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Neue Haustiere: Lisa Scholz (links) und Annika Martens sind Hühnerretterinnen. Foto: Petrow

Tierschutz

Wo Legehennen friedlich weiterleben dürfen

Sie sind nicht nur zu Ostern beliebt: Jeder Bundesbürger verzehrte 2015 im Schnitt 233 Eier. Sie stammen von Legehennen, die sehr unterschiedlich gehalten werden. Ein NP-Report übers Hühnerleben.

Hannover. So ein Hühnerleben ist nicht unbedingt lustig: In einem Legebetrieb leben sie auf engstem Raum, auf einen Quadratmeter kommen neun Hennen. Und dann ist es normalerweise auch noch kurz: Die Hühner legen dort Eier, bis ihre Legeleistung abnimmt. Das geschieht nach einem Jahr. Und was passiert dann? Die alten Legehennen werden durch neue ersetzt und müssen sterben. So traurig muss es aber nicht immer laufen: Der Verein ‚Rettet das Huhn‘ will sie vor diesem Schicksal bewahren.

„Wir haben 320 Tiere aus einem Betrieb im Sauerland abgeholt und verteilen sie nun an Privatpersonen, die den Hühnern ein schönes Leben schenken
wollen“, berichtet Stefanie Laab (42) von einer Rettungsaktion Mitte März.Die 42-jährige Wolfsburgerin engagiert sich seit 2012 mit ihrem Mann Gabriel Ilcan (43) für ‚Rettet das Huhn‘. „Ich habe damals selbst Hühner adoptiert“, sagt sie. Sie sei für die Rettung nach Nordrhein-Westfalen gefahren und habe dann den Entschluss gefasst, die Hühner in Niedersachsen zu verteilen.

Die Arbeit trägt Früchte. Immerhin wurden seit der Gründung von ‚Rettet das Huhn‘ im Jahr 2008 schon 36 000 Hühner vor dem Tod bewahrt und in ganz Deutschland verteilt.

Kirsten (46) und Axel Ehlers (52) sind extra nach Garbsen gekommen, um dort die Hühner in Empfang zu nehmen. Das Ehepaar hat bereits fünf Hühner und adoptiert nun weitere acht. „Diesmal sehen die Hühner besonders mitgenommen aus“, stellen die beiden fest. Denn die Legehennen sind gebrandmarkt. Sie haben offene Wunden, das Federkleid ist kaum mehr vorhanden – sie frieren. „Bis sich die Hühner erholt haben, dauert es etwa ein Vierteljahr. Und das Federkleid ist frühestens nach sechs Monaten wieder vollständig“, weiß das Paar. Für die Zwischenzeit gibt es kleine Pullover, die die Hühner wärmen sollen.

Für Stefanie Laab ist trotzdem klar: „Diese Qualzucht kann man nicht wiedergutmachen.“ Die Zahlen geben ihr recht. Hühner werden unter artgerechten Bedingungen acht bis zehn Jahre alt, doch Legehennen leben nach ihrer Rettung nur noch zwei bis drei Jahre.

Aber manchmal gibt es auch Ausnahmen. So bei Janine Wendenburg (33) – bei ihr werden die Hühner sogar sechs Jahre alt. Die Tagesmutter ist mit ihrem Sohn Max (4) aus Bruchhausen-Vilsen gekommen. „Wir leben dort in einem alten Haus und haben ein Grundstück von 3000 Quadratmetern“, berichtet Wendenburg. Die Hühner
haben dort eine eigene Wiese. Platz, den sie brauchen.

„Wir haben inzwischen vier Gänse und mit der heutigen Rettung knapp 30 Hühner“, sagt die Tagesmutter freudestrahlend.

Nicht jeder Tierfreund kann so viele Hühner adoptieren. Es gilt einige Auflagen zu erfüllen. Neben der Anmeldung bei der Tierseuchenkassse und den Impfungen muss das Geflügel viel Auslauf haben – zehn Quadratmeter pro Huhn. Und eine weitere Bedingung ist wichtig: Die Tiere dürfen nicht geschlachtet werden. „Das Huhn soll wie ein Haustier gehalten werden, nicht mehr wie ein Nutztier“, sagt Laab.

Doch wer einmal Hühner gerettet hat, der ändert seine Einstellung oft ohnehin schnell. Der kleine Max isst inzwischen sogar fast kein Fleisch mehr. „Die Entscheidung trifft er dabei ganz alleine“, erklärt Mutter Janine Wendenburg. Sie habe sich früher keine Gedanken über die Herkunft der Eier aus dem Supermarkt gemacht. Heute steht für sie eins fest: „Ich würde nie wieder Eier aus dem Supermarkt kaufen.“ Und da sind sich alle Hühnerretter einig.

Mandy Sarti


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