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Meine Stadt Unter Drogen Schüler gefahren
Hannover Meine Stadt Unter Drogen Schüler gefahren
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17:13 21.02.2018
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger im Gericht. Quelle: Nagel
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hildesheim

Carsten M. (46) schiebt seinen zahnlosen Unterkiefer vor wie ein Greis. Sein Herz hat nur noch eine Pumpleistung von 20 Prozent. Seit 20 Jahren ist der Mann, der aussieht wie Joe Cockers älterer Bruder, abhängig von Amphetaminen (Speed). Bereits 2015 hatten ihm Ärzte verboten, weiterhin Personen zu befördern – wegen seines schlechten Gesundheitszustandes.

Das Verbot kümmerte den Angeklagten nicht. Am 9. März 2016 verunglückte der Fahrer eines Schülertransports unter Drogeneinfluss auf einer Landstraße zwischen Emmerke und Gießen (Kreis Hildesheim). Sieben Schüler wurden schwer verletzt. Am Dienstag wurde Carsten M. im Hildesheimer Amtsgericht wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

„Das ist zu milde“, sagt der Vater eines verunglückten Kindes. Der Unfall auf der K 509 war hollywoodreif. Carsten M. kam rechts von der Straße ab und fuhr mit mehr als 100 Stundenkilometern gegen einen Baum. Der Opel Vivaro kippte um, streifte mit dem Dach einen anderen Baum. Der Wagen landete auf der Gegenspur wieder auf den Rädern.

Ein Junge (11) trug irreparable Hirnschäden von dem Crash davon. Er kann nicht mehr gehen, sprechen und sehen. Ein anderes Kind erlitt multiple Knochenbrüche. „Ich möchte mich bei den Eltern entschuldigen“, sagte der Angeklagte. Er gab nach dem Unfall seinen Führerschein ab. Das hinderte ihn nicht daran, weiter zu fahren. Am 9. Mai wurde er in Hildesheim am Steuer erwischt. Als Ursache für den Unfall gab er an, dass ihn ein Kind von hinten angetippt habe, weil andere Schüler mit den Fenstern spielten. „Da habe ich mich rumgedreht.“

Die Gerichtsmedizinerin (28) sah das ein bisschen anders: „Der Amphetamin-Wert im Blut liegt im toxischen bis komatösen Bereich.“ Lasse die Wirkung der Droge nach. komme es zu einem „dramatischen Leistungsabfall“. Das allmähliche Abdriften des Fahrzeugs spreche für einen Sekundenschlaf. Ein solcher „amphetaminbedingter Erschöpfungszustand“ sei sehr plausibel. Carsten M. war nach einer zwölfstündigen Nachtschicht für einen Fahrer eingesprungen. Nach fast 14 Stunden Dienst passierte der Unfall. Auf dem Dienstplan seines Arbeitgebers tauchte der Angeklagte nicht auf. „Wir haben als Bezahlung immer nur Bargeld erhalten“, erzählte M. Er habe als Geringverdiener für das Taxiunternehmen gearbeitet. Ein Fall für das Finanzamt Hildesheim?

Für den Landkreis übernimmt das Taxiunternehmen immer noch Schülertransporte. Landkreissprecher Hans Lönneker: „Wir haben keine Handhabe gegen das Unternehmen, solange es nicht gegen vertragliche Bestimmungen verstößt.“

Von Thomas Nagel

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