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Prozess

Wahnsinnstat eines Studenten

Er stach 13 Mal auf seine schwangere Freundin ein. Mamo A. (23) legte am Dienstag ein Geständnis ab. Der junge Mann ist vom Kampf gegen die IS im Irak schwer traumatisiert. In Deutschland hoffte der Student auf einen Neuanfang. Doch die Fronten haben sich in Hannover nur verschoben. Ein forensischer Psychiater spricht von einer „typischen Täter-Opfer-Beziehung“.

hannover.  Gefangenschaft, Krieg, eine fatale Beziehung: All das soll Mamo A. (23) in seine Wahnsinnstat getrieben haben. „Es spricht mehr für eine Affekttat als dagegen“, so der forensische Psychiater Martin Schönigh. Am 7. Februar hat der Syrer 13 Mal auf seine schwangere Frau (23) eingestochen. Weil er seine Tat nicht vollendete, steht er lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Schwangerschaftsabbruch vor dem Schöffengericht. Nach der Tat kümmerte er sich um seine Frau und rief den Notarzt. Ansonsten wäre er wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht gelandet.

Am Dienstag legte der Student ein Geständnis ab. Er sprach sehr leise auf deutsch. Ausführlich erzählte er seine Lebensgeschichte. Wie er in Syrien verhaftet wurde, weil er sich angeblich vor dem Wehrdienst gedrückt hatte. Dabei war er als Student vom Militär zurückgestellt. Nach Haft und Folter schickte ihn der Vater in den kurdischen Irak. Dann kam der IS. „Bis April 2015 habe ich als Soldat gegen den IS gekämpft. Dann konnte ich das Töten nicht mehr ertragen.“

In Deutschland lernte er seine Frau kennen. Sie heirateten. Doch kurz nach der Hochzeit habe es immer wieder Streit gegeben. „Sie war eifersüchtig“, so Mamo A. Sie sprach von Trennung, er zertrümmerte Schrank und Tür. Der Psychiater spricht von einer typischen „Täter-Opfer-Beziehung“. Im November warf sich Mamo A. in Selbstmordabsicht vor ein Auto. Seine Tat hatte er da schon angekündigt: „Ich habe Angst, dass ich die Kontrolle verliere.“ Er behielt recht. Der Angeklagte leide unter einer schweren Belastungsreaktion, so der Psychiater. Er könne eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen, sagt Schönigh. Der Arzt glaubt, dass von A. keine große Gefahr mehr ausgehe. Mit einer Ausnahme: „Er wünscht sich eine Fortsetzung der Beziehung, da sehe ich ein konkretes Risiko.“

Von Thomas Nagel


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