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FLUGVERBOT: Auch den Flamingos im Zoo Hannover werden die Flügel beschnitten.

FLUGVERBOT: Auch den Flamingos im Zoo Hannover werden die Flügel beschnitten.
© Frank Wilde

Tierschutz

Verband der Zoobetreiber weist Vorwürfe von Peta zurück

Verstoßen Zoos gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie bestimmten Vogelarten die Flügel stutzen? Der Verband der Zoologischen Gärten bestreitet das, fordert aber Rechtssicherheit durch entsprechende Ausnahmeregelungen. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte Strafanzeigen gegen 20 Tierparks erstattet.

HANNOVER. Die Strafanzeigen der Tierrechtsorganisation Peta gegen 20 Zoos und Tierparks, darunter auch der Zoo Hannover, wegen des Beschneidens der Federn von Vögeln wie Flamingos und Pelikanen hat offenbar einen wunden Punkt berührt. Obwohl der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) den Vorwürfen widerspricht, fordert er doch Rechtssicherheit. In einem Positionspapier empfiehlt er, im Tierschutzgesetz eine entsprechende Ausnahmeregelung für Zoos, die gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz zugelassen sind, festzulegen, um „die Einschränkung des Fliegens bestimmter Vogelarten ausdrücklich zu erlauben“.

Peta beruft sich in ihren Strafanzeigen insbesondere auf den Paragrafen 6 des Tierschutzgesetzes. Danach ist „das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres“ verboten. Das Beschneiden von Vogelflügeln in zoologischen Einrichtungen verstoße entsprechend gegen das Tierschutzgesetz, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion die Linke.

Der Zoo Hannover bestätigte gegenüber der NP: „Grundsätzlich werden im Zoo Hannover seit vielen Jahren nur einigen wenigen Vogelarten, zum Beispiel Pelikan, Flamingo, Kronenkranich, einmal jährlich im Rahmen der tierärztlichen Kontrolluntersuchung die Federn geschnitten.“

Laut Rechtsauffassung des VdZ aber fällt das Beschneiden der Schwungfedern nicht unter das Amputationsverbot. Hier käme der Paragraf 2 des Gesetzes in Betracht. Darin wird geregelt, dass die Einschränkung von artgemäßen Bewegungsmöglichkeiten den Tieren weder Schmerzen, Leiden bereiten noch Schäden verursachen dürfe. Was im Umkehrschluss jedoch solche Einschränkungen auch zulässt. Das Federnschneiden verursacht nach Auffassung des Verbandes weder Schmerz noch Leid. Er vergleicht es mit dem Scheren von Fell oder dem Beschneiden von Hufen. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz hatte bereits 2016 in einer Stellungnahmen ein temporäres Flugunfähigmachen durch Beschneiden der Schwungfedern bei einigen wenigen Arten für tierschutzfachlich vertretbar eingestuft. „Dieser Auffassung schließen sich die Amtstierärzte der Landeshaupstadt Hannover an“, so Stadtsprecher Udo Möller. „Da wir bisher zudem keine erheblichen Leiden oder Einschränkungen der anderen biologischen Funktionskreise bei diesen Vögeln feststellen konnten, sind weitere Maßnahmen aus unserer Sicht vorerst nicht zu veranlassen.“ Die städtische Veterinärbehörde hat die tierschutzrechtliche Aufsicht über den Zoo.

Würde die Flugeinschränkung von Vögeln aber generell verboten, sieht der VdZ gravierende Probleme auf die Zoos zukommen – und auf die Aufgabe des Artenschutzes. Denn rund 65 der Vogelarten, die davon betroffen wären, gelten als vom Aussterben bedroht oder zumindest gefährdet. 23 Zuchtbücher oder Erhaltungszuchtprogramme würden durch ein solches Verbot beeinträchtigt. Denn die wahrscheinlichste Konsequenz für die Zoos wäre dann, die Haltung dieser Arten einzustellen.

Während Peta den Tierparks vorwirft, den Bau von überdachten Volieren wegen der Kosten abzulehnen und mit der „trügerischen Idylle“ einer „malerisch wirkenden Teichanlage“ den Besuchern ein Vogelparadies vorzugaukeln, gibt es offenbar eine Reihe anderer Gründe, etwa bei Pelikanen und Flamingos auf Volieren zu verzichten.

„Bei der größten Gruppe der derzeit in Zoos flugeingeschränkt gehaltenen Vogelarten spielt Fliegen eine untergeordnete Rolle, da sie in Zoos keinem Feinddruck ausgesetzt sind und zum Nahrungserwerb und zur Fortpflanzung nicht fliegen müssen“, heißt es im Positionspapier des Verbandes. Während diese Tiere auf großen Teichanlagen, auch ohne fliegen zu können, problemlos gehalten werden können, würden selbst große Fluganlagen letztlich das Platzangebot reduzieren. Ganz abgesehen von der Verletzungsgefahr.

Viele der Vögel, denen in Zoos die Flügel gestutzt werden, würden von Natur aus wenig fliegen, mehr stelzen und waten. Eine Bewegungseinschränkung, die Teil jeder Form von Tierhaltung sei, bedeute nicht grundsätzlich ein Leiden für die Tiere. Für Peta hingegen sieht das anders aus: „Den Wasservögeln wird auf grausame Art und Weise ihre natürliche Fortbewegung verwehrt, nur um sie den Besuchern in Freianlagen nett zu präsentieren“, so Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta. Die Organisation lehnt allerdings generell die Haltung von Tieren in Zoos ab.

Entsprechend gelassen bleiben auch die Zoobetreiber. „Peta ist immer schnell mit Anzeigen und Aktionen, aber die Niederlagen vor Gericht in der Vergangenheit – auch in zahlreichen Verfahren, die Zoos betreffen – haben gezeigt, dass es sich dabei oft genug um unbegründeten Aktionismus handelt“, sagt VdZ-Geschäftsführer Volker Homes. Noch lagen allerdings weder dem VdZ noch den Zoos selbst tatsächlich Anzeigen vor. Und auch bei der Staatsanwaltschaft Hannover war am Donnerstag noch Fehlanzeige.

Auch hinsichtlich der Peta-Kampagne gegen die Elefantenhaltung im Zoo Hannover gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte das Verfahren eingestellt, dagegen hatte Peta Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Celle eingelegt. „Wir haben gerade erst das Filmmaterial bekommen, das muss nun ausgewertet werden“, so der Behördensprecher, Oberstaatsanwalt Bernd Kolkmeier. „Das wird noch einige Zeit dauern.“

Von Andreas Krasselt


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