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Die Willehadi-Kirche in Garbsen wurde angezündet und brannte bis auf die Grundmauern nieder.© Dillenberg

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Großbrand

Willehadi-Kirche: Entsetzen und Partystimmung

Großbrand in Garbsen: Auf der Horst sind in der Nacht zu gestern das Gemeindehaus und die Willehadi-Kirche bei einem Feuer zerstört worden. Es entstand ein Millionenschaden. Obwohl die Flammen gelegt wurden, geht die Gemeinde nicht von einem gezielten Anschlag gegen die Kirche aus.

Garbsen. Die Flammen schlagen hoch in den Garbsener Nachthimmel: In den Straßen Auf der Horst, Sperberhof und Orionhof herrscht Ausnahmezustand. Das Gemeindehaus der evangelischen Willehadi-Kirche steht lichterloh in Flammen. Von Minute zu Minute breitet sich der Brand weiter im Gotteshaus aus. 150 Feuerwehrleute tun alles, um die Kirche zu retten. Vergeblich. Beide Gebäude werden zerstört. Es entsteht ein Millionenschaden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Das kennen die Anwohner: Seit fast drei Jahren hält eine Serie vorsätzlich gelegter Feuer das Viertel in Atem.

Gestern gegen 1 Uhr: Anwohner melden der Feuerwehr, dass das Gemeindehaus lichterloh in Flammen steht. Als die Einsatzkräfte im Orionhof eintreffen, hat der Brand schon auf das angrenzende Gotteshaus übergegriffen. „Es tut weh, das zu sehen. Wie kann man eine Kirche abbrennen?“, fragt sich Annika Bülow (18), die in der Nachbarschaft wohnt.

Sie und Freund Dennis Mielke (23) gehören zu den Zuschauern, denen die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben steht. Die vielen Hundert Schaulustigen sind allerdings in zwei Lager geteilt - das eine ist schockiert, das andere eher amüsiert. Letztere Gruppe besteht vorwiegend aus jungen Männern, die eine Art Partystimmung verbreiten und alles andere als traurig über die brennende Kirche sind. Viele der Gaffer halten die Szenerie in Bild und Ton fest: Sie machen Handyfotos und drehen mit ihren Mobiltelefonen Videos. Was sich abspielt, ist eine Mischung aus Beerdigung, Volksfest und Pyjamaparty - nicht wenige Zaungäste tragen nämlich Nachthemd oder Schlafanzug.

Auch eine Nachbarin steht im Nachthemd auf der Straße. Ihr hat die Zeit gefehlt, sich umzuziehen. Aus Angst, schnell ihre Wohnung verlassen zu müssen, hat sie fix eine Tasche gepackt. Inhalt: „Ausweise, Versicherungspapiere, Schmuck und Anziehsachen.“ Die 64-Jährige berichtet, dass es vor Brandausbruch 20 Mal geknallt hat. „Das könnten Schüsse gewesen sein.“ Der Brand in Willehadi macht sie traurig. Kein Wunder: „Ich bin vor 40 Jahren in der Kirche getraut worden.“ Für Gemeindemitglied Gisela Seeber (70) ist das Inferno „furchtbar. Es ist ein Drama.“ Und Antonino Nicolosi (63): „Ich bin einfach sprachlos.“ Elisabeth Celik (48) fragt sich: „Was brennt hier wohl als Nächstes?“

Tief erschüttert ist in der Brandnacht auch Pastorin Renate Muckelberg. Sie musste ihr Haus neben der Kirche über die Terrasse verlassen. „Vorne war es zu heiß und zu gefährlich.“ Beim Gedanken daran, was alles verbrennt, kommen ihr die Tränen: „Unsere 60 000 Euro teure Orgel, die wir erst seit fünf Jahren haben, unser einprägsames Kruzifix - und unser Gemeindeleben ...“


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