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Gericht tagt am Tatort

Wollte Mann Polizist aus dem 9. Stock stürzen?

Eine Hochhaus-Wohnung als Gerichtsort: Im Haus Nr. 7 am Canarisweg in Mühlenberg tagte gestern das Schwurgericht Hannover. Ein Mann soll dort versucht haben, einen Polizisten vom Balkon im neunten Stockwerk  zu stoßen.

VON ANNETTE ROSE
HANNOVER. Der Auftritt des Schwurgerichts am Canarisweg sorgte gestern für Aufsehen. Richter, Polizisten, Justizwachtmeister, Staatsanwältin, Verteidiger und Journalisten standen erst vor dem Haus und drängten sich dann kurz nach 13 Uhr in die winzige Einzimmerwohnung in der neunten Etage von Haus Nr. 7. Der wegen versuchter Polizistentötung angeklagte Heiko N. (37) wurde im grünen Gefangenenbulli gebracht. Mit gefesselten Händen grüßte er ein paar Nachbarn, ehe auch er in die Wohnung geführt wurde, die ihm noch gehört.
Nicht nur für die Menschen am Mühlenberg war der Ortstermin des Schwurgerichts etwas Besonderes.
Richter Wolfgang Rosenbusch konnte sich an keinen Ortstermin einer Schwurgerichtskammer erinnern: „Die digitalen Darstellungen, die wir von der Polizei bekommen, sind so gut, dass wir das normalerweise nicht brauchen.“ Nur in diesem Fall sei es anders. Über den Angriff auf dem Balkon gibt es nur Aussagen. Man wolle sich die Wohnung, deren Ausmaße und die Situation vor Augen führen, so der Richter vor dem Termin.
Bewohner des Hauses am Canarisweg hatten am 27. Dezember die Polizei gerufen, weil Lärm aus der Wohnung von Heiko M. kam. Als zwei Polizisten die Einzimmerwohnung betraten, roch es nach Marihuana. Auf dem Balkon habe er mit Blick nach unten telefoniert und einen Drogensuchhund angefordert, so der Beamte Tim W. Er und sein Kollege hatten in der Küche zwei Gramm gefunden. Er habe vermutet, dass es in der Möblierung oder im alten Computer-Monitor noch versteckte Drogen geben könne, so der Polizist. Auf dem Balkon habe er von hinten den Stoß bekommen und sich mit beiden Händen am Geländer festhalten müssen.
Der Angeklagte bestreitet den Angriff. Er habe vom Balkon aus einen Nachbarn um Hilfe rufen wollen und wisse nicht mal, ob er den Polizisten aus Versehen angerempelt habe.
Heiko N. hatte 2,2 Promille. Die Tat vom 27. Dezember bezeichnete der psychiatrische Gutachter Ulrich Diekmann in der anschließenden Verhandlung im Landgericht als Impulsivaktion eines Betrunkenen, der sich bedroht gefühlt und gefürchtet habe, dass ihm etwas untergeschoben werden könne. Seine Steuerungsfähigkeit sei erheblich gemindert gewesen.
Von seinem alkoholkranken Stiefvater sei N. als Kind verprügelt worden. Förderung habe er nie bekommen, aber trotzdem die Hauptschule geschafft. Wie oft in solchen Verhältnissen seien er und sein Bruder in der Sucht gelandet. N. hat über 20 Vorstrafen, Diebstähle und Trunkenheit im Verkehr, zuletzt auf dem Fahrrad, meist mit über drei Promille. In den vergangenen drei Jahren hatte er aber einen Job und arbeitete fünf Tage die Woche im Gartenbau. Seine Mutter, die er sonntags zum Essen besuchte, und Kumpel auf dem Mühlenberg seien seine einzigen Kontakte, so der Gutachter. Jetzt in der Haft mache er einen resignierten Eindruck: „Es gibt Menschen, die in so einer Situation auch mal vom Balkon runterspringen.“ Helfen könne ihm eine Einweisung in eine Entziehungsanstalt.
Am Dienstag sollen Staatsanwältin und Verteidiger plädieren.


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