klaus Brunsing, „und hat sehr lange Beine. Er sieht super aus.“

Nicht nur das Zooteam war nach der Geburt total erleichtert. Auch die Herde der anwesenden Tanten und Geschwister freute sich tierisch. Die dreijährige Sitara führte einen richtigen Tanz auf und drehte sich aufgeregt im Kreis.

„Floh“ sei ganz normal entwickelt, sehr agil, laufe mit der Herde mit und trinke regelmäßig bei der Mutter. Davon können sich ab sofort auch die Zoobesucher überzeugen. Bei gutem Wetter wird der Kleine mehrmals täglich für etwa 20 Minuten in der Anlage im Dschungelpalast zu sehen sein.

Für den Nachmittag hat Peta eine Kundgebung vor dem Zoo angekündigt. Die Organisation will erneut gegen die Elefantenhaltung demonstrieren. Sie fordert eine Videoüberwachung des Neugeborenen, damit etwaige Misshandlungen dokumentiert würden. Peta wirft dem Zoo die Vermarktung der Elefantenbabys vor. Dem widersprach Zoochef Casdorff nachdrücklich: „Das ist nicht Vermarktung sondern unser satzungsgemäßer Auftrag, den Menschen die Natur näher zu bringen.“

Die erfolgreiche Elefantenzucht des Zoos Hannover – seit 2003 wurden hier mittlerweile 18 Kälber geboren – ist Teil des Erhaltungszuchtprogramms des europäischen Zooverbands EAZA. „Um eine stabile Population in den Zoos zu erhalten, müssten europaweit jährlich 15 Kälber geboren werden“, erklärt Brunsing. Davon sei man noch weit entfernt. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Die Peta-Vorwürfe werden derzeit von der Staatsanwaltschaft Hannover geprüft. Mehrere Gutachter sind eingeschaltet, darunter der Tierschutzexperte der TiHo Hannover, Professor Hansjoachim Hackbarth. Wann die Ergebnisse vorliegen sei nicht abzuschätzen, so Behördensprecherin Kathrin Söfker. Sie hoffe aber, dass gegen Ende des Monats oder im Juni eine abschließende Bewertung vorliegen werde.

Von Andreas Krasselt


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