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Meine Stadt Windpark bei Neustadt vor dem Aus
Hannover Meine Stadt Windpark bei Neustadt vor dem Aus
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10:56 07.03.2018
ENERGIE IN DER LUFT: Windparks dürfen nur errichtet werden, wenn sie die Umgebung nicht über Gebühr beeinträchtigen – und etwa geschützte Arten wie der Greifvogel Roter Milan in dem Gebiet leben oder Belange der Flugsicherung betroffen sind.  Quelle: Fotos: dpa
Hannover

 Auf Eis gelegt – oder endgültig begraben? Der erste selbst erstellte Windpark der Stadtwerke Hannover – jetzt Enercity AG – sollte bei Neustadt entstehen. Ein 25-Millionen-Euro-Projekt, entwickelt mit den Wirtschaftsbetrieben Neustadt (WBN). Man hoffte auf Strom für über 14 000 Haushalte. Nun heißt es: „Planung gestoppt“.

Seit gut einem Jahr schon ruhten die Bauarbeiten in Esperke: im März hatten Naturschützer ein Rotmilan-Paar und mehrere Horste dort entdeckt – der Raubvogel ist besonders geschützt. Jetzt erklären WBN und Enercity: „vor allem aus wirtschaftlichen Gründen“ sei das Vorhaben derzeit „nicht mehr sinnvoll“, daher „vorläufig eingestellt“. Es sei nicht möglich, die Fertigstellungsfrist für die (kalkulierte) Einspeisevergütung zu halten. Auch dürften die fünf je 200 Meter hohen Anlagen derzeit von März bis August nur Nachts laufen – damit ließen sich „die Investitionskosten nicht mehr refinanzieren“. Zuletzt habe man gehofft, eine Abschaltautomatik, die erkennt, wenn sich große Greifvögel nähern, könnte eingesetzt werden – doch da für gebe es derzeit keine Genehmigung. Die Bürgerinitiative in Esperke sagt, sie habe auf die möglichen Probleme schon 2016, lange vor Erteilung der Genehmigung des Windparks, hingewiesen – die Darstellung in einem Betreibergutachten als „konfliktfrei“ bezeichnete sie als „realitätsfern“ – offenbar zu Recht.

Enercity erklärt auf Anfrage, dass das Projekt noch nicht ganz aufgegeben und eine Neuplanung möglich sei, wenn etwa Abschaltautomatiken „genehmigungsfähig und wirtschaftlich“ seien. Auch wenn man feststelle, dass kein Rotmilan mehr dort brüte, könnten die Planungen womöglich wieder aufgenommen werden. Die WBN kritisieren in diesem Zusammenhang, dass das gerade geänderte Raumordnungsprogramm der Region Hannover keine einzige weitere „Vorrangfläche“ für Windparks ausweise, die genehmigungsfähig sei – weil überall die Luftfahrtbehörden Einwände hätten, bestehe „derzeit keine Aussicht auf Genehmigung“. Damit sei die „Erreichung des formulierten Windkraftausbauziel der Region in weite Ferne gerückt“.

Man habe weiter „großes Interesse am Ausbau der Windkraft in der Region“, erklärt Enercity-Sprecher Andreas Möser, doch aus dem genannten Grund „sind wir deutschlandweit aktiv“.

Von RALPH HÜBNER

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