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Meine Stadt Wisente aus Springe reisen zur Auswilderung nach Rumänien
Hannover Meine Stadt Wisente aus Springe reisen zur Auswilderung nach Rumänien
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00:25 20.05.2018
Zwölf Wisente aus deutschen Zoos und Wildparks, darunter das Wisentgehege in Springe, sind in Rumänien ausgewildert worden. Quelle: Thomas Hennig
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SPRINGE/POIENI

Es war eine abenteuerliche Reise: Am frühen Morgen des 9. Mai hielt ein riesiger doppelstöckiger Sattelzug am Wisentgehege in Springe. An Bord waren neun Wisente, untergebracht in jeweils einzelnen Abteilungen mit ausreichend Wasser und Nahrung. Ausgeladen wurden sie aber nicht. Denn für die Tiere, fünf aus Donaumoos, vier aus Bad Berleburg, war hier nur Zwischenstation – und sie bekamen weitere Gesellschaft. Denn auch in Springe stiegen drei Wisente hinzu. Es war die letzte Station vor der großen Reise.

Das Ziel war Rumänien. Dort, in einer menschenverlassenen Gegend im Gebiet Poieni in den westlichen Südkarpaten sollten die Wisente ausgewildert werden. Die nächstgelegene Ortschaft ist Densus mit knapp 1600 Einwohnern. Nur etwa zwölf Menschen leben hier laut Wikipedia auf einem Quadratkilometer. Viel Platz für wilde Tiere. „Unendliche Wildnis, keine Besiedelung, keine menschliche Infrastruktur – ein Paradies für die bedrohte Tierart“, schwärmt Thomas Hennig. Hennig ist der Leiter des Wisentgeheges und damit auch der Leiter des European Bison Conservation Centers (EBCC), Regionalzentrum Nord, das sich der Qualitätssteigerung der Wisenterhaltungszucht gewidmet hat. Die Auswilderung ist ein Projekt des WWF in Kooperation mit Partnern auch vor Ort in Rumänien.

Eine echte Herausforderung

Hennig aber wollte seine Tiere auf der Reise begleiten. „Ich wollte persönlich sehen, in welchem Gebiet die Wisente ihre neue Heimat finden“, sagte er nach seiner Rückkehr. Doch die fast unberührte Wildnis in den südlichen Karpaten brachte auch Probleme mit sich. Denn die Straßen waren nicht gerade für schwere Lastwagen gebaut. „Die letzte Strecke bis zur sogenannten Akklimatisierungszone war eine echte Herausforderung“, so Hennig. Der Spezialsattelzug kam an einigen Stellen aus eigener Kraft nicht weiter. „An etlichen Steigungen und unwegsamen Passagen musste er von einem schweren Forstschlepper gezogen werden.“

Doch am 10. Mai um 11 Uhr war das Ziel erreicht. In Rumänien selbst waren noch zwei weitere Wisente eingeladen worden, so dass nun insgesamt 14 Tiere den Lkw verließen. Das Entladen sei sehr ruhig vonstatten gegangen, beteuert Hennig. Die Tiere seien in den Gruppen, die sich kannten, aus dem Fahrzeug gelassen worden. Durch eine Art Treibgang wurden sie dann in die Akklimatisierungszone geführt.

Kälbersegen

Nachschubsorgen für das Auswilderungsprojekt hat das Wisentgehege nicht, dafür sorgt der regelmäßige Nachwuchs. Das erste Wisentkalb der Saison ist erst vor wenigen Tagen gekommen. Für Mutter Ihnga ist es bereits das fünfte Kalb, für Vater Eggeherrscher ist es die Premiere. Das kleine Wisentmädchen wurde auf den Namen Spendera getauft.

Und auch bei den Elchen gab es Nachwuchsegen, sogar doppelten. Elchkuh Sabine hat Zwillinge bekommen, einen Jungen und ein Mädchen. Entdeckt haben die Tierpfleger die beiden am Montagabend, da dürften sie aber schon ein paar Tage alt gewesen sein.

Menschenleere Wildnis

In diesem etwa 14 Hektar großen Areal verbringen die Wisente nun die ersten vier Wochen. Dann wird der Zaun geöffnet und sie können sich die Auswilderungszone erschließen, etwa 100 Hektar groß und ebenfalls noch umzäunt. Nach weiteren sechs bis acht Wochen haben sich die Tiere soweit an die neue Umgebung gewöhnt, dass sie auch dieses Areal verlassen können.

Die Landschaft ist geprägt von den Bergen und Tälern der Karpaten. Gemischte Laubwälder mit Buchen, Birken, Eichen und Robinien und viele Wiesen und Freiflächen bieten einen geeigneten Lebensraum für Wisente. Es gibt Nahrung im Überfluss über das gesamte Jahr. Im Projektgebiet leben neben den üblichen waldbewohnenden Wildtieren auch die großen Beutegreifer Luchs, Wolf und Bär. Ganzjährig mit Schnee bedeckte Berge liegen in Sichtweite.

Auf einer Exkursion ins Projektgebiet am Tag nach der Ankunft konnte Hennig nach langem Suchen tatsächlich einen Teil der angekommen Wisente entdecken. „Was in der stark strukturierten Landschaft nicht selbstverständlich war“, betont er. Drei Wisente tragen GPS-Halsbänder – darunter Sporty aus Springe. Neben den Ortsdaten werden auch die jeweilige Uhrzeit und Wetterdaten wie Luftfeuchtigkeit und Luftdruck übermittelt. Die Ergebnisse dienen zur späteren wissenschaftlichen Auswertung. Im kommenden Jahr werde das Wisentgehege weitere sechs Tiere nach Rumänien abgeben, kündigte Hennig an.

Keine Nachwuchssorgen in Springe

Nachschubsorgen für das Auswilderungsprojekt hat das Wisentgehege nicht, dafür sorgt der regelmäßige Nachwuchs. Das erste Wisentkalb der Saison ist erst vor wenigen Tagen gekommen. Für Mutter Ihnga ist es bereits das fünfte Kalb, für Vater Eggeherrscher ist es die Premiere. Das kleine Wisentmädchen wurde auf den Namen Spendera getauft.

Und auch bei den Elchen gab es Nachwuchsegen, sogar doppelten. Elchkuh Sabine hat Zwillinge bekommen, einen Jungen und ein Mädchen. Entdeckt haben die Tierpfleger die beiden am Montagabend, da dürften sie aber schon ein paar Tage alt gewesen sein.

Von Andreas Krasselt

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