Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Stickstoffdioxide in Hannover weiter über dem Grenzwert
Hannover Meine Stadt Stickstoffdioxide in Hannover weiter über dem Grenzwert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 04.02.2018
LEICHTE VERBESSERUNG: Die Messstation an der Göttinger Straße hat im vergangenen Jahr einen Mittelwert von 44 Mikrogramm NO2 gemessen, vier weniger als 2016 aber immer noch zu hoch. Foto: von Ditfurth Quelle: Franson
Hannover

Die Luft in Hannover ist etwas sauberer geworden. Doch reicht der Rückgang der Stickoxidbelastung noch lange nicht aus. Hannover liegt auch nach den aktuellen Messzahlen des Umweltbundesamtes (UBA) über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel.

Dabei liest sich die Darstellung in der zunächst optimistisch, ist dort doch ein vermeintlicher Rückgang von 55 auf 44 Mikrogramm verzeichnet. Was sich schnell als Luftblase entpuppt. Denn bislang liegen für Hannover nur die Messwerte der einen festen Station an der Göttinger Straße vor. Dort waren im Vorjahr 48 Mikrogramm gemessen worden, der Rückgang beträgt also nur vier Mikrogramm. Der Spitzenwert 55 war von einem der fünf so genannten Passivsammlern in der Stadt gemessen worden.

Deren Daten würden aber erst im Mai oder Juni vorliegen, so UBA-Sprecherin Ute Dauert: „Ich gehe davon aus, dass dann die Werte über 44 Mikrogramm liegen werden.“
Der Erfolg bisheriger Luftreinhaltemaßnahmen bleibt überschaubar, womit Hannover allerdings nicht alleine dasteht. Im Schnitt ging die mittlere NO2-Belastung bundesweit um etwa zwei Mikrogramm zurück. Noch wird der Grenzwert in rund 70 Kommunen überschritten, 20 weniger als im Vorjahr. Hauptverursacher bleiben die Diesel-Fahrzeuge.

Der leichte Rückgang kann auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nicht überzeugen, die an ihren Klagen unter anderem gegen Hannover festhält. „Wir glauben auch nicht so recht an diesen Rückgang“, so Geschäftsführer Jürgen Resch. „Wir hatten günstige Wetterlagen, die zum Teil dafür verantwortlich gewesen sein dürften.“ Auch sei die Anzahl der Messstationen nicht ausreichend, da Maßnahmen wie Tempolimits nur in der Umgebung der Station wirken würden. Die DUH hat aktuell in vielen Städten eigene Passivsammler aufgestellt, die seit Donnerstag auch in Hannover einen Monat lang Luftdaten sammeln sollen.

Hannovers Ampel will “Saubere Luft“

Die Ampelkoalition im Rat hat den Antrag „Saubere Luft für Hannover“ eingebracht, der am Montag im Umweltausschuss diskutiert werden soll. Eine Sammlung unterschiedlichster Vorschläge mit dem Ziel, den Autoverkehr in der Stadt zu verringern.

So wird unter anderem die Einführung des Ein-Euro-Tarifs im ÖPNV gefordert, Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs wie dem Bau von Fahrradparkhäuschen und einer durchgängigen Verbindung nach Laatzen, Schaffung von 400 Carsharing-Parkplätzen, mehr E-Ladestationen sowie die Verflüssigung des Verkehrs durch den neuen Verkehrsrechner.

Die „Fraktion“ zeigt mehr als Satire

Für die „Fraktion“ der „Partei“ geht das alles nicht weit genug. In satirischer Absicht ergänzen sie die Ampel-Vorschläge in einem Änderungsantrag um so fantasievolle Ideen wie der Absenkung der Strafe für Schwarzfahrer auf einen Euro und der Einrichtung einer „Luftreinhalte-Scharia-Polizei“ gegen Pkw-Stinker. Ernster gemeint ist da wohl ihr Antrag auf eine Expertenanhörung, um innovative Konzepte zu entwickeln. „Es zeigt sich schon jetzt, dass es nicht reichen wird, an kleinen Stellschrauben zu drehen“, so Fraktionschef Julian Klippert.

In München stinkt’s am schlimmsten

Nach ersten Schätzungen des UBA liegen die Messungen bundesweit an 46 Prozent der verkehrsnahen Messstellen über der Grenze von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Spitzenreiter mit 78 Mikrogramm ist München. Die Stadt hat damit den Rang mit Stuttgart getauscht, das noch 2016 die dreckigste Luft hatte, jetzt mit 73 Mikrogramm nach München auf dem zweiten Platz liegt. In 37 Städten wird laut UBA der Grenzwert mit Sicherheit überschritten, darunter Hannover, in 29 weiteren ist die Überschreitung wahrscheinlich. Da noch nicht alle Daten vorliegen, können sich diese Zahlen ändern.

„Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir sind aber noch längst nicht am Ziel“, so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Die Maßnahmen des Diesel-Gipfels mit Software-Updates und Umtauschprämien würden nicht ausreichen. „Wir brauchen dringend die Hardware-Nachrüstung der Autos .“

Dennoch würden lokale Maßnahmen erste Wirkungen zeigen. Wie stark der Anteil von Tempolimits, Straßenverengungen, der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und der Nachrüstung von Bussen oder auch der Diesel-Verweigerung von Autokäufern letztlich an der Verringerung der Schadstoffemissionen sei, lasse sich mit den vorliegenden Daten nicht exakt bestimmen.

Uwe Krasselt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!