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Meine Stadt Zirkus Flic Flac feiert Hannover-Premiere
Hannover Meine Stadt Zirkus Flic Flac feiert Hannover-Premiere
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10:48 09.11.2018
Nichts für schwache Nerven: Flic Flac Quelle: Florian Petrow
Hannover

Motivierend ist er nicht gerade, der Titel der aktuellen Flic-Flac-Tour: „Farblos“. Zum Glück ist die Show aber das komplette Gegenteil von Tristesse, sonst hätten 1450 Hannoveraner am Donnerstagabend nicht so viel zum Freuen gehabt. Denn da feierte das Programm seine ausverkaufte Hannover-Premiere. Nach drei Jahren ist der Zirkus damit zurück in der Stadt. 

Vielleicht möchten die Showmacher mit dem Titel bewusst kokettieren. Der Zirkus kann es sich schließlich leisten, das Zelt wird trotzdem voll. Vielleicht soll mit „Farblos“ aber auch die Veränderung deutlich gemacht werden, die bei Flic Flac seit seinem letzten Besuch in Hannover unübersehbar eingetreten ist.

Fotos: Petrow

Die Show ist vielleicht nicht farbloser, aber definitiv ruhiger. Flic Flac ist bekannt für seine laute, rasante Show – mit Stunts, die an der Grenze des Ertragbaren sind und viele Nerven kosten. Und manchmal kosteten sie auch Leben. Vielleicht ist „Farblos“ die Antwort auf die Nachrichten von Unfällen und Todesfällen, die sich bei den Shows ereigneten. Vielleicht musste eine neue Ära angebrochen werden – die etwas weniger lebensmüde ist, aber noch immer den Atem stocken lässt. 

Heißes Gummi und laute Motoren

Denn die rasanten Motorrad-Stunts, die Flic Flac populär gemacht haben, gibt es noch immer. Zwar nicht mehr mit der gefährlichen Todeskugel, sondern jetzt mit Rampe. Auf der landen die Stuntmen nach einem Flug über die Köpfe der Zuschauer, während das Zirkuszelt der Geruch von heiß gelaufenem Reifen-Gummi und der Sound von aufheulenden Motoren erfüllt. 

Zwar gibt es keine Todeskugel mehr, aber dafür das Todesrad. Denn Flic Flac ist schließlich noch immer Flic Flac – und der Zirkus liebt es, mit Gefahr zu provozieren. Kaum überraschend also, dass die Artisten immer wieder Stürze antäuschen – um dann doch wieder sicher zu landen. Hier arbeiten eben Profis. 35 Profis aus elf Nationen. 

Comedy und Varieté

Damit das Publikum nicht komplett in Ehrfurcht erstarrt, kommt immer wieder Cottin Mc Aloon auf die Bühne. Wer das ist? „Keine Sorge, ich bin nicht Thomas Gottschalk, ich bin die Schwester von Wolfgang Petry“, sagt der lockenköpfige Comedy-Jongleur, der den Zuschauern Lachtränen in die Augen treibt. Er ist Halb-Franzose und Halb-Amerikaner – deshalb esse er Schnecken mit Ketchup. Und wenn man schon bei Vorurteilen ist, Slapstick eben, sind auch die Hannoveraner dran: die stehen mehr auf die doofen Tricks (nämlich seine) als auf die Profi-Stunts. Okay, dann kann er nochmal kommen. 

Aber erst nach einer gehörigen Portion Romantik, Sinnlichkeit und Erotik. Ja, auch die ist bei Flic Flac angekommen. In manchen Nummern könnte man meinen, man sitzt im Varieté. Bis dann doch wieder eine knallharte Stunt-Nummer wie die Sieben-Mann-Pyramide kommt, die so viel Herzrasen auslöst, dass ein bisschen Abwechslung mit Romantik dankbar angenommen wird. So tanzt ein Paar im strömenden Regen und zwei Badenixen plantschen im übergroßen Wasserglas. Nanu, das kennt man doch vom Burlesque?

Warum Flic Flac Elemente wie diese einbaut? Besucher und Zirkus-Kenner Timo Splitt (51) hat da eine Theorie: Der Zirkus reagiere damit auf einen Trend, „Flic Flac hat es sich  zur Aufgabe gemacht, auch die neue Generation für den Zirkus zu begeistern. Und die liebt nunmal Varieté!“ Auch die zwei neuen Chefinnen, die Töchter des Gründers Kastein, sind mit ihren 31 und 26 Jahren jung – und bringen damit frischen Wind in die Show. Und der kommt nicht mit einem Sturm, sondern mit einer leichten Brise, die verzaubern kann. 

Splitt, der seit 21 Jahren leidenschaftlicher Flic-Flac-Fan ist, denkt, es ist nur die Ruhe vor dem Sturm: „Nächstes Jahr wird der Zirkus 30 – da wird es nochmal richtig krachen!“ Möglich ist in der Welt von Flic Flac alles. Das beweist auch der Auftritt in Hannover mal wieder.

Von Josina Kelz

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