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GERICHT

Urteil: 21-Jähriger schlug Polizisten in Misburg krankenhausreif

Es war sicher kein leichter Prozess für Richter Reinhard Meffert. „Vieles in dieser Verhandlung wurde unterschiedlich empfunden“, sagte er in seinem Abschlussplädoyer. Am Ende stand das Urteil: anderthalb Jahre Jugendhaft, ausgelegt auf einen Bewährungszeitraum von drei Jahren. Er kam dabei dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach. Eindringlich redete der Richter nun auf Dennis G. (21, Name geändert) ein: „Ein Rechtsstaat verträgt keine Selbstjustiz.“

Hannover. DennisG. lebte nach mehreren nachgewiesenen Straftaten bei seiner Schwester in Misburg. Schwere Körperverletzung, Diebstähle, räuberische Erpressung – Konsequenz: sechs Monate Jugendhaft auf Bewährung.

Bei einer geplanten Hausdurchsuchung wegen des Verdachts des erneuten Handy-Diebstahls eskalierte die Situation. Dennis G. widersetzte sich der Verhaftung und schlug zu. Opfer: ein 57-jähriger Polizeibeamter – Kieferbruch, Schädel- und Thoraxprellungen. Dazu drei gelockerte Zähne, die mittlerweile entfernt und ersetzt werden mussten. „Seien Sie froh, dass dieser körperliche Schaden behoben werden konnte“, sagte der Richter zum Angeklagten. Doch wie kam es zu dem Ausraster?

Am 9. Oktober 2015 suchten drei Polizisten das Haus der Schwester von Dennis G. auf. Nachdem G. über den gegen ihn vorliegenden Verdacht aufgeklärt worden war, kam es zu einem Streit zwischen den Geschwistern. Der den Einsatz führende Polizist sah sich gezwungen, „einen Haftbefehl auszusprechen“, wie er als Zeuge aussagte: „Die Stimmung war zu aggressiv.“ Der junge Mann, der sich während der Ausführung nach eigener Aussage „aus dem Würgegriff“ des 57-Jährigen befreien wollte, schlug zu und trat zu.

In dieser Hinsicht war der 21- jährige Angeklagte geständig: „Ich war in Panik.“ Seine Schwester schilderte die Situation ähnlich. So sei ihr Bruder viel zu hart von dem Polizisten angegangen worden. „Ich habe ihm mehrmals zugerufen, dass er aufhören soll“, sagte sie im Gerichtssaal lebhaft.

Ab dieser Stelle unterschieden sich die Aussagen. Von der einen Seite heißt es, G. sei zu Boden gedrückt worden, die andere Seite will sich nicht daran erinnern können. Ob der Angeklagte schlussendlich wirklich am Boden gelegen hatte, war Richter Meffert nicht so wichtig. Mit dem Schlag habe Royner G. „alle Regeln des gesellschaftlichen Lebens ge-sprengt“. Meffert urteilte hart. Die Bewährung sei für den Angeklagten „eine letzte Chance“. Teil der Bewährungsauflage: eine Ausbildung anzufangen. „Sie sind langsam in dem Alter, Ihr Leben selbst zu organisieren“, ermahnte Meffert Dennis G.

Fabian Wenck


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