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SEINE ANSAGEN SIND KULT:In Stadtbahnfahrer Andreas steckt ein echter Entertainer.

© Rainer Droese

Hannover

Üstra-Fahrer gibt den Entertainer

Flotte Sprüche garantiert: Wer bei Andreas (28) in der Stadtbahn sitzt, dem wird garantiert nicht langweilig: Der Fahrer der Üstra ist bekannt für seine unterhaltsamen Ansagen - unterwegs mit dem lustigsten Bahnfahrer der Stadt!

Hannover. Einige grinsen nur, andere können sich das Lachen nicht verkneifen, keinerlei Gemütsregung ist selten, und eins ist sicher: Wer aus dieser Stadtbahn schlecht gelaunt aussteigt, muss ein fürchterlicher Miesepeter sein. Denn wenn Andreas (28) im Fahrerhäuschen sitzt, wirds lustig. Dann kommt die Ansage nicht öde vom Band. Nein, der schnieke Herr macht das selbst - in seinem Style.

„Liebe Leute, nicht erschrecken, es wird gleich dunkel“, quasselt er drauflos: „Warum? Wir fahren in den Tunnel.“ Und schwups gehts hinab. Die nächste Ansage folgt prompt, bevor der Zug in die Station einfährt: „Nächster Halt: Altenbekener Damm. Ich muss das jetzt leider tun. Alle Türen öffnen in: drei, zwei, eins.“ Der Chipverkäufer vom Fahrgeschäft auf dem Frühlingsfest hätte es nicht besser hinbekommen - und auch nicht Michael Buffer (70). Die Ansage des US-Entertainers („Let’s Get Ready to Rumble“) vor Boxkämpfen ist legendär. Andreas Version vorm nächsten Stop vielleicht ja auch bald: „Ladies and Gentlemen, next station Geeeibelstraaaßeee.“

Wobei, ein bisschen berühmt ist der 28-Jährige bereits. „Manchmal erkennen mich die Leute, und wenn ich mal keine Ansage machen, wundern sie sich“, sagt er und lächelt charmant. Das liegt dann nicht an schlechter Laune, sondern an miesen Mikrofonen. Bedauerlich - nicht nur für die Fahrgäste: „Für mich ist die Hauptsache, dass die Leute mit einem Lächeln aussteigen.“ Andreas ist eben Stadtbahnfahrer aus Leidenschaft - mit einer Mission.

War er denn schon in der Schule ein Kasper? Der junge Mann mit den braunen Augen setzt sein schönstes Lausbubengesicht auf: „Ein bisschen.“ Was anderes hätte man ihm auch nicht geglaubt. Richtig zum Vorschein kam seine komische Seite aber erst im Dienste der Üstra, für die er seit zweieinhalb Jahren Stadtbahn fährt. Vorher arbeitete er als Großhandelskaufmann: „Dann liefs mit meinem Chef nicht mehr so gut und ich musste mir was Neues suchen. Ein Kumpel wusste, die Üstra sucht Stadtbahnfahrer - ich dachte: warum nicht?“ Als eines Tages die Ansage streikte, musste er selbst ran. „Die Ersten lachten schon, als ich durchsagte: ,Jetzt muss ich Sie mal eine Zeit belästigen.‘ Da probierte ich natürlich aus, wie weit ich gehen kann“, erinnert sich der Ronnenberger und setzt wieder dieses schelmische Grinsen auf. Heute weiß er: „Da geht einiges.“ Sein Fahrstil ist übrigens genauso flott wie seine Sprüche. Aber keine Angst! Andreas ist nicht nur als Komiker gut: „Ich mag den Job auch wegen der Verantwortung, die Leute sicher von A nach B zu bringen.“

Sein bisher schönstes Erlebnis: Silvester 2014. Da kutschierte er einen Haufen Partygäste auf der Linie 1 zum Wasserturm und spielte den Anheizer bis zur Haltestelle Alter Flughafen so gut, „dass die Leute sich vorm Ausstieg bedankten und ein Selfie mit mir wollten - alle“. Er lacht: „So viel Zeit hatte ich fahrplanmäßig gar nicht.“ Am liebsten mag er aber den Nachtsternverkehr („Da sind die Leute am besten drauf“) oder die Fußball-Abfahrten („Mache ich leider nur selten, weil ich hauptsächlich die Linien 1, 2, 6, 8 und 11 fahre“). Da stimmt der Stadtbahnfahrer dann auch schon mal den 96-Walzer an - dabei ist der gebürtige Hannoveraner Bayern-Fan. Aber Hannover „ist die schönste Stadt, weg will ich nicht“. Solange er uns mit seinen unterhaltsamen Fahrten erhalten bleibt, verzeihen wir ihm das.

Viel Zeit für Hobbys bleibt nicht, „weil ich meist späte Schichten fahre“. Wenn doch, steht er beim TSV Schulenburg zwischen den Fußball-Pfosten. „Als Torwart muss man ja auch immer ein bisschen verrückt sein“, erklärt der 28-Jährige selbstironisch und lacht erneut - das tut er eigentlich ständig. Sehr sympathisch! Und Songs schreibt der Hobbymusiker nebenbei auch noch. Lange kann es doch nicht mehr dauern, bis die weiblichen Fahrgäste Schlange stehen, um dem smarten Typen kleine Zettel mit ihrer Nummer in die Fahrerkabine zu stecken. Aber der 28-Jährige ist aktuell vergeben. Doch eine Abfuhr von ihm wäre wahrscheinlich so charmant wie seine Durchsagen. Sicher würden auch diese Damen mit einem Lächeln aussteigen.

von Jana Meyer


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