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Meine Stadt "Vergewaltiger" jahrelang unschuldig im Knast?
Hannover Meine Stadt "Vergewaltiger" jahrelang unschuldig im Knast?
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17:38 06.09.2010
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Lüneburg. Im wiederaufgerollten Prozess um die angebliche Vergewaltigung einer 15-Jährigen durch ihren Vater und einen Freund der Familie zeichnet sich nach jahrelanger Haft ein Freispruch für die beiden Angeklagten ab. In den Plädoyers am Montag forderten Staatsanwaltschaft und Verteidigung geschlossen die Aufhebung des Urteils und entsprechende Entschädigungen für die 45- und 61-jährigen Männer.

Die Männer aus der Nähe von Hannover könnten somit jahrelang unschuldig in Haft gesessen haben. Die Männer waren im Mai 2004 vom Landgericht Hannover zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die junge Frau hatte die beiden beschuldigt, sie 2001 mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Nachdem erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers aufgetaucht waren, wurde das Verfahren Anfang August wieder aufgenommen.

„Wenn es so wäre, ist es ein kaum zu entschuldigender Fall von Unrecht, dass Sie so lange Jahre in Haft gesessen haben“, sagte Staatsanwalt Frank Padberg zu den Angeklagten. Wegen des Grundsatzes „Im Zweifel für den Angeklagten“ beantragte er die Aufhebung der Urteile und einen Freispruch im neuen Verfahren. Wie die Verteidiger forderte er eine Entschädigung für die erlittene Haft.

Die Nebenklagevertreterin Martina Zerling-Andersen sprach von einem „ungewöhnlichen Gerichtsprozess mit tragischen Umständen“. Sie beklagte den Wechsel von Täter- und Opferrolle. Ihre Mandantin habe kein Motiv gehabt, zu lügen.

Jennifer W. war als Nebenklägerin vor Gericht nicht erschienen. Sie berief sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, auch weil ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen sie laufe. Das machte es dem Gericht bei dem aktuellen Verfahren besonders schwer, sich ein Bild von ihrer Glaubwürdigkeit zu machen.

Bereits wenige Monate nach dem Prozess in Hannover waren erstmals erhebliche Zweifel aufgekommen. Jennifer, heute 25 Jahre alt, präsentierte im September 2004 eine neue Aussage, die am Montag verlesen wurde. Darin berichtete sie, bereits seit ihrem achten Lebensjahr das Opfer eines Mädchenhändlerrings gewesen, über Jahre vergewaltigt und dabei auch gefilmt worden zu sein. Auch habe sie mitansehen müssen, wie ein Baby geboren und anschließend getötet wurde.

„Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die Aussage vom 15. September 2004 jahrelang gesetzeswidrig verschwiegen“, hatte der Hamburger Verteidiger Johann Schwenn bereits zu Prozessbeginn Anfang August erklärt. Er setzte während des Verfahrens seine schwere Kritik an der Arbeit der Staatsanwaltschaft in Hannover fort und sprach von „Rechtsbeugung“.

Schwenn hatte im vergangenen Jahr die Freilassung von Ralf W. erreicht. Jennifers Vater Karl-Heinz W. hat seine Strafe mittlerweile verbüßt. Auch für ihn hatte Schwenn die Wiederaufnahme des Verfahrens ermöglicht. Karl-Heinz W. war 2004 wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen vom Landgericht Hannover zu fünf Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof reduzierte die Strafe später geringfügig.

Schwenn verwies in seinem Plädoyer auf schwere Fehler in den Gutachten des ersten Prozesses. Jennifer sei durch die „suggestive Befragung“ in einer Einrichtung für Opfer sexueller Gewalt mit ihren Aussagen immer weiter nach vorne gedrängt worden. Ihr sei damals alles geglaubt worden, obwohl sie bereits an einer psychischen Störung, dem sogenannten Borderline-Syndrom, gelitten habe oder auf dem Weg dorthin gewesen sei. Jetzt wolle sie die „Lebenslüge von der Opferrolle“ aufrechterhalten, sagte Schwenn. Die Angeklagten müssten vollständig von jedem Verdacht befreit werden, forderte er. Am Mittwoch soll das Urteil gesprochen werden. dpa

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