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Hannover Meine Stadt Warum geht Leuschner zur Linken?
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00:16 18.01.2013
NEUE PARTEI: Sigrid Leuschner bei ihrer ersten Pressekonferenz für die Linke. Quelle: Jochen Lübke
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Hannover

Für die Linken ist es ein großer Coup. Am Tag, nachdem die SPD-Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner ihren Wechsel zur Linken verkündet hatte, lud Parteichef und Spitzenkandidat Manfred Sohn eilig zur Pressekonferenz. Leuschner feixte für die Fotografen, offenbarte aber auch, wie dünnhäutig sie derzeit ist. Man habe sie „ins offene Messer laufen lassen“, ihr „die Würde genommen“, hatte sie am Montag im Gespräch mit der NP Hannovers Sozialdemokraten vorgeworfen.

Dass die Landtagsabgeordnete ihrer Partei nach 44 Jahren Mitgliedschaft und 19 Jahren im Parlament fünf Tage vor der Landtagswahl den Rücken kehrt, löst Befremden aus. Sogar bei CDU-Parteichef Dirk Toepffer, der im Wahlkreis 24 gegen Sigrid Leuschner antrat und direkt gewann. „Ich glaube nicht, dass sich dieser Vorgang auf den Wahlausgang auswirken wird“, sagt er. Und: „Das müssen die Sozialdemokraten unter sich regeln.“

Das tun sie - schmallippig. „Die Entscheidung von Frau Leuschner nehmen wir zur Kenntnis. Die Art und Weise, in der sie ihren Übertritt vollzogen hat, befremdet uns“, teilt Fraktionsvorsitzender Stefan Schostok mit. Erst am Montagabend hatte er aus Medien von dem Wechsel erfahren. „Es hat im Vorfeld keinerlei Ankündigungen oder Andeutungen ihrerseits gegeben, dass sie die Fraktion verlassen will.“

Noch am Sonnabend habe er mit Leuschner in Springe Jubilare geehrt, berichtet Regions-Parteichef Matthias Miersch. Und: „Dass sie mir sowie anderen Vorstandskollegen keine Chance gegeben hat, ihre Zweifel und ihren Entschluss, die SPD zu verlassen und in eine andere Partei zu wechseln, zu erörtern, muss ich hinnehmen, verstehen kann ich es in keiner Weise.“

Die Behauptung, die Entscheidung für Doris Schröder-Köpf als neue Landtagskandidatin sei nicht korrekt gelaufen, befremdet Hannovers Parteichef Alptekin Kirci. Das entspreche nicht der Wahrheit: „Die Delegierten haben sich damals in geheimer und freier Wahl gegen sie entschieden.“ Spitzenkandidat Stephan Weil sieht das auch so und kommentiert: „Rache war noch nie sympathisch.“

Leuschner versichert, nicht Rache habe sie getrieben. Mit mehreren Positionen der SPD etwa zu Arbeitnehmerrechten und Verbraucherschutz sei sie nicht mehr einverstanden. Das „Fass zum Überlaufen“ hätte schließlich Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit Äußerungen etwa zum Kanzlergehalt gebracht. Sie meint inzwischen: „Die Linke ist ein Garant für soziale Gerechtigkeit.“

Vermutungen, die Linke hätte ihr eine Bundestagskandidatur angeboten (die Liste wird im April aufgestellt), bezeichnet Leuschner als „Quatsch“. Wie es mit ihr weitergeht? Achselzucken. Als Rechtsnachfolgerin der Deutschen Angestellten Gewerkschaft wird Verdi die 61-Jährige 2014 wieder einstellen müssen. Ein Jahr lang wird sie als langjährige Landtagsabgeordnete Übergangsgeld beziehen. Bei der Verbraucherzentrale, deren ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende sie ist, will Leuschner fragen, ob der Vorstand bereit dazu ist, mit ihr auch weiterhin zusammen zu arbeiten. Sie ahnt, dass auch dieses Engagement bald ein Ende hat.

Christine Kastning, Fraktionschefin der SPD im Rat (die ebenfalls im Kampf um einen Landtagswahlkreis verlor) nennt Leuschners Schritt „bedauerlich“. So schwer Niederlagen auch seien, man müsse versuchen, an ihnen zu wachsen.

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