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Meine Stadt Wer sorgt am Steintor für Ordnung?
Hannover Meine Stadt Wer sorgt am Steintor für Ordnung?
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20:47 16.08.2018
Alltag: Drogenspritzen liegen herum, Sanitäter versorgen Junkies. Quelle: Fotos: Dröse
Hannover

Herumliegende Spritzen, Gestank nach Exkrementen und zwielichtige Gestalten – der Platz am Steintor ist kein Ort, an dem man sich besonders wohl fühlt, geschweige denn sicher – besonders in den Abendstunden. Mangelnde Ordnung und Sicherheit ruft auch die Politik auf den Plan: „Die Entwicklung, die dort stattfindet, ist nicht zu übersehen“, attestiert die Bürgermeisterin des Bezirks Mitte, Cornelia Kupsch (CDU), und sie weiß: „Wir müssen an dem Platz etwas tun.“

Ansässige Geschäftsinhaber beschwerten sich bereits bei der Polizei über die Zustände vor Ort (NP berichtete). Auch der Franchise-Betreiber des McDonald’s in der Georgstraße kennt das Problem: „Das Equipment der Drogensüchtigen finden wir bei uns regelmäßig auf den Toiletten“, berichtet Matthias Kerl, Assistent der Geschäftsführung der Ehmann-Restaurantbetriebe. Er und seine Mitarbeiter beobachten: „Das Potenzial zur Aggressivität nimmt seit den letzten Jahren zu.“

So nimmt das auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Wilfried Engelke (FDP) wahr: „Der Drogenverkauf hat im vergangenen halben Jahr massiv zugenommen.“ Gemeinsam mit Politik, Polizei und City-Gemeinschaft müsse das Thema nun dringend besprochen werden: „Da erwarte ich Fußstreifen mit einem neuen Sicherheitskonzept.“

Auf eigene Erfahrungen kann Ratsherr Philipp Kreisz (SPD) zurückgreifen: Er hat die Müllabfuhr von Aha einen Tag bei ihrer Arbeit am Steintor begleitet: „Da hieß es, dass ich beim Aufsammeln auf die Spritzen aufpassen soll“, berichtet er und erklärt: „Da müsste die Polizei wahrscheinlich mehr kontrollieren.“

Mehr Videoüberwachung in der U-Bahn-Station

Für mehr Sicherheit sorgt die Üstra bereits in der U-Bahn-Station am Steintor: „Vor einigen Monaten hat Protec bereits Maßnahmen für die Station ergriffen“, sagt Sprecher Udo Iwannek. Das Unternehmen, das für die Sicherheit an den Stationen zuständig ist, hat die Videokameraüberwachung ausgeweitet. „Die Station wird außerdem intensiv bestreift“, erklärt Iwannek. Nachts in den Betriebspausen wird die Station – anders als andere Haltestellen – abgeschlossen: „Wir möchten nicht, dass sich dort jemand aufhält“, sagt der Üstra-Sprecher.

Während die Maßnahmen in der Station zu fruchten scheinen, sieht die Lage oberirdisch nicht so gut aus: „Wir brauchen für den Steintorplatz eine Null-Toleranz-Strategie“, fordert Matthias Oppelt (CDU). Er sieht es nicht nur als singuläres Problem des Steintorplatzes: „Solche Entwicklungen wie dort sieht man auf fast allen Plätzen in der Innenstadt.“

Bezirksratsbürgermeisterin Cornelia Kupsch setzt ihre Hoffnung in die Sondersitzung des Bezirksrates Mitte zum Thema Ordnung und Sicherheit am 3. September. Dort soll mit dem zuständigen Stadtrat Axel von der Ohe auch über die Situation auf öffentlichen Plätzen gesprochen werden: „Wir müssen aktiv werden, das muss aber auch von höheren Ebene ausgehen.“ Da seien nun Stadtverwaltung und Polizei gefragt.

Die Polizei ist überlastet

Ist die Lage auf dem Platz am Steintor nur eine Frage der Sicherheit – oder spielt auch eine strukturelle Komponente mit hinein? Derzeit kämpft die Polizei vornehmlich alleine gegen die dortige Drogenszene. Und ihr Handlungsspielraum hat Grenzen: „Oft reicht es noch nicht einmal für einen Platzverweis, wenn die Menschen da nur auf der Mauer sitzen“, erklärt die Leiterin der Polizeiinspektion Mitte, Gwendolin von der Osten.

Nachdem bei der Polizei Beschwerden von Geschäftsinhabern am Steintor eingingen, habe man die Präsenz sowie die Kontrollen verstärkt: „Wir haben einen verstärkten Kontrolldruck, aber keine erhöhten Zahlen der Delikte“, legt von der Osten dar.

Hilfe bei der Sicherheit am Steintor sollen die Beamten vom Ordnungsdienst der Stadt Hannover bekommen. Dieser wurde erst kürzlich deutlich personell aufgestockt – die Probleme an den Plätzen in der Innenstadt sind damit allerdings noch nicht beseitigt: „Die Situation am Steintorplatz ist ein gutes Beispiel dafür, dass der städtische Ordnungsdienst versagt hat“, attestiert Maximilian Oppelt (CDU). Die Reform des Dienstes habe nicht funktioniert: „Die Stadt ist dort zuständig, nimmt das aber nicht war.“ Die Polizei sei damit überlastet.

Die Stadt selbst erklärt hierzu: „Grundsätzlich ist nur die Polizei für die Strafverfolgung zuständig ist. Flankierend dazu kontrolliert der Ordnungsdienst verstärkt den ganzen Tag.“ Doch wie kann die Polizei für Ordnung sorgen, wenn in dem Moment womöglich keine Straftat begangen wird? Die Stadt arbeitet derweil am großen Wurf für eine Lösung der Problematik: Im Rahmen der Debatte um die Bebauung des Platzes soll auch die Drogenszene thematisiert werden. Unter Einbeziehung der Bürger soll hierfür eine Lösung gefunden werden: „Dabei wird das Ziel verfolgt, ein gemeinsam getragenes Verständnis von der Zukunft des Steintorplatzes zu schaffen und konkrete Leitlinien für die weitere Entwicklung zu formulieren.“

Von Janik Marx

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