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1985: Im Kommunalen Kino mit dessen damaligem Leiter Sigurd Hermes. Dort lief passend Fellinis „La Strada – das Lied der Straße“, ein Melodram aus dem Artistenmilieu.

1985:Im Kommunalen Kino mit dessen damaligem Leiter Sigurd Hermes. Dort lief passend Fellinis „La Strada – das Lied der Straße“, ein Melodram aus dem Artistenmilieu.© Archiv

Rückblick

Zirkus: 40 Jahre poetisch-nostalgischer Reisen in das Land der Fantasie

Der Startschuss zu dem poetischen Zirkusabenteuer fällt 1975 in Wien. Gemeinsam mit dem Multikünstler André Heller will Bernhard Paul den „Zirkus als Gesamtkunstwerk“ inszenieren. Es folgt eine 40-jährige beispiellose Erfolgsgeschichte.

Hannover. Am Anfang war ein Traum. Ein Traum aus Seifenblasen vielleicht, denn kaum ein Bild hat sich beim Denken an den Circus Roncalli so eingebrannt wie die flirrend schwebenden Schaumgebilde, die jeden Besucher schon in den ersten Tagen zurück in seine Kindheit entführten. Doch die Seifenblase des Bernhard Paul platzte nicht – obwohl es in den frühen Jahren beinahe so aussah.

Der Startschuss zu dem poetischen Zirkusabenteuer fällt 1975 in Wien. Gemeinsam mit dem Multikünstler André Heller will Bernhard Paul den „Zirkus als Gesamtkunstwerk“ inszenieren. Die Premiere dieser ersten Produktion ist dann aber nicht wie geplant in Österreich, sondern am 18. Mai 1976 in Bonn. Die Tournee endet am 16. August in München. Paul und Heller zerstreiten sich über die Rechte und das Konzept. Ein Streit, der mehrere Jahre dauert. Die Seifenblase des gelernten Grafikers und leidenschaftlichen Clowns droht zu platzen.

Doch was ein wahrer Träumer ist, der lässt von seiner Vision nicht ab. Bernhard Paul wagt den Neustart in Köln. Dort kommt er 1978 an, mit leeren Taschen. Mit Gelegenheitsauftritten als Clown etwa in Warenhäusern hält er sich über Wasser. Er erwirbt einige historische Zirkuswagen, die er im Stollwerkgelände mit Hilfe befreundeter Künstler und Artisten restauriert – Keimzelle der heute im Roncalli-Winterquartier in Köln-Mülheim untergebrachten Werkstatt, die im Laufe der Jahrzehnte hunderte nostalgische Traum-Karossen aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

Schließlich ist es die Begegnung mit dem damals sehr erfolgreichen Kabarettisten Emil Steinberger, die den Stein ins Rollen bringt. Paul kann den Schweizer mit seiner Vision mitreißen, Steinberger unterstützt ihn künstlerisch und finanziell. Die Wiedergeburt des Circus Roncalli ist gesichert. Am 4. Juni 1980 nimmt der Zirkus seine Besucher erstmals mit auf „Die Reise zum Regenbogen“. Statt drei Wochen läuft das Gastspiel drei Monate. Mit dem Circus Roncalli be­ginnt die Wiedergeburt eines von manchen schon totgesagten Unterhaltungsgenres.

Aus dem Traum wurde ein großes Unternehmen

Das kommt nicht von un­gefähr. Denn Paul setzt nicht auf kalte Artistik, sondern beschwört den Zauber der Manege. Die poetische Magie wird verstärkt durch die fantastischen Kostüme und das nostalgische Am­biente. Meterhohe Kopfputze erinnern an Fabelwesen, Perlen und kostbare Schmucksteine lassen die Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts aufleben. Die bleigefassten Ju­gendstilfenster der Zirkuswagen, blattgoldverzierte Embleme und säulengeschmückte Veranden entführen nach Kaukanien, den Jahren der auslaufenden Monarchie Österreichs (k.u.k.). Nostalgie pur.

Was folgt, ist eine beispiellose und bis heute an­dauernde Erfolgsgeschichte. 1984 gastiert Roncalli vier Monate am Berliner Funkturm, 1993 schlägt der Zirkus erstmals wieder sein Zelt in Wien auf, direkt auf dem Rathausplatz. Schon 1986 entsteht die sechsteilige ARD-Fernsehserie „Roncalli“ in enger Zusammenarbeit mit Paul und seinen Artisten. Immer wieder wird die Manege Schauplatz auch anderer kultureller Events, etwa 1993 einer Benefiz-Gala in München mit internationalen Rockstars wie den Scorpions, Bee Gees und BAP. 1998 inszeniert Paul gemeinsam mit George Tabori Mozarts „Zauberflöte“ im Zirkuszelt, 2012 folgt Leoncavallos „Der Bajazzo“, inszeniert mit Peter Lotschak.

Aus dem Seifenblasentraum ist ein riesiges Unternehmen geworden, dass allein auf der Tour 120 Artisten, Musiker, Künstler und andere Mitarbeiter beschäftigt. Unter der Marke „Roncalli“ gibt es in Düsseldorf seit 20 Jahren das Apollo-Varieté, Roncalli bespielt Jahrmärkte und Ausstellungen, Dinner-Shows im historischen Spiegelzelt und in Hamburg ein nostalgisches Café. Als Playmobil kann man sich den Circus sogar nach Hause holen.

Der Circus Roncalli tourt seit 40 Jahren – und ist nun zum 14. Mal in Hannover. Direktor Paul hat allerdings noch eine andere, persönlichere Beziehung zur Leinemetropole: Vor seiner Heirat 1990 mit der italienischen Artistin Eliana Larible war er von 1985 bis 87 mit Hannovers Rockröhre Anca Graterol zusammen. Weshalb Ancas Band Moulin Rouge, damals Hannovers Top-Show-Band um Sänger Dete Kuhlmann, auch in der Roncalli-Manege in Hannover spielen durfte.

Von Andreas Krasselt

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