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Hannover

Wenn Mama eine Trinkerin ist

Das schockierte sogar Polizisten: Sie trafen eine völlig betrunkene Frau mit 3,8 Promille am Hauptbahnhof an - und daneben ihr einjähriges Kind im Kinderwagen. Wie geht es dem Kleinen jetzt?

Hannover. Betrunkene gehören zum Alltag auf dem Hauptbahnhof. Was seine Kollegen aber unlängst erlebten, nennt Bundespolizeisprecher Martin Ackert einen „Extremfall“. Eine junge Frau saß im Regionalzug auf dem Boden. Sie war unfähig aufzustehen. Auf dem Gang stand der Wagen mit ihrem Kind. Das Kind kam umgehend in eine Bereitschaftspflegefamilie und wird inzwischen vom Vater betreut. Doch damit wird die Geschichte nicht erledigt sein.

„Die Clearing-Stelle der Stadt ist ein verlässlicher Partner, um solche Situationen in den Griff zu bekommen“, sagt Ackert zum ersten Vorgehen. Binnen einer halben Stunde war an besagtem Abend ein Mitarbeiter des Fachbereichs Jugend auf der Polizeiwache und kümmerte sich um das einjährige Kind. Dessen Mutter (36) hatte unterdessen randaliert. Mit 3,8 Promille (einem Wert also, den die meisten Menschen weder erreichen noch überleben würden) kam sie zur Entgiftung in ein Krankenhaus. Das Kleinkind wird von seinem Vater betreut, der offenbar in Bremen wohnt. „Das zuständige Jugendamt wird den Fall weiter betreuen und für den Schutz des Kindes sorgen“, heißt es.

Was geschieht in einem solchen Fall? Die NP befragte Experten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter dem zuständigen Jugendamt bekannt ist, sei hoch, sagen sie. Der Wert von 3,8 Promille deute auf ein massives Alkoholproblem hin, das während der Schwangerschaft sicherlich schon der Familienhebamme aufgefallen sei. Mit der Inobhutnahme des Kindes und der Krankenhauseinweisung der Mutter werde das Ganze spätestens zum Fall für die Jugendbehörde.

Ziel ist, das Kind in seiner Familie aufwachsen zu lassen. Eine Alkoholtherapie für die Mutter kann eine Vereinbarung sein. Entweder hergestellt in Zusammenarbeit mit den Eltern oder angeordnet durch ein Familiengericht.

Für das Kind könnte das Erlebnis ein dramatischer Einschnitt sein, meint Jugendpsychologe Christoph Möller vom Kinderkrankenhaus Auf der Bult. Schließlich brauchten Kinder „halt- und schutzgebende Bindungen“. Die Mutter sei für sie so etwas wie der sichere Hafen. Wenn sie alkoholisiert sei, könne sie die Signale des Kindes nicht mehr richtig deuten und sei in wechselhafter Stimmung.

Dass die Mutter ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, als wichtigste Bezugsperson also plötzlich ausfiel und das Kind von völlig Fremden betreut und versorgt werden musste, sei „eine Erschütterung des Urvertrauens“. Mit möglichen späteren Folgen. Möller: „Dysfunktionale Bindungsmuster bilden sich früh aus.“


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