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Meine Stadt WC mit Vortragsraum für knapp 1,3 Millionen Euro
Hannover Meine Stadt WC mit Vortragsraum für knapp 1,3 Millionen Euro
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17:54 13.09.2018
ENTWURF: Im Berggarten will die Stadt eine WC-Anlage mit Vortragsraum neu bauen. Quelle: Hübotter + Stürken + Dimitrova Architektur und Stadtplanung Hannover (HSD-Hannover)
HANNOVER

Geht es nach den Wünschen von Gartendirektor Ronald Clark, so soll das marode Toilettenhaus im Berggarten der Herrenhäuser Gärten durch einen schicken Neubau ersetzt werden. Der würde neben öffentlichen Toilettenanlagen auch einen Vortragsraum für Veranstaltungen vornehmlich rund ums Thema Garten beinhalten –und knapp 1,3 Millionen Euro kosten. Diese Summe ist einigen Ratspolitikern jedoch zu hoch. Vor allem die CDU hat Nachfragen zu diesem Bauprojekt – und zog die Verwaltungsvorlage im OB-Ausschuss in ihre Fraktion. Ein Kritikpunkt ist die Art des Gebäudebaus: „Wir haben es nicht mit einer Fassade der Elbphilharmonie zu tun, die noch nie gebaut wurde. Warum das ganze Projekt so teuer sein muss, erschließt sich uns nicht“, so CDU-Ratsherr Jens-Michael Emmelmann.

Das Bauprojekt ist aus Sicht der Stadtverwaltung notwendig. „Die WC-Anlage im Eingangsbereich des Berggartens stammt aus den 1950er Jahren und erfüllt nicht mehr die heutigen Standards. Auch das anschließende Garagengebäude ist abgängig“, schreibt die Stadt in ihrer Beschlussvorlage. Deshalb soll an gleicher Stelle ein Neubau aus WC-Anlagen und Vortragsraum für etwa 70 Zuhörer entstehen. Für eben jene 1,3 Millionen Euro. „Bei dem Preis haben wir geschluckt“, sagte Gartendirektor Ronald Clark im Ausschuss. Man habe aber mehrfach nachgerechnet und festgestellt, dass die Baupreise inzwischen „30 bis 40 Prozent teurer sind als noch vor zwei, drei Jahren“. Und: „Wir müssen ein teures Kassettendach bauen, weil die Gebäudehöhe begrenzt ist“, führte Ronald Clark weiter aus. Wegen des Denkmalschutzes dürfte das Gebäude die Gartenmauer nicht überragen und deshalb sei eine günstigere Betondecke nicht tragfähig. Auch die Elektrik sei sehr kostspielig, zudem habe man einen großzügigen finanziellen Sicherheitspuffer eingeplant.

Die Stadt plant einen kubischen Bau mit Sandsteinsockel und Stelen neben dem Eingang. Baubeginn soll 2019 oder 2020 sein. Modern, aber zurückhaltend sei der Stil, so Clark. Den Toiletteneingang will die Stadt versetzt, damit Besucher das Gartengelände nicht mehr verlassen müssen, um das WC aufzusuchen. An den WC-Bereich schließt sich ein 80 Quadratmeter großer Multifunktionsraum an. Der kostet laut den Berechnungen etwa 600000 Euro und wird zur Hälfte von den Freunden der Herrenhäuser Gärten finanziert. „Uns fehlt so ein Vortragsraum dieser Größe“, so der Gartendirektor. Der Raum sei geeignet für Treffen von Pflanzenfreunden, etwa von Orchideen- und Kakteenliebhabern. Die Freunde der Herrenhäuser Gärten beanspruchen den Raum ebenfalls, aber in erster Linie als Unterrichtszimmer für die „Grüne Schule“, die auf Initiative der Freunde der Herrenhäuser Gärten geschaffen wurde, und in der Kinder die botanischen Sammlungen in den Gärten kennen lernen.

Gut 60000 Euro für den Vortragsraum, weitere gut 600000 Euro für die Toiletten – das ist der CDU entschieden zu viel Geld. „Die Baukosten sind abartig hoch“, so CDU-Wirtschaftsexperte Jens-Michael Emmelmann wörtlich. Was er in diesem Zusammenhang kritisierte: „600000 Euro sind ein Schlag für alle Schüler in der Stadt, die zehn Jahre auf eine neue Anlage in ihren Schulen warten müssen.“ Auch die Linke monierte den teuren Toilettenbau: „Wir sollten über Kostentreiber wie Dachbegrünung und Dreifachverglasung nachdenken“, so Linken-Fraktionschef Dirk Machentanz. Gartendirektor Clark hielt dem entgegen, dass sich die Stadt an die vom Rat beschlossenen Baustandards halte.

SPD und Grüne hingegen freuten sich dafür über die geplante bauliche Veränderung, für sie ist der Neubau ein Gewinn, der mithelfe, den ohnehin schon „sehr attraktiven Garten in den Köpfen der Leute zu verankern“, wie es SPD-Fraktionschefin Christine Kastning formulierte. Er habe zuerst gedacht, „der Ronald Clark wolle sich goldene Klos hinbauen“, so FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Gegen die aufgerufenen Baupreise könne man aktuell aber nichts machen. Für die CDU steht trotzdem fest: „Diese Vorlage ist zu oberflächlich ausgeführt“, so Jens-Michael Emmelmann.

Von Andreas Voigt

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