Navigation:
GEMEINSAM: Martina Fleckenstein vom WWF (links) und Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU).

GEMEINSAM: Martina Fleckenstein vom WWF (links) und Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU).© Christian Behrens

Lebensmittel

Wie nachhaltig isst Hannover?

Knapp 48 000 Tonnen Lebensmittel landen jährlich auf Hannovers Müll. Mit Ernährungstipps und Leckereien aus dem Foodtruck will der WWF gegensteuern.

Hannover.  Zu viel Lebensmittel-Verschwendung, zu viel Nitrat im Wasser: Ein recht schlechtes Zeugnis stellt der WWF Hannover und der Region aus. Donnerstag und Freitag macht die Umweltschutzorganisation mit einem Foodtruck auf dem Platz der Weltausstellung in der City halt, um zu zeigen, wie Essen für die Tonne vermieden werden kann.

Das Problem ist groß – und umfasst ein weites Feld, wie Martina Fleckenstein vom WWF bei Gelbe-Beete-Aufstrich und Bio-Kaffee am Stand in der Innenstadt erklärt. Es reicht von den mehr als 90 Kilo Lebensmittel, die ein Hannoveraner im Jahr wegschmeißt, über die Nitratbelastung des Trinkwassers in der Region bis hin zum Artensterben bei Uferschnepfe, Kiebitz, Wiesenpieper und Co. All das hängt zusammen, sagt sie. „Natur und Landwirtschaft sind keine abgekoppelten Systeme. Sie müssen wieder in Einklang gebracht werden.“ Aber der Reihe nach.

Die Hannoveraner schmeißen jährlich 47 895 Tonnen Lebensmittel weg – umgerechnet mehr als 90 Kilo pro Person. „Ganz vorne bei der Lebensmittelverschwendung sind die privaten Haushalte, danach kommen Großküchen, Restaurants, Krankenhäuser und Co“, sagt Tanja Dräger de Teran vom WWF. Dabei sei der größte Teil des Essens, das in Hannovers Tonnen landet, vermeidbar. Etwa 68 Prozent könnten eingespart werden. Dann würden auch 9845 Hektar Anbaufläche weniger benötigt – und frei für die Artenvielfalt: Die Zahl vieler Feldvögel, Ackerwildkräuter und Insekten sei zuletzt stark dezimiert worden, mit intensiver Düngung, Pestiziden und durch die Zerschneidung der Lebensräume. „Es gibt wenig Grünland, dafür viel Acker, dichte Maisbestände, etwa für Bio-Energie. Deswegen sieht man kaum noch Schmetterlinge, Heuschrecken und Wildbienen“, so Fleckenstein. Gleichzeitig ist die Nitratbelastung des Grundwassers in der Region stark gestiegen. „In den vergangenen Jahren wurde der Nitratgrenzwert an über 40 Prozent aller Messstellen überschritten. Gut möglich, dass Trinkwasser deutlich teurer wird, da die Wasserversorger zu Aufbereitungsmaßnahmen greifen müssen“, so Fleckenstein.

 Was muss passieren? Hier seien neben den Verbrauchern auch die Bauern gefragt, mehr zu einem ökologischen Landbau überzugehen. Nur vier Prozent der Höfe (mit drei Prozent der Fläche) in der Region richten sich laut WWF derzeit nach diesen ökologischen Prinzipien – deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt. „Viele Landwirte sind ja sogar bereit, mehr zu machen“, so die WWF-Expertin. Doch damit dürfe man die Bauern nicht alleine lassen, sagt sie in Richtung Politik: Niedersachsen müsse in der anstehenden Legislaturperiode entsprechende Förderprogramme weiter ausbauen. Das sei jedoch nur möglich, wenn auf nationaler und europäischer Ebene das Subventionssystem reformiert wird. Die Vergabe von Agrar-Fördergeldern muss laut WWF endlich an einen nachhaltigen Anbau gekoppelt werden. „Leider offenbart sich beim Blick in die Programme der beiden großen Volksparteien in Niedersachsen kein wirkliches Umdenken.“ Vor Ort war gestern auch Maria Flachsbarth, Staatsekretärin im Bundes-Ernährungsministerium. Sie sagte zu, die Interessen von WWF und Bauern weiter zusammenzubringen.

Und Hannovers Verbraucher? „Die Konsumenten müssen mit anpacken: Weniger tierische Lebensmittel konsumieren und Lebensmittelabfälle wenn möglich vermeiden“, rät Fleckenstein.

Experten-Einkaufstipps und Mitmach-Aktionen gab es gestern und gibt es heute von 10 bis 18 Uhr auf dem Platz der Weltausstellung. Etwa wie man aus Möhrengrün – sonst ein Fall für die Biotonne – leckeres Pesto zubereitet. Vor Ort sind auch Regionale Foodhelden aus Hannover, die der WWF für seine vorbildliche Essensverwertung auszeichnet: Das Hafven Café, die Fleischerei Scheller, die Craftbeer-Brauerei Mashsee und die Gemüsekiste Kampfelder Hof.

Weitere Infos auch im Internet unter www.wwf.de.

Von Simon Polreich

Hannover

Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok