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Meine Stadt Üstra-Chef verliert Urlaubsgeld
Hannover Meine Stadt Üstra-Chef verliert Urlaubsgeld
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00:20 04.03.2018
Entlassen: Wilhelm Lindenberg Quelle: Dröse
hannover

In einer dürren Erklärung hat die Üstra am Donnerstag verkündet: „Der Aufsichtsrat hat auf seiner Sondersitzung beschlossen, den früheren Vorständen André Neiß und Wilhelm Lindenberg die außerordentliche und fristlose Kündigung ihrer Dienstverträge auszusprechen.“

Nach mehreren Pannen und Affären (Boni, Rockkampagne) waren die Vorstände bereits angeschlagen. Entscheidend waren dann „schwere organisatorische Versäumnisse“, so der Aufsichtsrat. Die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) hatte kürzlich die Förderung von elf Hybridbussen widerrufen. Das Unternehmen hatte die Busse bestellt, bevor der Förderantrag eingereicht war. Der Schaden für die Üstra liegt bei 1,85 Millionen Euro.

Neiß wurde fristlos gekündigt

Bereits im Dezember 2017 hatte der Aufsichtsrat Neiß und Lindenberg von ihren Aufgaben entbunden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulf-Birger Franz sprach von „einem Kontrollverlust des Vorstandes“. Die Üstra-Chefs hätten versucht, ihre voreilige Auftragsvergabe für die Hybrid-Busse zu verschleiern.

Doch anstatt die beiden Vorstände gleich zu behandeln, wurden ein feiner Unterschied gemacht: Neiß (CDU) wurde außerordentlich und fristlos gekündigt. Er ging mit null Euro nach Haus. Lindenberg hingegen wurde bis Ende 2018 beurlaubt. Er bekam den „goldenen Handschlag“ im Wert von 200 000 Euro. Eine Entscheidung, die für viel Kritik sorgte. Gerede von „Genossen-Filz“ wurde laut. Die Arbeitnehmervertreter, SPD- und Grünen-Mitglieder sollen für das „Urlaubsgeld“ von Lindenberg gesorgt haben.

Auch Lindenberg muss sofort gehen

Nun die Korrektur. „Nach Würdigung der neuen Umstände sind wir der Auffassung, dass eine fristlose Kündigung von Wilhelm Lindenberg gerechtfertigt ist“, so Franz. Nach NP-Informationen haben sich die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Stimme enthalten. Doch die Mehrheit der Anteilseigner habe für die Entlassung des Üstra-Urgesteins gestimmt. Auch Neiß sei ein weiteres Mal gekündigt worden, um das „Ganze rechtlich noch fester zu machen“, so Franz.

Das wird wohl nicht der Schlussakkord in dieser schrägen Sinfonie sein. André Neiß wolle gegen die Üstra klagen, heißt es. „Wir gehen davon aus, dass auch Herr Lindenberg diesen Weg bestreiten wird“, verlautete es aus Üstra-Kreisen. Kürzlich sagte er zur NP, dass er „reines Gewissen“ habe. Die Üstra bereitet indes Schadensersatzforderungen gegen die Ex-Manager vor.

Von Thomas Nagel

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