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Meine Stadt Zoo Hannover: Generalstaatsanwaltschaft prüft Vorwürfe
Hannover Meine Stadt Zoo Hannover: Generalstaatsanwaltschaft prüft Vorwürfe
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15:36 18.10.2017
Elefanten toben im Gehege des Erlebnis-Zoo in Hannover. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/Archiv
Hannover

ie Tierrechtsorganisation Peta hat gegen die Einstellung des Zoo-Verfahrens Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Celle eingelegt. Zur Untermauerung der Vorwürfe, im Zoo Hannover würden Elefanten gequält, hat die Organisation ein neues Gutachten des renommierten Elefantenexperten Olaf Behlert vorgelegt.

Behlert war 30 Jahre lang Tierarzt des Kölner Zoos und Elefanten-Kurator. Köln war der erste Tierpark in Deutschland, der die gesamte Elefantenhaltung vom direkten auf den geschützten Kontakt umgestellt hatte. Ein Erfolgsmodell, dem bald viele andere Zoos folgen sollten.

In Hannover wird noch der direkte Kontakt praktiziert, auch wenn nach Bekanntwerden der Peta-Vorwürfe der Umstieg auf die geschützte Variante vorangetrieben wird. Problem beim direkten Kontakt ist der notwendige Einsatz des Elefantenhakens, mit dem sich der Tierpfleger Respekt in der Herde verschafft.

„Dabei geht es um das Einbrechen der Tiere“, erläutert Behlert auf Anfrage gegenüber der NP. „Das seelische Rückgrat der Tiere wird gebrochen.“ Das sei vielleicht bei asiatischen Arbeitselefanten, wenn auch nicht gut, so doch vielleicht verständlich. „Aber nicht in einem europäischen Zoo.“ Beim Umstieg auf den geschützten Kontakt sei es zumindest in Köln in erster Linie um den Tierschutz gegangen, nicht, wie Hannovers Zoochef Andreas Casdorff sagte, um den Schutz der Pfleger. „Der kam erst an zweiter Stelle.“

Doch beim Studium des vollständigen Videomaterials, das ihm Peta zur Verfügung gestellt habe, sei der Einsatz des Elefantenhakens über das für den direkten Kontakt erforderliche Maß hinausgegangen. Er habe „eindeutige und schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ festgestellt, so Behlert. Mit den Elefanten würden auf diese Weise klassische Zirkusnummern eintrainiert. „Das ist reine Dressur, es eine kommentierte Fütterung zu nennen, ist Unsinn.“ Durch den Einsatz der Haken würden die Elefanten traumatisiert.

Der Kölner Zoo hatte allerdings vor 2004 auch mit dem direkten Kontakt keine negativen Erfahrungen gesammelt, wie Sprecher Christoph Schütt beteuert:  "Den Einsatz von Elefantenhaken verdammen wir nicht per se – sofern er sinn- und maßvoll eingesetzt wird." Man sei schneller und direkter am Tier, um zum Beispiel Beschäftigungsprogramme durchzuführen, kleinere Verletzungen zu checken oder Futter zu geben. "Alles läuft schneller und direkter ab." Der Vorteil des geschützten Kontakts liege im generell verminderten Unfallrisiko für den Tierpfleger.

Der Zoo zeigte sich nicht überrascht von der eingelegten Beschwerde. „Es ist die übliche Vorgehensweise bei all ihren Kampagnen, um diese weiterhin medial zu spielen und um Spendengelder einzuwerben“, so Sprecherin Simone Hagenmeyer. „Uns ist dieses neue Papier aber nicht bekannt. Warum veröffentlicht Peta eigentlich nicht das vollständige Material, wie von uns gefordert?“