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Der Angeklagte (Mitte, gepixelt) im Landgericht.

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Prozess

Tunesier entführt eigene Kinder - 1 Jahr Haft

Motiv: gekränkte Eitelkeit. Weltanschauung: mittelalterlich. Vergehen: Kindesentzug. Kais B. (39) wurde Donnerstag zu einem Jahr Haft verurteilt. Er hat seiner Ex-Frau (36) die beiden Töchter (neun und sieben Jahr alt) geraubt.

Hannover. Nach drei Verhandlungstagen ist klar, der Tunesier will seine Kinder nicht nach Deutschland bringen. Er macht sie damit zu Vollwaisen. „Man trennt sich nicht von einem arabischen Mann“, sagte die Mutter als Begründung für die Tat. Sie war 14 Jahre mit Kais B. zusammen. Anfangs war es große Liebe, später ein Ehe-Martyrium. „Er hat mich geschlagen. Ich musste mich um alles kümmern“, sagte die Ärztin. Sie hat das alleinige Sorgerecht und seit Januar ihre Kinder nicht mehr gesehen.

Unglaublich, aber wahr: In einer notariellen Urkunde bestätigte die Mutter, dass die Familie „dauerhaft nach Tunesien übersiedeln will“. Das war Mitte 2015, Monate vorher hatte sich die Ärztin von dem Tunesier getrennt. Die Mutter hatte beim Notar gelogen. Sie glaubte ihrem Ex, dass er die Urkunde für den Schulbesuch in Tunesien brauche. Ein fataler Irrtum. Kopfschüttelnd meinte Richterin Monika Pinski: „Sie sind ein gebildeter Mensch, das kann ich nicht verstehen.“

Szenen einer Ehe vor dem Strafgericht. Kais B.: „Wir hatten die ganze Zeit vor, nach Tunesien zu übersiedeln.“ Seine Ex: „Seit zehn Jahren war das kein Thema mehr.“ B.: „Doch“. Sie: „Nein“. B.: „Doch.“ Selbst in seinem letzten Wort warf er der Ärztin vor, ihn betrogen zu haben. Er nannte Namen ihrer Kollegen, gab zu, ihr Handy kontrolliert zu haben. Seine Ex-Frau erklärte: „Ich habe Dich nie betrogen.“ Kais B. erklärte, wie er seine weinende Frau tröstete, weil ihr Geliebter sie verlassen hatte - Märchen aus 1001 Nacht?

Mehrere Zeugen berichteten, dass der Angeklagte die Entführung der Kinder akribisch geplant hatte. So sagte er einer Freundin (30) seiner Ex-Frau: „Ich habe mich gefreut, dass sie so dumm war, mir zu glauben.“ Kais B. wollte nicht, dass ein deutscher Mann seine Kinder erziehe. Gegenüber der deutschen Großmutter der Kinder tönte er: „Ihr seid alle Nazis. Deutschland ist schlecht.“

Es ist auch eine Art von Kulturkampf. Die Schwester (29) der Mutter berichtete, dass es arabische Internetforen gebe, in denen erklärt werde, wie man europäischen Frauen am besten die Kinder entziehe. In Frankreich bekämen die arabischen Väter dann vier bis fünf Jahre Gefängnis. „Die meisten Tunesier sitzen die Haft ab“, sagte die Zeugin. Ihre Familie versuche jetzt auf „anderem Weg“, die Kinder zu bekommen. Welcher das ist, wollte sie nicht verraten.

Kais B. verfolgte mit mokantem Lächeln die Verhandlung. „Er sagte mir, dass er das aussitzen will“, erklärte ein Polizist (58). Auch deshalb fiel das Plädoyer von Staatsanwalt Ralf Bettermann sehr emotional aus. „Sie konnten nicht verwinden, dass Ihre Frau schneller vorangekommen ist“, sagte er zu dem Ungelernten. Es sei auch egal, wie viele Liebhaber seine Frau gehabt habe. „Wir gehen hier anders damit um.“ Deshalb wollte er den Angeklagten ein Jahr und acht Monate hinter Gittern sehen.

Richterin Pinski verhängte wegen „Eigenverschuldens“ der Mutter lediglich ein Jahr Haft. „Es gibt hier nur Verlierer.“ Zum Angeklagten meinte sie: „Wie verletzt müssen Sie sein.“ Und: Der Kindesentzug dauere an.


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