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Ihme-Zentrum

Ihme-Zentrum© Tobias Kleinschmidt

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Hannover

Wem gehört das Ihme-Zentrum?

Wer ist der Besitzer des Ihme-Zentrums? Amir Dayan ist ein Phantom, kein Foto ist im Umlauf. Auszüge aus dem Handelsregister zeigen ein kaum überschaubares Firmengeflecht, dessen Wurzeln in Zypern liegen.

Hannover. Nur wenige Menschen haben ihn in Hannover jemals zu Gesicht bekommen - Amir Dayan, den Mann, dem angeblich das Ihme-Zentrum gehört. Für 16,5 Millionen Euro hat das Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH im Februar 2015 die Betonburg an der Ihme gekauft. Dayan soll einer der Gesellschafter sein.

Der israelische Investor scheint Strippenzieher in einem kaum zu überblickenden Geflecht von Immobilienunternehmen zu sein. Aus etlichen hat er sich laut Handelsregister im Mai dieses Jahres zurückgezogen. Geschäftsführerin ist jetzt dort Efrat Abuav, die auch den für Hannover zuständigen Ableger des Firmen-Konglomerats führt.

Die wichtigen Gespräche (mit Oberbürgermeister Stefan Schostok, Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette oder Verwalter Torsten Jaskulski) führt Dayan. Der Israeli spricht Englisch und Hebräisch, bei Bedarf greift er auf den Dolmetscher zurück, der ihn begleitet.

„Höflich“ sei er, heißt es über den Israeli, von dem nicht ein einziges Foto in sozialen Netzwerken oder den „Wir über uns“-Seiten seines Imperiums existiert. Dayan soll etwa 1,75 Meter groß sein, kurze dunkle Haare und stahlgraue Augen haben. Ob er jener Mann war, der bei der Zwangsversteigerung das höchste Gebot abgab, ist unwahrscheinlich. Der (kurzes Haar, Sonnenbrille, Kinnbart, dunkler Mantel) war eher ein Strohmann und ließ sich über sein Handy am Ohr wohl die Linie vorgeben. Die Kaution fürs Ihme-Zentrum hatte der Bieter schon vor dem Termin auf ein Gerichtskonto überwiesen.

Ein Zuschlag für 16,5 Millionen Euro bei einem Objekt, dessen Wert Gutachter auf 49,6 Millionen Euro taxiert hatten, mutet an wie ein Schnäppchen. Das Intown-Investment, eine der Muttergesellschaften im Immobilien-Geflecht von Amir Dayan, listet das Ihme-Zentrum auf seiner Homepage auf als eines von neun „weiteren Objekten, die wir zum Leben erweckt haben“. Weiter heißt es über die „Stadt in der Stadt“: „Unsere Zielsetzung ist die Erschließung und Reaktivierung von Teilflächen, um ... damit eine einhergehende Wertsteigerung des Gesamtkomplexes zu erzielen“.

Schrift ist geduldig, sagt ein Sprichwort. OB Stefan Schostok aber hat die Geduld mit dem Investor aus Israel langsam verloren. Sollte die zugesagte Sanierung nicht bald in Gang kommen, werde sich die Stadt als Ankermieterin aus dem Ihme-Zentrum zurückziehen, drohte er. Auch die Stadtwerke Hannover, jahrzehntelang Eigentümerin und jetzt Mieterin ihres Büroturms, bereiten einen Auszug vor.

„Das war ein Schuss vor den Bug, und der hat gesessen“, meint Verwalter Jaskulski. Dayan verhandle längst mit Einzelhandelsunternehmen und gewinne sie als Mieter für ein saniertes Ihme-Zentrum. Architekten seien beauftragt, und „Gespräche über den Wiederaufbau“ liefen. Jaskulski meint: „Wahrscheinlich werden Ende dieses Jahres die Bauanträge gestellt.“ Im Frühjahr 2017 könnten die Sanierungsarbeiten beginnen.

Auf die Frage, ob das alles sicher sei, weicht der Verwalter aus. Man schaue eben nur auf die Stirn seines Gegenübers. „Was dahinter vorgeht, könnte ich nicht mal über meine Frau sagen.“

Wie tickt der Mann, der fast ein Phantom sein könnte? Efrat Abuav, die Geschäftsführerin des Projekts Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH und gut 70 weiterer Firmen in dem Immobilien-Geflecht, gibt bei Facebook immerhin über sich preis, dass sie „Mittagessen“ mag und ihr Lieblingsbuch „Business English“ ist. Über Amir Dayan erfährt man ... nichts. Außer, man investiert in Schufa-Auskünfte, die sein Geburtsdatum zeigen (15. August 1974) und das Firmenkonglomerat. „Es gibt weitere Verflechtungen zur Person“, steht da. „Zur besseren Übersichtlichkeit wird die Anzeige auf 20 beschränkt.“

Offenbar hat der Investor für fast jedes Projekt in jeder Stadt eine eigene Gesellschaft gegründet. Vielfach kaufen diese Unternehmen Immobilien, die seit Jahren leerstehen und in denen es einen Sanierungsstau gibt. So wie eine Betonburg in Dortmund-Dorstfeld, die stark ans Ihme-Zentrum erinnert, oder jüngst das ehemalige Luxushotel Astoria in Leipzig, das seit 20 Jahre zunehmend verfällt.

Branchenkenner nennen diese Form von Geldanlegern „opportunistische Investoren“. Über ihre Seriösität lasse sich nichts sagen. „Wenn es gut läuft, werden beispielsweise in einer Zwangsversteigerung erworbene Immobilien mit hohem Aufwand modernisiert.“ Und wenn es schlecht läuft? Darüber reden Experten nur hinter vorgehaltener Hand.

Die Schufa-Einträge zum Firmengeflecht überraschen teilweise: Bei der Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH beispielsweise taucht Amir Dayan überhaupt nicht als Eigner auf. Die GmbH, die über das übliche Stammkapital von 25 000 Euro verfügt, gehört der Petherola Limited in Nikosia, Zypern. Deren Geschäftsführer wiederum sind zwei zyprische Anwälte. Fotos vom Bürohaus in der Strati Myrivilli 5 sucht man vergebens. Jede Menge Unternehmen listet das Internet unter dieser Adresse auf.

Eine Briefkastenfirma? Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Nur einen wichtigen Hinweis von einem Branchenkenner. Das Ihme-Zentrum-Eignerunternehmen sei „Non-Recourse“-finanziert. Das ist eine Finanzierung ohne persönliche Haftbarkeit. Der Beleihungswert richtet sich vor allem nach dem sogenannten Ertragswert der Immobilie, im Ihme-Zentrum beispielsweise sind dies die jährlichen Mieteinnahmen. Die dürften bei drei bis vier Millionen Euro liegen. Den Kaufpreis von 16,5 Millionen Euro hätte der Anleger also innerhalb von fünf bis sechs Jahren raus.

Ein unseriöser Investor würde in dem Fall wahrscheinlich seine GmbH dicht machen. Er hätte nichts verloren außer dem Stammkapital, sein „Spielgeld“ sozusagen. Das Ihme-Zentrum wäre dann dem Verfall noch ein Stück näher. Und ein seriöser Investor? Hätte innerhalb dieser fünf bis sechs Jahre wahrscheinlich Millionen investiert, damit kein Ankermieter abspringt und er neue gewinnt.

„Amir Dayan“, sagt der Verwalter Jaskulski, „ist sehr deutlich, dass hier etwas geschehen muss.“


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  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
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  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok