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WARTEN IN WENNIGSEN: Am Dienstag fuhren keine Regiobusse.

WARTEN IN WENNIGSEN: Am
Dienstag fuhren keine Regiobusse.© Frank Wilde

Regiobus

Warnstreik trifft zehntausende Pendler

Die Busfahrer in der Region Hannover haben gestern für 24 Stunden ihre Arbeit niedergelegt. Dazu hatte Verdi aufgerufen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ lautet ihre Forderung – Regio-Bus-Fahrer sollen so viel verdienen wie ihre Kollegen bei der Üstra in Hannover. Vom Warnstreik waren etwa 20?000 Pendler betroffen. Die NP hat sich auf dem Bahnhof Wennigsen mit Betroffenen unterhalten und sich am Vormittag auf dem Betriebshof in Burgdorf bei Busfahrern umgehört.

Hannover/Wennigsen. „Was soll ich denn jetzt nur machen? Mein Bus fährt nicht!“ Es ist fünf Minuten vor sieben Uhr an diesem Dienstagmorgen, Carola Zander muss nach Gehrden zur Arbeit. Sie ist erschrocken über die Verkehrslage und ein bisschen aufgeregt, weil sie sich verspäten könnte.

Noch steht sie am Bahnhof in Wennigsen. Die morgendliche Oktoberkälte nimmt sie gar nicht war, ihr wird heiß, wenn sie daran denkt, dass sie zu spät in das Altersheim kommt, in dem sie arbeitet.

Carola Zander ist Opfer eines Streiks, dessen Auswirkungen gestern morgen viele tausend Menschen, meist Schüler, betroffen hat. Die Fahrer von Regiobus haben für einen Tag ihre Fahrzeuge im Depot gelassen - sie wollen ihrer Forderungen nach mehr Geld Nachdruck verleihen.

Wie viel Macht die Männer hinterm Steuer haben und wie sehr sie in das öffentliche Leben eingreifen können, wird deutlich, wenn man sich klar macht, das normalerweise werktags am Wennigser Bahnhof jede Menge Busverkehr ist. Gestern blieb es weitgehend ruhig - die Welt war flüsterleise. Ungewohnt.

Die Menschen, die hier normalerweise mit Bussen an- und abfahren, mussten auf die tagesaktuelle Streiksituation umschwenken - sie taten das ohne groß zu murren und meist alltagsklug: Luisa Schlabitz (17) aus Springe wurde vom Papa zur Schule nach Wennigsen gefahren, „ich hab meine Freundin Caroline gleich mitgenommen“. Normalerweise wären die beiden Mädels mit dem Regiobus Nummer 382 in die Deistergemeinde gefahren.

Verena Siebert guckte gestern kurz vor sieben Uhr am Wennigser Bahnhof, ob der Bus 522 nach Gehrden fährt. „Wenn er nicht kommt, geh ich wieder nach Hause.“ Die 14-Jährige sagt: „Ich wäre viel, viel lieber in die Schule gegangen.“

Julius Becker (17) aus Degersen hatte gestern Berufsschule. Er kam ahnungslos an jenen Ort, an dem sonst ein Bus wartet. „Ich hab vom Streik gerade an der Säule gelesen und vorher nichts darüber gewusst.“

Kommt ein Bus? Ja, einer kommt. Aber das ist keiner von Regiobus, das ist einer von Dau - der Mietbus eines Privatunternehmens. Am Steuer des 540 sitzt Fahrer Benjamin Fischer. Weil er nicht auf der Lohnliste von Regiobus steht, kann er selbstbewusst sagen: „Unsere Busse fahren alle.“

Fischers Bus ist nicht so voll, wie an anderen Tagen. Woran mag das liegen? „Ich denk mal, dass die Leute vom Streik in der Zeitung gelesen und sich anderweitig organisiert haben.“

So wie Mayleen Größ (19) es getan hat. Normalerweise wäre sie mit dem 540er nach Wennigsen angereist. „Aber jetzt hat mich mein Freund gefahren und deshalb merk ich von Streik der Busfahrer so gut wie nichts.“ Zurück zu Carola Zander. Sie wartet immer noch. Da kommt ein Bus. Frau Zander, zack-zack, ist drin. So schnell hat noch niemand Platz genommen. Bald wird sie am Arbeitsplatz sein.

20000 Pendler betroffen – neue Gespräche

Auf dem Betriebshof der Regio-Bus in Burgdorf flattern die Verdi-Fahnen mächtig im Herbst-Wind. „Streik“ steht auf dem einen, „Wir sind es wert“ auf dem anderen. Betriebsrat Kai Böttcher, selbst Fahrer bei Regio-Bus, sagt, der Streik täte allen Fahrern leid. Doch dass die versprochene stufenweise Gehaltsanhebung vom Arbeitgeber nicht eingehalten worden sei, sei „ein Schlag ins Kontor“ gewesen. „Deswegen mussten wir ein Zeichen setzen“, sagt Böttcher.

Die knapp 50 Busse blieben gestern deshalb in Burgdorf ebenso auf dem Hof stehen wie die übrigen Busse der Kollegen auf den Betriebshöfen in Eldagsen, Mellendorf, Neustadt und Wunstorf. Insgesamt haben sich 450 Regio-Bus-Fahrer an dem 24-Stunden-Warnstreik von Verdi beteiligt, nur die Fahrer der Subunternehmen versahen ihren Dienst. „Das sind etwa 30 Prozent unserer Fahrten“, sagt Sprecher Tolga Otkun.

Dennoch hatte der Warnstreik erhebliche Auswirkungen auf den öffentlichen Busverkehr im Umland: Von Dienstbeginn 3 Uhr an bis Dienstschluss 1.45 Uhr heute Morgen fuhren keine Regio-Busse durchs Umland, das sind etwa 6000 Fahrten (abzüglich der 30 Prozent durch die Subunternehmen). Auch die Schülerbeförderung im Umland war vom Warnstreik betroffen. „Etwa 20?000 unserer täglichen Passagiere mussten andere Verkehrsmittel nutzen“, so Otkun. Heute Vormittag setzen sich Gewerkschaft und Geschäftsführung von Regio-Bus wieder an den Verhandlungstisch und die Busse fahren wieder. „Wir hoffen, dass nach diesem Warnstreik endlich Bewegung auf Arbeitgeberseite kommt“, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Mira Ball. „Sonst streiken wir wieder.“

Paradox: Der Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ hat die Regio-Bus grundsätzlich schon zugestimmt. Allerdings gibt es unterschiedliche Positionen darüber, wie der Weg beschritten werden soll, dass Regio-Bus-Mitarbeiter finanziell mit ihren Üstra-Kollegen bis 2015 gleichgestellt werden. Ein Regio-Bus-Fahrer verdient zwischen 2000 und 2200 Euro brutto im Monat.


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