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Wohnen am Wasser: Entwürfe der ArchitektenKiefer + Kiefer zeigen,wie die Wasserstadtaussehen soll.

Wohnen am Wasser: Entwürfe der ArchitektenKiefer + Kiefer zeigen,wie die Wasserstadtaussehen soll.

Wohnen am Wasser

Wasserstadt Limmer: Bald kehrt echtes Leben ein

Die Wasserstadt Limmer dürfte sich schneller als erwartet mit Leben füllen: Schon nach dem ersten Bauabschnitt sollen hier 1500 Menschen eine Heimat finden. Schlechte Nachrichten gibt es aber vom Eigentümer: Die historischen Conti-Gebäude sind wohl nicht zu retten.

Hannover. 500 Wohnungen für rund 1500 Menschen: Im ersten Bauabschnitt der Wasserstadt Limmer soll schon rund ein Drittel des Wohnraums ent­stehen, der auf der ehe­maligen Conti-Produktions­fläche in Limmer geplant ist. Voraussichtlich im Herbst 2019 sollen die ersten Ge­bäude bezugsfertig sein. Das verkündete am Mittwoch Martin Pietsch, Geschäftsführer der Wasserstadt-Limmer-Projektentwicklung, bei der Vorstellung der neuesten Pläne für das Vorhaben.

Laut Eigentümer Günter Papenburg sollen im Frühjahr die ersten Baugruben ausgehoben werden. Im ersten Halbjahr soll auch schon der Hochbau beginnen. Da­für hat Papenburg extra auf dem Gelände ein Betonwerk errichtet.

Dadurch, dass der Baustoff direkt dort angerührt wird, sollen die Belastungen für den Stadtteil Limmer begrenzt werden. „Wir gehen davon aus, dass das den Baustellenverkehr auf der Straße um die Hälfte reduziert“, kündigte Papenburg an, der zuletzt erneut Millionen investiert hat: „Wir ha­ben das gesamte Kanalnetz fertiggestellt. Der Rohbau kann beginnen.“

Noch allerdings bleiben Fragezeichen, wer im ersten Bauabschnitt zum Zuge kommt. Das Wohnungsunternehmen Meravis und die Wasserstadt-Projektentwicklung haben schon eine gemeinsame Gesellschaft gegründet. Diese wird im nordwestlichen Bereich des ersten Bauabschnitts auf vier Baufeldern 116 Wohnungen errichten, darunter auch ein achtgeschossiges Ge­bäude am Wasser.

Weit fortgeschritten sind auch die Verhandlungen mit der KSG Hannover, die 81 Wohnungen inmitten des Bauabschnittes errichten will, davon 46 als staatlich geförderten Wohnungsbau zu geringen Mieten. „Wir fühlen uns auch denen verpflichtet, die nicht mit dem Porsche unterwegs sind“, verkündete Geschäftsführer Karl Heinz Range.

Auch die Baugemeinschaft Jawa will noch vor Weihnachten den Vertrag mit der Wasserstadt-Limmer-Projektentwicklung unter Dach und Fach bringen. Diese plant 55 Wohnungen und will mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbraucht, und außerdem möglichst nachhaltige Baustoffe verwenden.

Schwieriger gestalten sich allerdings die Verhandlungen mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Hanova, wenngleich es schon gemeinsame Planungen gibt. Der Hanova waren bisher die Preise zu hoch, die Eigentümer Papenburg verlangt. Auch die SPD hatte die Forderungen bereits kritisiert.

Stadtbaurat Uwe Bodemann lobte am Mittwoch, dass „ganz unterschiedliche Wohnstile in der Wasserstadt möglich sind und auch unterschiedliche Einkommensstrukturen vertreten sein werden“. Er verteidigte die strengen Gestaltungsvorschriften, die die Stadt in einem Handbuch zur Wasserstadt gemacht hat. Diese seien dazu da, dass die Wünsche aus der Bürgerbeteiligung und der Politik auch tatsächlich umgesetzt würden. „Die Architekten kommen mit dem Instrument gut zu­recht“, glaubt der Bauexperte.

Papenburg will historische Gebäude abreißen

Sie sollten so etwas wie das Gesicht der Wasserstadt Limmer sein und den Bogen zur Geschichte als Produktionsstätte der Continental AG schlagen. Doch nun stehen die historischen Gebäude an der Wunstorfer Straße tatsächlich vor dem Abriss. „Die Altbauten sind als unbewohnbar erklärt worden“, berichtete Wasserstadt-Eigentümer Günter Papenburg am Mittwoch bei der Vorstellung der neuesten Pläne zu dem Wohnprojekt.

Das jedenfalls sei das Ergebnis intensiver Untersuchungen gewesen. Mit verschiedenen Techniken hatten Experten versucht, die giftigen Nitrosamine – eine Hinterlassenschaft der Reifenproduktion – einzudämmen. Zum Beispiel beklebten sie Räume mit speziellen Folien. Doch auch danach wurde der krebserregende Stoff nachgewiesen. „Wir wollten die Gebäude wirklich erhalten, aber nun tendieren wir zum Abriss“, erklärte Papenburg.

Für ihn sind die Altbauten mittlerweile auch „ein Gefahrenpunkt“. Immer wieder würden sie zu einer „Spielwiese für junge Leute. Wir haben das nicht mehr im Griff“, sagte Papenburg.

Auch Stadtbaurat Uwe Bodemann räumt ein, dass es „nicht so richtig gut aussieht“ für die historischen Gebäude. Er appellierte allerdings an Papenburg und dessen Wasserstadt-Limmer-Projektentwicklung, noch einen Versuch zur Rettung der Bauten zu beginnen. „Wir wünschen uns, dass alle Mühe darauf verwendet wird, die Altbauten doch zu erhalten“, sagte der Stadtbaurat. Dazu sollte noch einmal „weitere Expertise“ herangezogen werden.

Zwar stehen die Gebäude unter Denkmalschutz, „aber wenn sich herausstellt, dass keine wirtschaftliche Nutzung möglich ist, dann sind sie nicht haltbar“, erklärte der Stadtbaurat. Die Stadt müsste dann den Abriss genehmigen.

Etwas Zeit für eine Lösung des Problems bleibt allerdings noch. Solange der Lärmschutz für die Güterumgehungsbahn nicht fertig ist, müssen die historischen Conti-Gebäude noch stehen bleiben. Sie dienen als Lärmschutz. Ohne sie dürfte der erste Bauabschnitt gar nicht errichtet werden.

Von C. Bohnenkamp


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