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Leerfahrt: Einige Linien der Regiobus sind nur spärlich ausgelastet. Hier sieht ein Gutachten Einsparpotential.

Leerfahrt: Einige Linien der Regiobus sind nur spärlich ausgelastet. Hier sieht ein Gutachten Einsparpotential.
 © Villegas

Nach Rücktritt

Wie geht es bei Regiobus weiter?

Während die Groko Regio die politische Debatte in der Regionsversammlung einschläfert, gibt es Turbulenzen bei den Tochter-Gesellschaften. Am Dienstag stritten die Fraktionen über die Zukunft der Regiobus, deren Chef plötzlich zurücktrat. Es wurde ein Sparkonzept verabschiedet. Doch es gibt Zweifel, ob das die Probleme löst.

Hannover.  Es war eine merkwürdige Debatte: Am Tag eins nach dem Rücktritt von Regiobus-Chef Hans-Georg Martensen fiel sein Name nicht einmal. Dafür verabschiedete die Regionsversammlung mit den Stimmen von SPD, CDU und AfD den Grundsatzbeschluss zum Sparpaket für das Unternehmen.

Inhalt: 1,4 Millionen Fahrkilometer sollen eingespart werden. 29 wenig genutzte Linien stehen zur Disposition (NP berichtete). Es geht darum früh morgens, abends und an Wochenenden die Takte auszudünnen. Frank Straßburger (SPD) sieht keine Alternative: „Die Zahlen bei der Regiobus sprechen für sich. Und in den vergangenen Monaten ist es noch dramatischer geworden.“

Prognosen besagen, dass die Firmenkosten bis 2025 auf 93 Millionen Euro steigen (2015: 66 Millionen), bei stagnierenden Einnahmen (28 Millionen Euro). Also was tun? Sparen, um die Zahlen in den Griff zu kriegen? Oder das Angebot attraktiver machen? Das meinen die Grünen. Ulrich Schmersow bemängelt an dem Gutachten, dass die Einsparungen errechnete: „Diese Kalkulationen beruhen auf Bevölkerungsdaten von 2015. Seitdem haben wir im Umland Bevölkerungswachstum.“ Michael Fleischmann (Linke) fand noch dramatischere Worte: „Es wird die Axt an die öffentliche Daseinsvorsorge gelegt.“

Das wollte Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz so nicht stehen lassen. „Wir reden über eine sechsprozentige Einsparung bei der Fahrleistung.“ Es gebe Linien mit nur einem Fahrgast pro Kilometer. Da seien Kürzungen ökologisch und ökonomisch vernünftig. Claudia Hopfe (CDU) erklärte: „Es werden auch Linien aufgewertet.“ Sie meint damit, dass die Zahl der Sprinter-Linie, die bis ins Zentrum Hannovers fahren, erhöht werden sollen.

Diplomatisch äußerte sich Gerhard Kier (FDP): „Das Streckennetz ist veraltet und muss überarbeitet werden. Der Grundkonzeption stimmen wir zu, über die Einzelfälle müssen wir reden.“ Bereits jetzt gibt es Proteste von Bürgermeistern, die das Angebot für ihre Dörfer nicht weiter ausdünnen lassen wollen.

Bei den schwach ausgelasteten Linien sitzen meist nur vier bis sechs Personen im Bus. Verkehrsdezernent Franz versteht die Überarbeitung des Nahverkehrsplans auch nicht als Rückzug aus der Etappe. Er sieht aber Dopplungen auf S-Bahnstrecken.

Für die Grünen wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Fabian Peters: „Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und die Kürzung im Liniennetz sind zwei verschiedene Probleme.“ Sollte die Regiobus nach wie vor nicht wirtschaftlich arbeiten, bringe auch die Ausdünnung der Taktzeiten und Linien nichts.

Das war am Ende der Debatte. Und nun hätte man auch auf das Thema Martensen kommen müssen: Seit der bald ehemalige Regiobus-Chef 2010 die Firma hauptamtlich übernommen hatte, ist der Kostendeckungsgrad um mehr als zehn Prozent gesunken. Aber sein Name fiel ja nicht.

Martensen-Rücktritt irritiert die Politiker

Auch für die Aufsichtsratsvorsitzende Ulrike Thiele kam der Rücktritt von Regiobus-Chef Hans-Georg Martensen „sehr überraschend“. Über die Ungereimtheiten bei Ausschreibungen (NP berichtete) werde man am Montag in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats sprechen. Martensen hatte zum 31. Dezember seinen Rücktritt erklärt.

Wie geht es nun weiter mit der Regiobus? „Ob es eine Interimslösung geben wird, wird in den nächsten Tagen entschieden“, teilte Regionssprecherin Christina Kreutz mit. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung müssten diese Frage klären.

Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) lehnte auch am Dienstag eine inhaltliche Stellungnahme zu den Vorgängen bei der Regiobus ab. Er verwies auf die Kontrollfunktion des Aufsichtsrates. Auch für SPD-Politiker ist das nicht nachvollziehbar. „Es ist unverständlich, dass der Regionspräsident noch zu Martensen hält“, heißt es.

In der Politik herrschen immer noch Irritationen über den plötzlichen Rücktritt. Gerhard Kier (FDP): „Eigentlich bräuchten wir seine Kompetenz und seinen Sachverstand für den Öffentlichen Dienstleistungsauftrag.“ Diese Vereinbarung erspart der Region die europaweite Ausschreibung. Allerdings muss Regiobus wirtschaftlich arbeiten und Qualität garantieren. Da sieht auch Jagau Nachholbedarf: „Regiobus muss seine Wirtschaftlichkeit steigern.“ Die Politik sei da bei der Gestaltung des Liniennetzes in der Verantwortung.

Michael Dette (Grüne) war nach der Regionsversammlung verwundert. Dort wurden Kürzungen und Streichungen von Linien beschlossen. „Wenn es nur um unwirtschaftliche Buslinien geht, verstehe ich die Kritik an der Person Martensen nicht.“

Von Thomas Nagel


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