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Meine Stadt Weltfrauentag: Gräßler-Zorn fördert Frauen in Hannover
Hannover Meine Stadt Weltfrauentag: Gräßler-Zorn fördert Frauen in Hannover
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21:27 07.03.2018
Sabine Gräßler-Zorn von der Agentur für Arbeit. Quelle: Heusel
Hannover

Und dabei ist Gräßler-Zorn (61) auch noch unglaublich freundlich, wirkt auf Be­sucherinnen sanft und empathisch und hat so gar nichts gemein mit den hiesigen Alphatieren, die man(n) normalerweise mit Durchsetzungsvermögen definiert.

Als Sabine Gräßler-Zorn in den 1970er Jahren ihr Berufsleben begann – erst als Industriekauffrau, dann studierte sie „einen typischen Männerberuf, ich wurde Ingenieurin“ –, da wurden unverheiratete Frauen noch Fräulein genannt, der Chef war so gut wie nie eine Chefin und die Emanzipation steckte eher in den Kinderschuhen. Gräßler-Zorn wollte beweisen, dass sie auch im technischen Beruf“ bestehen kann, was ihr engster Kollege, „schon eine Art Mentor“, auch bestätigte. Eine etwas ältere Freundin studierte bereits Ingenieurwesen, „die war für mich Vorbild. Wir brauchen solche weiblichen Vorbilder“, ist Gräßler-Zorn bis heute klar. 

Zoten im Männerklügel

Allerdings verließ ihr Kollege das Unternehmen, der Chef des hannoverschen Unternehmens war „ein Choleriker, und die Kollegen ließen mich fortan links liegen“. Die Zoten, die in den Männerklüngeln gerissen wurden, wären wohl heute ein Fall für „#metoo“, aber damit kam die junge Frau noch klar: „Ich wollte ja auch allein unter Männern be­stehen.“ Aber ihr Selbstbewusstsein litt, sie benötigte mehr Kraft, um das Betriebsklima zu überstehen, als ihre geliebte Arbeit zu machen: „Ich habe das als persönliches Scheitern erlebt.“

Sabine Gräßler-Zorn kündigte schließlich, machte einen Termin beim Arbeitsamt in der Brühlstraße (Mitte)  – und begann wenige Monate später dort als Arbeitsvermittlerin. „Ich bekam dann meine Kinder und bin auch erst einmal für zehn Jahre aus dem Beruf raus.“ Glücklicherweise habe sie einen Mann, mit dem sie gleichgestellt (und nicht nur berechtigt) „auf Augenhöhe“ leben kann, „die Partnerwahl ist für uns Frauen auch sehr wichtig“, sagt sie lächelnd.

Sie kümmert sich um Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

All ihre Erfahrungen – gute und weniger gute – bringt  Gräßler-Zorn in ihren heutigen Job als „Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“ ein. Das heißt, sie bringt das „Gleichstellungssystem auch in der eigenen Organisation voran“ und berät extern Frauen in ihrer Berufswahl und auch nach einem Wiedereinstieg: „Ich schaue, was jede einzelne Frau mitbringt, über vieles sind sich die Arbeitssuchenden selbst nicht im Klaren.“

Etwa, dass Mütter schon allein wegen ihres Nervenkostüms und Organisationstalents gefragt sind. Dass Frauen ihren künftigen Job nicht bereits im Vorfeld hundertprozentig beherrschen müssen. Dass sie einen Rechtsanspruch auf „klischeefreie“ Beratung und  Vermittlung haben und unterschiedlichste Förderung erhalten können. Und dass – im Gegensatz zu den 1970er Jahren – ein Fachkräftemangel herrscht und jeder Chef und jede Chefin froh ist, Mitarbeiterinnen einstellen zu können, die motiviert und engagiert sind.

Rat an junge Frauen

In der Berufswahl rät Gräßler-Zorn jungen Frauen, auch auf die Karriere- und Verdienstmöglichkeiten zu schauen. Während eine Friseurin ein Monatsgehalt zwischen 1426 und 1940 Euro erwarten kann, bekommt die Maschinenbauingenieurin zwischen 4306 und 6103 Euro monatlich. Um gute Mitarbeiterinnen halten zu können, werde heute in den Betrieben auch viel mehr Wert auf eine gute Vereinbarung von Familie und Beruf gelegt.
Sabine Gräßler-Zorn und ihr großes Netzwerk werden sicher auch dazu beigetragen haben. Es bedarf eben Vorbildern – gestern, heute und morgen. Vielleicht ist der Frauentag dann irgendwann nicht mehr notwendig.

Petra Rückerl

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