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Meine Stadt Wie wahnsinnig ist dieser Mann?
Hannover Meine Stadt Wie wahnsinnig ist dieser Mann?
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06:16 06.07.2012
Von Annette Rose
VOR GERICHT: Carel L. ist nicht angeklagt. Die Staatsanwaltschafthält den Mann aufgrund seiner Wahnvorstellungen für schuldun-fähig. Er soll in einer psychiatri-schen Klinik untergebracht wer-den. Foto: May
Hannover

Erhobenen Hauptes betrat Carel A. den Schwurgerichtssaal. Der 50-Jährige sucht die Öffentlichkeit und präsentiert sich selbstbewusst. A. hat eine Mission. Er will seinen Richtern und der Welt beweisen, dass die deutsche Regierung geheime Forschungen betreibt und Menschen Implantate in die Köpfe einsetzen lässt, um ihre Gedanken zu lesen und sie fernzusteuern. Wer seinen wahnhaften Vorstellungen nicht folgt, lebt gefährlich.

Am 17. Februar stach A. ohne ein Wort zu sagen auf den Chef der Neuroradiologie-Klinik der MHH ein. Professor Heinrich L. (54) konnte noch ausweichen, sonst hätte ihn der Stich mit dem großen Küchenmesser, das A. in einer Plastiktüte versteckt bei sich trug, in den Hals getroffen. L. erlitt eine tiefe Schnittwunde am linken Arm. Die Staatsanwaltschaft wertet den Angriff als heimtückischen Mordversuch. Es gibt jedoch keine Anklage, da Psychiater den Mann wegen Wahnvorstellungen für schuldunfähig halten. Der Prozess ist ein Sicherungsverfahren: A. soll in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden.

Er sei früher heroinsüchtig gewesen, sagte A., der Grafikdesigner als Beruf angibt. Er habe Methadon bekommen und 1998 eine Therapie gemacht. Dort sei ihm heimlich ein Gehirntransmitter eingesetzt worden, der ähnlich wie ein Implantat für Schwerhörige funktioniere. Seit 2004 höre er Stimmen. Er merke, dass seine Gedanken ausgelesen werden, denn es gebe Personen, die alles kommentieren, was er denke. Er sei von Arzt zu Arzt gelaufen, um die Stimmen loszuwerden. Doch es habe ihm keiner geholfen. Durch Recherchen im Internet sei er darauf gekommen, dass bei ihm Kopf etwas implantiert worden sein müsse.

Der Angriff auf den Mediziner ist der schwerste, aber nicht der erste Angriff von A. auf Menschen. Seit 2009 soll der Angeschuldigte am Fiedlerplatz mehrfach einen Nachbarn attackiert, ihm das Nasenbein gebrochen und gedroht haben, ihn fertig zu machen. Es gab acht Anklagen. Erst nach dem Angriff auf den Professor machte die Justiz ernst. Alle Anklagen werden jetzt mitverhandelt. Carel A. sei eine Woche vor dem Vorfall zu ihm gekommen und habe ihn gebeten, sich seine Röntgenbilder anzusehen, so Professor Heinrich L. gestern. Er habe ihm gesagt, dass da nichts sei in seinem Kopf und es keine Operationsnarben gebe. Eine Woche später sei A. in einem Sekretariat der Klinik aufgetaucht. Als er aus seinem Zimmer gekommen sei, „drehte er sich um, sah mir kurz in die Augen. Dann stach er zu – mit aller Wucht, die er zur Verfügung hatte.“ Er habe da erst das in einer Plastiktüte verborgene Messer gesehen. Es sei ihm gelungen, durch Zurückweichen Stiche in Hals und Bauch zu verhindern. Mitarbeiter hätten den Mann überwältigt. Der Stich in den linken Arm sei nach einer Operation verheilt, so der Professor. Über psychische Folgen denke er nicht gerne nach. Er sei vorsichtiger geworden.

Carel A. erklärte, er habe mit dem Angriff auf einen Menschen Aufmerksamkeit erlangen wollen. „Es war der verzweifelte Akt einer gequälten Seele.“ Er habe drei Suizidversuche hinter sich. Im Internet stieß die Polizei auf Webseiten, in denen A. von einem Notwehrrecht spricht und einen Angriff ankündigte. Er beschuldigt auch die MHH, geheime Forschungen der Regierung zu decken. Die MHH habe mehrfach Seiten entfernen lassen, so Professor Heinrich L. zur NP. Doch es entstünden immer wieder neue. Offenbar habe A. Fans, die sein Werk fortsetzen. „Das verursacht ein böses Gefühl.“

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