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Meine Stadt Verbrechensopfer sorgt sich um seinen Hund
Hannover Meine Stadt Verbrechensopfer sorgt sich um seinen Hund
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00:19 26.10.2018
Ein fröhlicher Hund: Jay-Jay wurde entführt, aber kurze Zeit wieder aufgefunden. Foto: Quelle: privat
Lehrte/Hildesheim

Die Liebe zu seinem Hund kann einen Mann zum Äußersten treiben. So lief Till Müller (36, Name geändert) mit klaffender Bauchwunde in Aligse (Lehrte) hinter David L. (37) her. „Es ging für mich nur um meinen Hund. Jay-Jay ist für mich wie ein Kind“, sagte das Verbrechensopfer am Dienstag im Landgericht Hildesheim. Sekunden später brach er zusammen und überlebte das Verbrechen nur, weil eine Nachbarin (MHH-Krankenschwester) Erste Hilfe leistete.

Hund ausgesetzt

Die zwei Jahre alte Pocket-Bully-Hündin war kurz zuvor von der Ex-Freundin (40) entführt worden. Jay-Jay wurde später in Autobahnähe bei Langenhagen, angeleint an einen Baum, von einem Hundebesitzer gefunden.

Die Hintergründe des versuchten Mordes am 21. April 2018 werden wahrscheinlich nie aufgedeckt werden. Die Ex, eine Domina aus Hamburg, fuhr mit ihrem Verlobten David L. und einem unbekannten Mittäter nach Aligse. Sie wollte angeblich Geld, Kleidung und Schmuck von Till Müller. Doch er beteuerte glaubhaft, dass er nichts mehr von seiner Ex-Geliebten besaß. Kaum war sie mit Jay-Jay draußen, stürmten auch schon die beiden Männer rein. David L. mit einer Machete in der Hand. „Ich wollte schon die Hände heben, da spürte ich die Machte im Bauch“, sagt Till Müller.

Die beiden Täter flohen, der Unbekannte war maskiert, David L. nicht. Vom Typ her ähnelt er stark dem Schauspieler Jürgen Vogel, nur mit schlechteren Zähnen. Seine rechte Gesichtshälfte ist mit einem Spinnennetz tätowiert. „Ich dachte, da steht ein Zombie vor mir“, drückte es das Opfer aus. Das Tattoo unterhalb des Mundes erinnerte Till Müller an Vampirzähne.

Widersprüchliche Aussage

Und die Aussage des Angeklagten hat mehr Widersprüche als der David L. Tattoos. Eigentlich wollte er nur mit dem Opfer reden. „Warum hatten Sie dann eine Machete dabei?“, fragt Richterin Karin Brönstrup. Er habe gewusst, dass Till Müller Waffen zu Hause habe. Das Kokain habe er vor zur „Beruhigung“ eingeworfen. Bei anderen Gelegenheiten sagte David L., dass er die Droge aus „Angst“ genommen habe. Und dann die dickste Lüge: Er sei alleine in die Wohnung eingedrungen. Es gibt vier Zeugen, die seinen maskierten Mittäter gesehen haben. „Sie haben gemerkt, dass wir ihnen nicht glauben“, meinte die Richterin.

Gegen die mittlerweile arbeitslose Domina und einen weiteren Mann ist Anklage erhoben worden: Raub und Bedrohung lauten die Vorwürfe. Denn Till Müller wurden auch etwa 1000 Euro und ein Handy gestohlen. Die Prostituierte verweigerte am Dienstag im Saal 149 die Aussage. Mit ihrem dunklen Haar und ihren herben Gesichtszügen hätte sie gute Chancen in jedem Märchenfilm mitzuspielen – als Hexe.

Von Thomas Nagel

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