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Meine Stadt Wisentgehege protestiert gegen EU-Verordnung zum Artenschutz
Hannover Meine Stadt Wisentgehege protestiert gegen EU-Verordnung zum Artenschutz
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00:16 23.03.2017
INVASOR: Der Waschbär ist ein Eindringling, der heimische Arten verdrängt. Doch Tierparks wollen weiter über ihn informieren. Das geht nur angemessen, wenn sie in auch halten und züchten dürfen.  Quelle: Foto: dpa
Hannover/Springe

 Das Wisentgehege in Springe schlägt Alarm: Droht das Aus für Waschbär, Marderhund und Co.? Die EU will die heimische Tier- und Pflanzenwelt vor fremden Invasoren schützen. Mit der im Juli vergangenen Jahres beschlossenen Verordnung 1143/2014 werden Haltung, Züchtung und Verkauf so genannter invasiver Arten verboten.

„Das bedeutet, dass wir die irgendwann nicht mehr halten dürfen“, sagt Wisentgehege-Chef Thomas Hennig. „Klar, dass die dann aussterben.“ Hennig wirbt daher um Unterschriften für eine Petition des Deutschen Wildgehege Verbandes, mit der eine Überarbeitung der Verordnung und entsprechende Ausnahmegenehmigungen für Tierparks gefordert werden. Im Wisentgehege hängen mehrere Plakate, auf denen ein Bar-Code, per Handy eingescannt, unmittelbar auf die Petitionsseite führt. Und auch im Internet trommelt der Revierleiter auf Facebook um Unterstützung.

„Bei uns sind zwei Tierarten betroffen“, so Hennig, „der Waschbär und der Marderhund. In anderen Anlagen leben aber auch andere betroffene Arten wie der Nasenbär, das Muntjak oder der Nutria (Biberratte).“ 10 000 Unterschriften werden benötigt, um die Petition zu einem Erfolg zu verhelfen. Was bedeutet, dass sie zumindest zur Kenntnis genommen wird.

Es gibt eine Liste mit 37 invasiven Tier- und Pflanzenarten, auf die diese Verordnung zutrifft. Eigentlich eine gute Sache, geht es doch darum die heimischen Ökosysteme vor Gefahren zu schützen. Doch offenbar hat die EU dabei das berühmte Kind mit dem Bade ausgeschüttet, indem so auch den Tierparks die Haltung dieser Tiere erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird. „Wir begrüßen es zwar, dass da überhaupt etwa geschieht“, betont Simone Hagenmeyer, Sprecherin des Zoos Hannover. „Aber wir brauchen Ausnahmegenehmigungen für Zoos. Die Tiere können hier ja nicht raus, sind als Gefahr für die heimische Natur.“

Im Zoo betroffen von der Regelung sind ein Nasenbär, fünf Waschbären und zwei Chinesische Muntjaks. „Wir züchten mit den Arten allerdings nicht, möchten diese Tierarten aber auch zukünftig gerne zeigen und über sie informieren“, so Hagenmeyer. Wie der Wildgehege-Verband ist auch der Verband der Zoologischen Gärten in Gespräche mit nationalen Behörden, um die Auswirkungen auf Tierparks abzuwenden. Gefordert wird vor allem Rechtssicherheit bei der Umsetzung, da es offenbar reichlich Interpretationsspielräume gibt. So wurde bereits dem Leipziger Zoo der Transport Chinesische Muntjaks an einen Privathalter in Belgien unter Verweis auf die Verordnung untersagt, obwohl diese noch Übergangsregelungen bis zum 2. August vorsieht.

Von Andreas Krasselt

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