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Meine Stadt Hannover: Zahnarzt macht Deal mit Justiz
Hannover Meine Stadt Hannover: Zahnarzt macht Deal mit Justiz
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00:17 05.07.2018
Januar 2015: Der Zahnarzt versucht vor dem Landgericht, seine Unschuld zu beweisen. Quelle: Archiv-Foto: Eberstein
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Der Zahnarzt (53) und die Justiz: Am Montag gab es einen Deal, der sich für beide Seiten gelohnt haben dürfte. Drei Verfahren (Versicherungsbetrug, Körperverletzung und Titelmissbrauch) wurden eingestellt. Im Gegenzug zog der „Implantologe“ seine Berufung und Entschädigungsansprüche zurück.

Aber der Reihe nach: Richter Rainer Gundlach verurteilte den Mediziner wegen Verstoßes gegen das Markengesetz zu einer Geldstrafe von 36 000 Euro (90 Tagessätze). Der Arzt hatte von 2014 bis 2016 ein Tüv-Zertifikat auf der Homepage seiner Praxis geführt. Zu Unrecht. Eine Rezertifizierung hatte nie stattgefunden. Die Geldstrafe ist geringfügig geringer als in er ersten Instanz.

Oberstaatsanwalt Uwe Görlich hatte im Landgericht kein Interesse, Zähne zu zeigen. Denn der Arzt hatte ein Entschädigungsanspruch gegen das Land. Sein Anwalt hatte die Summe auf etwa 180 000 Euro beziffert. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte in einem aufwendigen Verfahren den Zahnarzt wegen Abrechnungsbetruges angeklagt. Doch die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim hatte das Verfahren nicht zugelassen. Im Zuge des Verfahrens wurde der „Robodent“ (computergesteuertes Navigationsgerät) für Implantatbehandlungen beschlagnahmt. Dafür stand dem Zahnarzt eine Entschädigung zu.

Der Zahnarzt mit dem XXL-Ego hält die Justiz seit vielen Jahren auf Trab. Es gab unzählige Klagen von Patienten gegen den Arzt wegen überhöhter Abrechnungen und Schmerzensgeldforderungen wegen falscher Behandlungen. Gegen den Mediziner gründete sich eine Patienteninitiative (PI), um vor ihm zu warnen.

Der Doktor bemühte sich vor allem um Angstpatienten. Saßen sie bei ihm erstmal im Behandlungsstuhl, unterschrieben sie so ziemlich alles – vor allem privatärztliche Behandlungen. „Nach wie vor melden sich bei uns regelmäßig geschädigte Patienten“, sagt ein Sprecher der Patienteninitiative.

„Es ist die vierte Verurteilung des Arztes“, sagte Oberstaatsanwalt Görlich auf NP-Nachfrage. Neben Verkehrsdelikten und dem Verstoß gegen das Markengesetz auch eine Verurteilung wegen Titelmissbrauchs. Vor zwei Jahren wurde der 53-Jährige wegen Führens eines zweiten gekauften Dr.-Titels zu 50 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Die zweite Verurteilung wegen des gleichen Delikts wurde am Montag eingestellt – als Teil des Deals.

Im Landgericht hieß es, dass der Arzt nicht mehr in Hannover praktiziere. Die Praxis steht im Internet zur Vermietung. Allerdings habe sich erst kürzlich ein Patient, der in Hannover bei dem „Implantologen“ in Behandlung war, bei der Patienteninitiative gemeldet, sagt der PI-Sprecher.

Nach NP-Informationen soll der Arzt zumindest im Februar 2018 eine Behandlung in einer Berliner Praxis vorgenommen haben. Dort sei er als „der Chirurg“ vorgestellt worden, heißt es. Auf der Homepage der Berliner Praxis taucht der Arzt hingegen nicht auf.

Es gibt auch Hinweise, dass sich der „Implantologe“ in Tirol (Österreich) niederlassen will. Österreichische Online-Medien hatte das bereits vor einem Jahr gemeldet. Der Anwalt des Arztes stellte das damals als unrichtig dar.

Von Thomas Nagel

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