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Die Straße im Blick: Ein Polizeiauto (großes Foto) fährt im Minutentakt rund um die Glocksee. Fotos: Dillenberg

City-Report

Wie sicher ist Hannovers Feierabend?

Steintor, Glocksee, Faustgelände – die Polizei spricht von Hannovers Brennpunkten. Berichte über Sexattacken, Taschendiebstähle 
und Überfälle häufen sich, oft geht es dabei auch um Flüchtlingskriminalität. Doch wie gefährlich ist das Nachtleben von Hannover 
wirklich? Die NP war am Wochenende unterwegs und befragte Partygänger und Händler.

Hannover. Hier wird gefeiert, getrunken und geklönt. Nach der Arbeit steigt der Feierabend. Aber was treiben die Menschen am Steintor, an der Glocksee und auf dem Faustgelände, wenn es dunkel wird – und wie sicher fühlen sie sich dabei?

Freitag, 21.40 Uhr: Sibylle Krone (Name geändert) arbeitet in einem Lebensmittelladen am Steintor. Sie sagt: „Das Klientel ist schlimmer geworden!“ Es sei voller im Geschäft, aber mehr stärker alkoholisierte Kunden kämen. Noch traue sie sich aber, wenn sie gegen 22 Uhr Feierabend hat, allein nach Hause zu gehen: „Ich habe keine Angst“, sagt sie.

22.57 Uhr: Ulrike (30) aus der List und Josephine (29) aus Linden stehen vor der Sansibar. Die jungen Frauen sind ohne männliche Begleitung unterwegs. Ulrike sagt: „In Berlin würde ich mich das in manchen Stadtteilen nicht trauen, aber hier? Kein Problem.“ Josephine fügt hinzu: „Und zur Not wissen wir uns zu verteidigen.“ Beide lachen. Auffällig am Steintor: Die Bars und Clubs an der knapp 100 Meter langen Scholvinstraße werden von rund 20 Sicherheitsleuten geschützt. Ein Security-Mitarbeiter sagt aber: „Wir haben nicht mehr Personal hier stehen als sonst.“

23.17 Uhr: Auch Melanie (37) und ihre Freundin Bibiana (30) gehen abends gern in der Innenstadt feiern. „Ich fühle mich kein bisschen anders als vor zwei, drei Jahren“, erklärt Bibiana. Können Frauen sich in Hannover sicher fühlen? Melanie antwortet: „Klar, dass es anders wäre, kommt nur durch die Berichterstattung in den Medien.“

Sonnabend, 0.07 Uhr: Arm in Arm gehen Michael (23) aus Sarstedt und Isabell (20) aus Ilsede die Goethestraße entlang. Das Pärchen guckt sich das weiß-rote Plakat an einem Club an, darauf steht die Telefonnummer eines Security-Teams: „Wir sind für euch da!“, verspricht es. Wer beklaut wurde oder einfach zum Auto oder Taxi begleitet werden will, kann die Sicherheitsleute anrufen. Michael sagt: „Wenn Frauen alleine unterwegs sind, ist der Begleitservice ein tolles Angebot.“ Ist das notwendig? „Also ich habe schon Angst um meine Freundin“, meint der 23-Jährige.

0.24 Uhr: Seit mehr als 15 Jahren führt Ayhan Yücel (51) aus Misburg einen Kiosk am Steintor. Er macht sich große Sorgen: „Hier war immer was los, aber seit kurzem ist es viel schlimmer geworden.“ Regelmäßig werde in seinem Geschäft geklaut. Die Diebe seien „immer dieselben“, und die Polizei mache „nichts“. Das Geschäft aufgeben? „Kommt nicht in Frage. Meine Frau und meine Kinder leben davon – und wer Ärger macht, den schmeiß ich raus.“

 0.38 Uhr: Eigentlich spielt Dominik Kalafut (20) als Kreisläufer bei der TSV Burgdorf. Momentan ist er jedoch verletzt, deswegen kann man ihn auch mal spät abends in der Innenstadt antreffen: „Ich fühle mich supersicher in Hannover“, sagt der 1,96 Meter große und 112 Kilogramm schwere Koloss. Wer will sich schon mit so einem anlegen? „Hoffentlich niemand“, sagt der 20-Jährige und lacht.

1.12 Uhr: An jeder Ecke auf dem Faustgelände stehen kleine Grüppchen junger Erwachsener, einige trinken, andere rauchen. Das Ambiente auf dem ehemaligen Fabrikgelände ist düster. Eva, Leonard, Melissa, Sarah, Peter und Melina sind häufiger dort, um zu feiern: „Dieses Brennpunkt-Gerede ist doch Quatsch“, sagt Eva. Melissa pflichtet ihr bei: „Ich wurde hier noch nie dumm angemacht, angefasst oder sonst irgendwas.“ Leonard sagt sogar: „Ich gehe gerade hierhin, weil es hier so entspannt abläuft. Die Menschen hier sind nett und wollen Spaß haben.“

2.04 Uhr: Ali (18) aus Linden-Nord wurde vor kurzem an der Glocksee zusammengeschlagen: „Ich komme trotzdem gern her. Das lag nicht am Ort, das kann dir überall passieren“, sagt er. Es seien keine Ausländer gewesen oder Flüchtlinge, die ihn verprügelten: „Das waren einfach Arschlöcher.“ Viktoria (22) aus der List ist mit Ali befreundet. Auch sie hat schlechte Erfahrungen gemacht: „In der List haben mich ein paar Typen verfolgt und mit dem Handy Fotos von mir gemacht“, sagt sie. Während der 15 Minuten, die wir uns auf der Glockseestraße unterhalten, fährt dreimal eine Polizeistreife an uns vorbei. Fünf Polizisten sitzen darin. Ein gutes Gefühl – ob Brennpunkt oder nicht.

Tobias Welz


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