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Meine Stadt Unwetter im Juni so schlimm wie alle 100 Jahre
Hannover Meine Stadt Unwetter im Juni so schlimm wie alle 100 Jahre
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00:18 08.09.2017
LAND UNTER: Das Ihmeufer gehörte zu den Bereichen in Hannover, die überflutet wurden. Quelle: Behrens
Hannover

Es war nicht die Menge, die über den Tag verteilt Probleme machte. Es war die Wasserwucht, die konzentriert binnen weniger Minuten auf die Stadt herabprasselte und das Kanalisationsnetz am 22. und 23. Juni dieses Jahres an seine Grenzen brachte. Allein 600 Einsätze hatte die Feuerwehr in Hannover. Meteorologen be­richteten, dass deutlich mehr als 50 Liter pro Quadratmeter Regen heruntergekommen seien. „So viel auf einmal wie sonst nur einmal in mehr als 100 Jahren“, berichtete Hochwasserexperte Martin Speelmann gestern der Politik im Ausschuss für Stadtentwässerung.

Diese selbst habe an diesen Tagen 110 Einsätze gehabt. Der heftige Regen habe das Kanalnetz an sein „technisches Limit“ gebracht. So viel wie bei diesem Gewitter im Juni habe dieses „einfach nicht schlucken“ können, sagte Speelmann.

Um die Folgen solcher Ex­tremwetterlagen in Grenzen zu halten, versuche die Stadt, in Neubaugebieten Notwasserwege einzurichten. Außerdem sollten Grünflächen so gestaltet werden, dass dort mehr Wasser versickern kann. Allerdings müssten die Bürger „selbst etwas tun“, forderte Speelmann.

Geradezu harmlos im Vergleich zum Starkregen im Juni blieb das Hochwasser Ende Juli und Anfang August, das vor allem zwischen Harz und Hildesheim für starke Überschwemmungen sorgte (siehe Text rechts). Zwar wurde auch in Hannover die Meldestufe drei am Pegel Herrenhausen um rund einen Meter überschritten, die unmittelbaren Folgen hielten sich dann allerdings in Grenzen.

Nach Einschätzung der Stadtentwässerung muss Hannover mit so einem Hochwasser im Schnitt alle zehn Jahre rechnen. Dieses sei auch eine gute Gelegenheit gewesen, sich auf seltenere Ereignisse wie eine Jahrhundertflut vorzubereiten, sagte Experte Speelmann.

Die Gegenmaßnahmen von Stadtentwässerung und Feuerwehr hätten „gut gegriffen. Wir haben das gut gemeistert.“ Die Stadtentwässerung verzeichnete 100 Einsätze, die Feuerwehr musste 50-mal ausrücken.

Die Auswertung läuft noch. Allerdings sollen auch auf Basis der Erfahrungen die Notfallpläne für Hochwasser weiter überarbeitet werden. Probleme habe es etwa im Bereich des Kneippwegs in Ricklingen gegeben, wo der Schutzdeich verläuft. Dort sei Wasser aus einem Kanal ausgetreten. „Wir wissen nicht, woher es kam“, sagte Speelmann. Er vermutet aber, dass das mit dem Grundwasser zu tun gehabt habe.

Von C. Bohnenkamp

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