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Fährt jetzt nach 27 Jahren im Einzelhandel einen Silberpfeil: Regina Vogel.© dpa

Neuanfang

Von Schlecker zur Üstra: Frau Vogel im Glück

Nach 27 Jahren Einzelhandel und 17 Jahren Schlecker sitzt Regina Vogel nun am Steuer der Stadtbahn in Hannover. Die Schlecker-Pleite veränderte ihr Leben, sie wagte einen Neuanfang. 1100 ehemalige Schlecker-Frauen suchen noch immer einen neuen Job. 

Hannover. Früher sprach sie den ganzen Tag während der Arbeit, heute ist sie allein "auf Strecke". Als Schlecker-Frau lief sie den ganzen Tag durch den Laden, in der Stadtbahn sitzt sie die ganze Schicht. Für Regina Vogel hat sich seit der Schlecker-Pleite vieles verändert. "Machst du mal einen Cut im Leben", hatte sie sich gedacht. Nun hat sie es geschafft: Nach zehn Wochen Fahrschule und bestandener Abschlussprüfung sammelt die 44-Jährige seit mehr als einem Monat Erfahrungen als Stadtbahn-Fahrerin in Hannover.

Nach 17 Jahren ist Schlecker Vergangenheit. "Ich habe mich auf ganz exotische Sachen beworben", erzählt die Hannoveranerin. "Ich wollte irgendwas, was mir Spaß macht." Und als Alleinstehende wollte sie einen Ganztagsjob. So bewarb sie sich bei einem Baustoffunternehmen, wollte in einem Sanitärhaus arbeiten oder Staubsauger verkaufen. "Es war tierisch ungewohnt, Bewerbungen zustande zu bringen und zu formulieren", erinnert sie sich. "Und immer kamen Absagen."

Dann ist sie auf die Stellenanzeige der Üstra aufmerksam geworden: Beim Schnuppertag bei den Hannoverschen Verkehrsbetrieben konnte Vogel das erste Mal am Steuer der Bahn sitzen und auf dem Betriebshof um den Block fahren. "Mit Bremsen und Blinken und so, das fand ich super spannend." Sie setzte sich an die Bewerbung. Eine Woche später kam die Einladung zum ersten Gespräch. In der Ausbildung habe sie Dinge gelernt, an die sie früher nie gedacht hatte.

27 Jahre arbeitete Vogel im Einzelhandel. Signale und Weichen, Zugsicherung und Sichtbereich, Fahrzeugtechnik und Ampelschaltung - das sei für sie immer nur Fachchinesisch gewesen. "Jetzt verstehe ich die Zusammenhänge", sagt Vogel. "Und irgendwann war die Ausbildung vorbei und ich durfte alleine auf Strecke." Als Stadtbahn-Fahrerin müsse sie immer mit unerwarteten Situationen rechnen. "Ich hatte auch schon Fahrgäste im Wagen, die nicht so angenehm waren." Mal werde eine Tür blockiert, ein anderes Mal die Bahn auf der Strecke ausgebremst. "Manchmal hat man eben keinen Einfluss darauf, dass man mit Verspätung fährt." Doch genau weil jeder Tag anders sei, bleibe die Arbeit auch spannend. "Und zum Glück habe ich nette Kollegen, die ich jederzeit fragen kann."

Auch wenn sich Vogel noch an die Umstellung gewöhnen müsse, fühle sie sich wohl in ihrem neuen Job. Eine andere ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin sei gerade noch dabei, die Fahrschule zu absolvieren, erzählt Vogel. Zwei weitere würden ebenfalls bei der Üstra anfangen. Mehr als 2300 Angestellte verloren durch die Schlecker-Pleite alleine in Niedersachsen und Bremen ihre Arbeit. Noch immer suchen 1100 von ihnen einen neuen Job, bilden sich weiter oder versuchen, über Praktika und Probearbeiten eine neue Stelle zu bekommen. Nach Angaben der zuständigen Arbeitsagentur gehen 928 frühere Schlecker-Frauen mittlerweile einer neuen Tätigkeit nach. Zehn weitere haben sich selbstständig gemacht.

Lena Klimkeit, dpa


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