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Hannover/Langenhagen, Seitenwechsel - Jan Heemann arbeitet einen Tag bei der CITIPOST ;(Foto: Christian Behrens)Veröffentlichung nur bei Namensnennung und Honorar!

Hat gut zu tun: NP-Volontär Jan Heemann als Zusteller bei der Citipost.© Behrens

Seitenwechsel

Wie der Citipostmann ins Rollen kommt

Sind Lehrer wirklich immer gestresst? Arbeiten in der Brauerei nur gut gelaunte Menschen? Wie stabil muss eigentlich der Magen eines Fleischers sein? Wer Antworten will, probiert es am besten selbst aus: Die NP wagt in einer neuen, wöchentlichen Serie den Seitenwechsel und tauscht für einen Tag den Arbeitsplatz. Heute: NP-Volontär Jan Heemann als Zusteller der Citipost.

Hannover. Langenhagen. 7 Uhr. Ich klammere mich an meinen Kaffee. Die Frische der klaren Spätsommernacht steht noch in der Luft, während ich durch das Gewerbegebiet in Langenhagen gehe. Von der Zeitungs-Vertriebsgesellschaft (ZVG) Langenhagen - dem hiesigen Zustellpartner der Citipost, bei dem ich während meines Studiums die Neue Presse nachts ausgefahren habe - werden die Briefe und Pakete des Unternehmens für ganz Langenhagen verteilt. Die ZVGs sind die Partner des Unternehmens, die sich um die Zustellung kümmern. Die Citipost ist ein Zustellunternehmen aus Hannover, das sich, neben dem Geschäft mit der Post von Privatpersonen, stark auf Geschäftskunden konzentriert. Dazu zählen aber nicht nur rein wirtschaftliche Unternehmen, sondern auch die Stadt und die Region Hannover.

Als ich ankomme, herrscht ein geschäftiges Treiben. Überall laufen blau gekleidete Mitarbeiter durch die Gänge und schleppen Kisten mit Briefen und Katalogen umher. Eine von ihnen ist Silvia Renner, die ich heute auf ihrer Tour begleite. „Du kannst mir ja schon mal beim Sortieren helfen“, sagt sie und drückt mir einen Stapel Briefe in die Hand, die ich jetzt auf ihre Straßen aufteile.

Geplant werden die Routen aber nicht von den Zustellern, sondern von den Logistikern der Muttergesellschaft Madsack. Aber kennen die Zusteller ihre Routen nicht am besten? „Das mag manchmal stimmen, aber es gibt ja auch Springer, die in verschiedenen Stadtteilen eingesetzt werden“, erzählt Renner, „außerdem kennen wir die Route zwar, aber Planung und Überblick sind mit Karten und Daten dann vielleicht doch besser.“

Insgesamt wird ein einzelner Brief viermal sortiert. Erst im allgemeinen Briefzentrum für den Bereich (in diesem Fall Langenhagen), dann auf den richtigen Zusteller (Silvia Renner), von ihr auf die richtigen Straßen und zum Schluss nochmal in der richtigen Reihenfolge der Adressen.

Nach eineinhalb Stunden setzen wir uns auf die großen Fahrräder. Ich steige auf und falle fast um. Nachdem ich ein kleineres Fahrrad bekommen habe, fühle ich mich etwas weniger ungeschickt. Gerade als ich nach ungefähr fünf Metern freudig in Fahrt komme, heißt es schon wieder: absteigen.

Ein Autohaus im Gewerbegebiet bekommt seine Post an den Empfang geliefert. Kurz grüßen und wieder weiter. Die Strecken, die man fährt, sind meist kurz, aber zu Fuß würde die Tour zu lange dauern.

Auf- und Absteigen zieht sich bei mir noch etwas, und auch das Anfahren fällt einem Sportmuffel nach einer guten Stunde schon schwer. Renner lächelt: „Dass man fit ist, das ist das Wichtigste an dem Job. Ich brauche diesen Ausgleich einfach.“ Seit 13 Jahren ist Renner für die Citipost in Langenhagen unterwegs und fährt schon immer exakt dieselbe Tour. Abwechslung vermisst sie dabei nicht: „Es gibt Menschen, die brauchen das, aber mich beruhigt das total, dass ich jeden Tag die gleiche Strecke fahren kann.“

Es gibt Zusteller wie sie - und außerdem die Springer, die regelmäßig wechseln, je nachdem, wo sie gebraucht werden. Aber alle haben mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen: Ein Bewohner ist weggezogen, das Schild ist abgeblättert, die Briefkästen sind im Haus, oder die Sendungen müssen persönlich zugestellt werden, wie Benachrichtigungen vom Gericht zum Beispiel. In solchen Momenten klingeln die Mitarbeiter beim Empfänger. Man braucht eine Unterschrift, die hinterher als juristischer Nachweis gilt, dass der Brief angekommen ist. „Gerade dann ist Zuverlässigkeit entscheidend. Am Ende müssen wir dafür geradestehen, dass der Brief angekommen ist, wenn es möglich war“, erklärt sie. Einige Kollegen haben auch schon die Wut der Empfänger über einen Brief zu spüren bekommen, aber sie selbst noch nicht. Die größte Herausforderung war, als ein Kunde einen Brief nicht annehmen wollte. Zum Glück hatte sie in diesem Fall noch eine weitere Option - den Briefkasten.

Zusteller sind vom Wetter abhängig: „Im Sommer ist der Job natürlich schön. Im Winter sind wir gut ausgestattet, aber bei Regen oder Schnee zu arbeiten, ist einfach nicht so nett.“ Ausfälle gibt es nur bei Blitzeis, sonst kommt die Post bei jedem Wetter.

Mittags ist die Tour zu Ende. Danach geht es für mich noch in das Briefzentrum der Citipost in Vahrenheide. Hier werden die verschiedenen Sendungen gesammelt und aufgeteilt. Das kann in diesem Fall auch Berlin oder Frankfurt bedeuten. In Hannover wird die Post der Kunden sortiert und von hier aus von der Citipost oder ihren Zustellpartnern verteilt. Eine riesige Maschine sortiert die Standardbriefe, indem sie die Zieladressen abfotografiert, ausliest und dem Bezirk zuordnet. Eine etwas kleinere Maschine etikettiert zum Beispiel die Pakete. Anschließend werden diese von den Mitarbeitern verstaut, so dass ab 23 Uhr die Post für die Region Hannover und gegen 5 Uhr morgens die für die Stadt abgeholt werden kann. Von den ungefähr 300 000 Briefen, die hier jeden Tag durchlaufen, sind auf jeden Fall auch wieder welche für Silvia Renner dabei, die sie am nächsten Tag auf ihrer Lieblingsroute ausfahren kann. Dann aber eben ohne mich.

"Bei uns schaut kein Chef über die Schulter"

Jörg Buchschatz ist Geschäftsführer von insgesamt sechs Zeitungs-Vertriebsgsellschaften der Citipost im Großraum Hannover. Seit 1998 macht er diese Arbeit schon und hat vorher unter anderem als Depotleiter, aber auch als Zusteller gearbeitet.

Jörg Buchschatz

Das erste Attribut, das Ihnen bei den Zustellern einfällt?
Zuverlässigkeit. Das ist aufgrund ihrer Verantwortung, die sie gegenüber der Citipost, dem Geschäftskunden und den Menschen haben, sehr wichtig.
Was sind andere wichtige Eigenschaften?
Körperliche Fitness spielt eine große Rolle. Ortskenntnis ist nicht unbedingt entscheidend, aber kann auch von Vorteil sein. Und natürlich brauchen die Zusteller ein gepflegtes Aussehen. Sie sind schließlich unsere Repräsentation nach außen. Unter diesen Voraussetzungen kann den Job jeder machen.
Sind die Zusteller auch rechtlich haftbar, wenn es um wichtige Dokumente und Benachrichtigungen geht?
Ja. Das gehört zur Arbeit dazu. Wenn ein Nachweis über die Zustellung eines Dokuments erbracht wurde, haftet der Zusteller mit seiner Unterschrift dafür. Auch wenn der Brief nicht zugestellt werden kann. Wir hatten auch schon Zusteller, die dann als Zeugen vor Gericht aufgetreten sind.

Was passiert in so einem Fall?
Die Zusteller beschreiben die Situation, unter der die Zustellung stattfand. Das ist nichts Wildes, sondern eher eine juristische Formalität. Aber eben wichtig.
Was macht die Arbeit attraktiv?
Im Gegensatz zu vielen Bürojobs bleibt man fit. Wir sind nicht beschränkt auf ein bestimmtes Alter. Die Mitarbeiter bei uns im Team sind zwischen 20 und 60 Jahren alt. Die Arbeitszeiten sind auch sehr familienfreundlich, viele Mütter steigen bei uns wieder ins Berufsleben ein. Außerdem sind die Zusteller ihre eigenen Herren, sobald sie aus dem Depot raus sind. Sie können selbst entscheiden, wann sie Pausen machen. Kein Chef schaut ihnen über die Schulter.
Gibt es neben den Fahrrädern auch noch andere Fortbewegungsmittel für längere Strecken?
In der Region Hannover kann es durchaus vorkommen, dass wir Autos oder Motorroller einsetzen. Bei den kleineren Dörfern sind die Strecken einfach zu weit und es wäre ineffizient, wenn wir unsere Mitarbeiter die ganze Strecke mit dem Fahrrad fahren lassen würden.
Welche Bereiche deckt die Citipost in ihrem Tagesgeschäft ab?
90 Prozent unserer Kunden sind Geschäftskunden, die ihre Produktinformationen und Benachrichtigungen an ihre Kunden über uns weitergeben. Natürlich haben wir daneben auch noch den privaten Briefversand.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok