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Meine Stadt Unterricht: Millionen für die richtigen Worte
Hannover Meine Stadt Unterricht: Millionen für die richtigen Worte
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00:19 06.12.2015
Quelle: Arno Burgi
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Hannover

17 100 Schüler „ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen“ sind seit März neu an niedersächsischen Schulen aufgenommen worden, die meisten davon sind Flüchtlinge. „Es ist anzunehmen, dass die Zahl in den nächsten Monaten nochmals deutlich steigen wird“, sagt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Das Ministerium geht derzeit von 20 000 weiteren Flüchtlingskindern für 2016 aus. Dann würden immer mehr Familien aus den Not- und Erstaufnahmelagern in die Städte und Kommunen verteilt werden und für die Kinder auch die Schulpflicht gelten.

Die aktuelle Situation schätzt Heiligenstadt so ein: „Jedes Kind bekommt die Sprachförderung, die es braucht.“ Von den 17 100 Flüchtlingskindern würden derzeit 4600 in eine der 360 Sprachlernklassen gehen. Meist könnten sie dann von dort nach einigen Monaten in normale Klassen wechseln. Außerdem gibt es in Niedersachsen ein Paket von 20 weiteren Angeboten zur Sprachförderung.

Die meisten der Kinder, 7800, sind Grundschüler. In den Klassen fünf bis zehn sind 6300 Kinder, 2100 gehen auf eine Berufsschule. Derzeit bereiten sich 111 auf einer Oberstufe aufs Abitur vor. Zum Vergleich: Die Schulen in Niedersachsen werden von rund 850 000 Kindern und Jugendlichen besucht.

Im kommenden Jahr will das Land 85,5 Millionen Euro zusätzlich für die Sprachförderung ausgeben, kündigte Heiligenstadt an. So sind 190 zusätzliche Sprachlernklassen geplant. 400 zusätzliche Lehrer sollen eingestellt werden, auch 267 Sozialarbeiter. An Berufsschulen sind außerdem 100 neue Stellen geplant. Kindergärten bekommen zwölf Millionen Euro für Sprachförderung - eine Verdoppelung. Außerdem gibt es noch Zeitverträge für Referendare, Seiteneinsteiger und auch Pensionäre.

Allerdings gibt es auch Kritik. Die Gewerkschaft GEW und der Philologenverband halten die Verfahren für zu bürokratisch. Geld oder Stellen seien derzeit nicht das Problem bei der Sprachförderung, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth: „Es gibt ganz viele Schwierigkeiten, diese Dinge zu beantragen - und wir wissen noch nicht mal genau, warum.“

Horst Audritz, der Vorsitzende des Philologenverbandes, bedauerte, dass Pensionäre, die das Land ja selber angeschrieben habe, einen elfseitigen Antrag ausfüllen müssten: „So, als hätten sie nie beim Land gearbeitet.“

Heiligenstadt setzt auch auf Technik: In einer Versuchsphase sollen in sechs Städten, auch Hannover, 200 Tablet-Computer eingesetzt werden, mit denen Kinder selbstständig lernen können.

Auch in den Not- und Erstaufnahmelagern, in denen noch keine Schulpflicht gilt, ist ein Projekt geplant. Mit Videotechnik sollen Schulstunden in die Einrichtungen übertragen werden. Ein ähnliches System wird auch für Schulen auf den Ostfriesischen Inseln genutzt.

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