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Der Ex- Betriebsratsvorsitzende Uwe Rittentrop möchte ein Museum aus dem "EDC-Nachlass" aufbauen

Der Ex- Betriebsratsvorsitzende Uwe Rittentrop möchte ein Museum aus dem "EDC-Nachlass" aufbauen© Christian Behrens

Schallplatten

Wohin mit der Musik-Geschichte?

Ein Mann will die Geschichte retten – zumindest einen Teil aus Hannovers Musik-Historie. Und er tut das an der Emil-Berliner-Straße. Schon die Adresse weist auf die Wurzeln des jetzt geschlossenen CD-Werks.

Hannover. Berliner war der Erfinder aus Hannover, der 1887 Grammophon und Schallplatte zum Patent anmeldete, dessen am Nikolaustag 1898 gegründete Deutsche Grammophon noch heute als Platten-Label existiert und in direkter Linie mit der Entertainment Distribution Company steht – jener EDC, die seit Februar am Ende ist und mit deren Untergang in Langenhagen ein Stück Musikgeschichte Hannovers endet.

„Ich bin dabei, 120 Jahre Geschichte zu sichern – mal sehen, wo wir mit dem ganzen Zeug bleiben. Zurzeit weiß ich nicht, wohin damit“, sagt der ehemalige EDC-Mitarbeiter. „Hannover ist ja Unesco City of Music – da darf man das doch nicht einfach alles in die Tonne treten – dafür ist es zu schade“, erklärt Rittentrop und schüttelt den Kopf, wenn er daran denkt, in welchem Zustand er hier so manches in irgendwelchen Ecken gefunden hat: „Zwei Wochen bevor die Entrümpler kamen, habe ich mir vom Geschäftsführer den Generalschlüssel geben lassen. Ich bin durch jeden Raum, habe in jede Schublade und jeden Schrank geschaut. Damit nicht irgendwas von Bedeutung in den Müll wandert.“

1982 startete hier die Produktion der weltweit ersten Musik-CD für den Massenmarkt (siehe Chronik), damals hieß das Unternehmen noch Polygram. Zehn Jahre später hatte das Werk in Langenhagen schon 500 Millionen der silber spiegelnden Kunststoffscheiben gefertigt, 1996 hatten die Kunststoffspritzgussmaschinen schon das Doppelte ausgespuckt, also eine Milliarde Stück. Tonträger Nummer 1 000 000 000 war eine Scheibe von Sheryl Crow, gepresst am 27. September, auch jahrelang auf Plexiglas und Granit-Nachbildungssockel präsentiert. „Wir haben in vier Jahren so viel gemacht wie zuvor in zehn“, bringt Rittentrop die Hochzeit der digitalen Musikscheiben auf den Nenner.

Eine Milliarde CD – aufeinandergelegt ein Turm von 1200 Kilometern Höhe. Nebeneinander gelegt könnte man drei Mal den Äquator damit pflastern (unterm Strich 120 000 Kilometer).

Der ehemalige EDC-Betriebsratsvorsitzende ist einer der letzten, die hier noch was erledigen, abwickeln, aufräumen. Denn viel ist nicht mehr übrig von der einst größten CD-Fabrik Europas, außer einem großen Fabrikgelände längs der Autobahn 2 mit nahezu leergeräumten Hallen und verwaisten Büros. Vergangenes Jahr ging es in die Insolvenz, Hauptkunde Universal sprang auch noch ab, Ende Februar war dann Schluss.

Rittentrop sucht nach einem Verbleib

Auch Fotos hat Rittentrop gefunden – der große Dirigent und Komponist Leonard Bernstein beim Besuch der Produktion, stets mit qualmender Zigarettenspitze. Oder der große deutsche Bandleader Max Greger, wie er sich die Musikübertragung von Band auf Scheibe erklären lässt. Und Schlagergröße Roy Black, der 1975 seinen Plattenvertrag in die Kamera hält oder der ihn umlagernden weiblichen Belegschaft strahlend Autogramme gibt. Ebenfalls zur Ortsbesichtigung und dokumentiert waren etwa die Pop- und Rockgrößen Barclay James Harvest und John Bon Jovi.

Goldene und Platinschallplatten im Rahmen zeugen vom Erfolg der Künstler und des CD-Werks: „ABBA Gold“ verkaufte sich 1992 fünf Millionen Mal, und von den bis ins Jahr 2003 insgesamt 30 Millionen verkauften Tonträgern des Rappers Eminem kam ein großer Teil von hier – denn das Werk presste, was Universal in Europa anbot.

Jetzt wird das Gefundene nach und nach in Kisten verpackt – Rittentrop sucht nach wie vor einen Verbleib. Jüngst hatte er am Maschsee im Rahmen einer Veranstaltung der Kreativen-Szene Hannovers schon öffentlich auf den zu rettenden Bestand hingewiesen. „Vielleicht kann man oder will man ja auch so eine Art House of Music in Hannover schaffen. Das wäre genial – und da spielen wir sicher eine Rolle“, hofft er. „Schön wäre auch so etwas in der Art wie der Tintenturm von Pelikan.“ Noch zwei Wochen bleiben ihm, dann muss alles raus sein aus dem Werk.

Wer helfen möchte, das Erbe Emil Berliners zu retten, kann sich per E-Mail melden: uwe.rittentrop@edcllc.com.

Von Ralph Hübner


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