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Meine Stadt Wegen 14,95 Euro: Süßigkeiten-Dieb wird verurteilt
Hannover Meine Stadt Wegen 14,95 Euro: Süßigkeiten-Dieb wird verurteilt
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18:59 29.12.2017
In Handschellen: Roland S. wartet auf die Gerichtsverhandlung. Quelle: Foto: Nagel
Hannover

Letzter Prozess im Jahr 2017 am größten Amtsgericht Niedersachsens: Richterin Gudrun Gundelach verurteilt Roland S. (55) zu einer Geldstrafe von 250 Euro (50 Tagessätze). Diebstahl geringwertiger Sachen lautete das Delikt.

Rund 9300 Strafverfahren seien in diesem Jahr abgeschlossen worden, sagt Gerichtssprecher Jens Buck. Das bewege sich in etwa auf dem Vorjahresniveau. 38 Richter (davon zehn Jugendrichter) haben sich mit den Delinquenten beschäftigt. Rechtssprechung wie am Fließband.

Letzter Prozess wegen 14,65 Euro

Zurück zu Roland S. Der wohnungslose Mann hat in einem Bothfelder Supermarkt Aspik-Spezialitäten, zwei Packungen Zigaretten, eine Alpen-Milch-Schokolade und Lachgummi geklaut. Wert: 14,65 Euro. Der Mann gibt sich wortkarg. Bereits 14-mal stand er vor Gericht: Diebstahl, Urkundenfälschung, Sachbeschädigung. Am Freitag wurde er im Rahmen des beschleunigten Verfahrens bestraft.

Den Prozess verfolgte Roland S. noch in Handschellen. Bis zum Prozess war er inhaftiert. Sein Abstieg begann mit dem Verlust der Arbeitsstelle als Koch im Jahr 2010. Da ging es los mit den Straftaten. „Ich habe nie Sozialhilfe bezogen“, sagt Roland S. Warum nicht, bleibt unklar.

Das Leben auf der Straße hat ihn gezeichnet. Das graue Haar hängt in langen Strähnen herunter. Die Haut ist rissig. Die Fingernägel sind lang und die Fingerkuppen gelb vom Nikotin. Der Mann wirkt 15 Jahre älter.

Bei der nächsten Verurteilung muss S. mit einer Haftstrafe rechnen

Als S. beim Diebstahl erwischt wurde, hatte er knapp 150 Euro bei sich. Allerdings in sehr außergewöhnlicher Form: in zwölf Zwei- und 116 Ein-Euro-Münzen sowie 18 50-Cent-Stücken. Die Polizei vermutet, dass Roland S. einen Automaten aufgebrochen habe. Der Angeklagte sagte, dass er das Geld vom Pfandflaschen-Sammeln habe. Allerdings verdiene er damit lediglich zwei bis drei Euro am Tag.

„Ihre letzte Verurteilung liegt länger als drei Jahre zurück. Das hat Sie vor dem Gefängnis bewahrt“, sagt Richterin Gundelach. Der Angeklagte hat Glück gehabt. Erst seit kurzem liegt eine neue Anklage gegen ihn vor. Die Richterin meinte zum Angeklagten: „Sie wirken so gleichgültig, so verloren. Das finde ich besorgnisserregend.“ Bei der nächsten Verurteilung müsse er mit einer Haftstrafe rechnen.

Von Thomas Nagel

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