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Lisa Hase.© Archiv

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Göttingen

Zahnarzt-Prozess: Gericht verschlampt Beweise

Eine Patientin aus Göttingen verklagt ihren Zahnarzt - und der Richter räumt ein, dass Gutachter-Dias im Prozess verloren gegangen sind.

Göttingen. Die Leiden der Lisa Hase (62) weiten sich zu einem Justizskandal aus. Gestern räumte David Küttler, Richter der Neunten Zivilkammer des Landgerichts Göttingen, ein: „Wir gehen davon aus, dass die Dias im Gerichtsverfahren verloren gegangen sind.“

Was sich wie eine Schlamperei anhört, die an deutschen Gerichten eigentlich nicht vorkommen darf, bekommt im Fall der Lisa Hase ein besonderes Geschmäckle. Unter den 19 Dias waren laut der Klägerin auch Aufnahmen einer Oberkieferschiene erhalten. Diese Schiene soll nicht fachgerecht von ihrem Zahnarzt angefertigt worden sein. Im Zuge jahrelanger Schmerzen und zahlreicher Fehlbehandlungen verlor die Frau elf Zähne. Die Klage aus dem Dezember 2008 wurde erstmals im Sommer 2016 verhandelt. An sich schon ein Unding.

Vorgeschichte: Der Zahnarzt, der von Lisa Hase verklagt wurde, ist stadtbekannt und war 2009 als Gutachter in der Neunten Zivilkammer tätig. Ende 2009 wollte die Zivilkammer (Vorsitzender Richter war damals Gerhard von Hugo) die unbequeme Klägerin auf ihre Prozessfähigkeit untersuchen lassen. Jura-Professor Martin Schwab von der Uni Bielefeld untersuchte den Fall: „Der Beschluss war klar rechtswidrig.“ Er befand, dass die Grenze zur „Willkür“ überschritten sei.

Anwalt Reiner Fuellmich gestern zu dem Umstand der verlorenen Dias: „Für mich liegt die Hauptschuld beim Gericht.“ Er findet es „merkwürdig“, dass versucht worden sei, die Klägerin für ihre berechtigten Fragen zu psychiatrisieren. Ob der Klägerin jetzt unter Richter Küttler Recht widerfährt? Zweifel sind angebracht. Die Beisitzerin fragte unvermittelt, ob Lisa Hase ihr Schmerztagebuch vor sich liegen habe. Einige Zeit vorher hatte die Klägerin gesagt, dass ihre Erinnerung an ihre Leidenszeit noch sehr lebhaft sei und sie vor dem Termin nicht in ihrem Tagebuch zur Auffrischung der Erinnerung gelesen habe. Die Nachfrage sollte die 62-Jährige in Widersprüche verwickeln.

Trotz allem ist Anwalt Fuellmich zuversichtlich, dem Zahnarzt nachzuweisen, dass er die Patientenakte der Klägerin ge-fälscht habe, um seinen Pfusch zu kaschieren. So sollen sich in der Akte Datumsangaben befinden, die aufwendig mit Tipp-Ex manipuliert worden seien. Ferner fänden sich widersprüchliche Befunde und offensichtlich falsche chronologische Abläufe in der Akte. Weiter 1. Dezember


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