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Meine Stadt Verfahren gegen Üstra-Unfallfahrer eingestellt
Hannover Meine Stadt Verfahren gegen Üstra-Unfallfahrer eingestellt
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00:22 15.03.2018
Unfallstelle: Rettungskräfte bergen auf der Podbi den schwerverletzten Audi-Fahrer. Foto: Elsner Quelle: Kutter
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HANNOVER

 Das im Sommer schwer verletzte Unfallopfer (74) kann sich bis heute an nichts erinnern. Seine Beifahrerin (63) hat „jede Nacht Alpträume“. Der 44-Jährige, der den Audi der Eheleute mit einem mehr als 40 Tonnen schweren Üstra-Silberpfeil rammte, steht seit dem Unfall unter Schock. Peter B. ist krankgeschrieben und wird psychologisch behandelt.

Montag musste sich der gelernte Kaufmann und ehemalige Üstra-Stadtbahnfahrer im Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte den Isernhagener wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. B. habe seine Stadtbahn der Linie 3 im Juni 2017 in Groß-Buchholz zu spät gebremst.

Doch im Verhandlungssaal 2288 musste Richterin Alena Fischer letztlich nicht über Schuld oder Unschuld befinden. Sie stellte das Verfahren gegen Auflagen ein. Peter B., dem sein damaliger Arbeitgeber Stunden nach dem Unfall den Stadtbahnführerschein entzog, muss 600 Euro in Raten an einen gemeinnützigen Verein zahlen. Und an einem sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen.

B. war am 1. Juni mit seinem TW 2000 Richtung Altwarmbüchen unterwegs. Im Kreuzungsbereich Pasteurallee/Im Heidkampe/Podbielskistraße stand der helle A 6 verkehrsbedingt auf den Gleisen. Fahrer war ein pensionierter Rewe-Verkaufsleiter. Seine Beifahrerin sagte vor Gericht: „Wir sind bei Grün gefahren, mussten auf den Schienen stehenbleiben – dann hat es auf einmal geklingelt und geknallt.“

Der Angeklagte („Es war immer mal der Traum, Lokführer zu werden“) erinnerte sich so: „Ich hatte den Eindruck, man hatte mich gesehen und wollte den Kreuzungsbereich freimachen.“

Sekunden später rammte die Stadtbahn den Audi im Bereich der Fahrertür. Der Autofahrer erlitt unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. Der Stadtbahnfahrer einen Schock: „Ich habe noch heute die Bilder vor Augen, als ich mit der Stadtbahn in dem Auto stand und das Blut auf dem Hemd des Fahrers sah.“

Im Gericht entschuldigte sich der nicht vorbestrafte 44-Jährige, der seinen Job wegen des Unfalls verlor, mehrfach bei dem Ehepaar. Er betonte: „Ich würde diesen Tag mehr als gerne ungeschehen machen.“

Die Staatsanwältin fragte den Angeklagten, der seine Üstra-Fahrlizenz erst Mitte Januar 2017 erworben hatte: „Würden Sie wieder Stadtbahn fahren?“ Antwort: „Nein! Nein-Nein!“

Von Andreas Körlin

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