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EIN BILD AUS FRÜHEREN TAGEN: 
Walter Meinhold sitzt derzeit im Rollstuhl. 
Arm und Bein links sind gelähmt.Foto: Behrens

EIN BILD AUS FRÜHEREN TAGEN:
Walter Meinhold sitzt derzeit im Rollstuhl.
Arm und Bein links sind gelähmt.Foto: Behrens© christian behrens

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Kommunalpolitik

Walter Meinhold kämpft sich zurück

Ein Leben ohne Politik? Ohne sich einzumischen, Stellung zu beziehen, zu diskutieren? Nicht vorstellbar für Walter Meinhold. Fast neun Monate nach seinem schweren Schlaganfall kämpft sich der ehemalige Parteichef der SPD und frühere Landtagsabgeordnete zurück in den Alltag.

HANNOVER. VON VERA KÖNIG

Weggefährten fällt das seit einigen Tagen auf. Egal, ob bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen der Region oder der Diskussion über „Viel Reichtum - wenig Umverteilung“ - irgendwo im Gang sitzt ein Mann im Rollstuhl, und seinen Augen und dem manchmal ungeduldigen Trommeln der Finger rechts merkt man es an: Da will einer mitmischen. Einer, an dessen Wiederkehr auf die politische Bühne viele nicht mehr glaubten.

Im Februar, kurz nach der Rückkehr aus dem Skiurlaub, war Walter Meinhold passiert, was jährlich rund 200 000 Menschen in Deutschland erleiden. Schlaganfall. Gut für ihn, dass sein Umfeld sofort die Symptome bemerkte und er innerhalb kurzer Zeit ins Krankenhaus kam. „So ein Schlaganfall ist ein enormer Einschnitt in das bisherige Leben. Nach einer Notoperation und dem kurzen künstlichen Koma folgten sehr schwere Tage für meine ganze Familie und die engsten Freunde“, sagt der Politiker heute.

Dennoch hatte er nach eigener Einschätzung „Glück gehabt“: Der Heilungsprozess sei zwar sehr langsam verlaufen, aber kontinuierlich und ohne Rückfälle. Bis auf eine sehr unerfreuliche Diagnose in der stationären Reha: Die Ärzte hatten einen hartnäckigen multiresistenten Keim entdeckt und ordneten wochenlange Quarantäne an. Meinhold: „Das hat Besuche, aber auch die Vielfalt der Therapien sehr eingeschränkt.“

Der früher so umtriebige Mann konnte mittlerweile zwar wieder sprechen, musste aber lernen, sich wieder zu bewegen. „Über kompetente Pflege, Therapeuten und Begleiter wurde ich richtig auf Trab gehalten und mobilisiert“, schildert er die Monate der Gesundung. Das sei auch heute noch so - obwohl er seit Juli wieder zu Hause in Groß-Buchholz lebt.

„Ich bin zurzeit vollständig auf einen Rollstuhl angewiesen“, berichtet der 71-Jährige. Der linke Arm und das linke Bein sind gelähmt. Vorerst: „Rechts bin ich fit, und die Kräftigung des Rumpfes nimmt ständig zu.“ Tagsüber habe er viele Helfer, die ihn begleiten. Auch Frau, Tochter und enge Freunde seien jederzeit für ihn da.

Das ist nicht immer einfach bei einem Rekonvaleszenten, der auch Geduld erst lernen musste. Beispiel Lesen. Durch den Gehirnschlag und seine Folgen ist die visuelle Wahrnehmung links eingeschränkt. Meinhold: „Damit wird die Texterfassung schwierig - und das ist besonders ärgerlich, weil ich ja immer viel gelesen habe und dies auch weiterhin dringend möchte.“ Er trainiere mit Zeitungen und Büchern, „damit ich wieder Texte und Bilder ganzseitig erfassen kann“.

Natürlich hat er längst die Koalitionsvereinbarung von Rot-Schwarz für die Region studiert. Das war nicht Pflichtübung, sondern Herzensangelegenheit für den stellvertretenden SPD-Regionsvorsitzenden. „Ich möchte, soweit es geht, wieder in den vertrauten Gruppen der Partei und Gesellschaft mitmachen“, berichtet er denn auch - und setzt trocken hinzu: „Ich war ja schon immer ein Verfechter der Inklusion - vor allem die jetzt gewonnenen Erfahrungen möchte ich in die politische Debatte einbringen.“

Wie weit wird Meinhold wieder mitarbeiten können? Nichts treibt ihn wohl mehr um als die Antwort darauf. Und doch weiß er inzwischen: „Eine Diagnose in dem Sinne gibt es nicht.“

Durch gezielte Therapie, so die Hoffnung, könne er viele Fortschritte machen, um mehr Mobilität zu erreichen: „Mein großes Ziel ist, selbstverständlich wieder laufen zu können, die Hoffnung gebe ich nicht auf.“

Zeit seines Lebens hat der einstige Großhandelskaufmann, der nach dem Besuch der Abendschule studierte und später Rektor einer Hauptschule war, sich auch für eigentlich selbstverständlichen Einsatz immer bedankt. Erst recht macht er es heute bei seiner Frau, der Tochter, den Freunden, den Helfern: „Mit solch einer Krankheit und bei der Pflege ist man auf würdevollen, unterstützenden Umgang angewiesen, und ich weiß dies nun sehr zu schätzen.“

Das größte Dankeschön gilt dieser Kraft, die manche als von Gott gegeben begreifen, andere aber eher Schicksal nennen. Der Kraft, die möglich machte, dass Walter Meinhold nach schwerem Schlaganfall und künstlichem Koma wieder Freude am Leben und hat und sich jeden Tag ein Stück der Normalität von einst zurückerobert.

Das ist ein sehr anstrengender Prozess und einer, der sicherlich sehr lange dauern wird. Darauf angesprochen, schluckt Meinhold einmal kurz: „Ich weiß. Aber ich hätte auch tot sein können.“


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